| "Invasion": Angriff der Gleichmacher |
|
|
|
| Geschrieben von: Marco Kanne |
| Mittwoch, den 31. Oktober 2007 um 01:00 Uhr |
|
Kein Automatismus zwischen Geld und Qualität Auch wenn es sich bei der 65-Millionen-Dollar-Produktion für Hollywood-Verhältnisse fast um einen "Low-Budget"-Streifen handelt (was Hirschbiegel ausdrücklich so wollte), zeigt dieser Film, dass viel Geld nicht automatisch einen guten Film garantiert. Zum Vergleich: Hirschbiegels Welterfolg "Der Untergang", die bisher teuerste deutsche Produktion, kostete gerade einmal 15 Millionen Euro. Das Skript von „Invasion“ ist eher dürftig, die Charaktere bleiben trotz Starbesetzung blass. Insbesondere die Beziehung der Psychiaterin Bennell zu ihrem Sohn wirkt unglaubwürdig, zu distanziert. Auch wenn nicht wenige alleinerziehende Mütter in der modernen US-Großstadt eine distanzierte, manchmal auch kühle Beziehung zu ihrem Kind pflegen dürften, für die Dramaturgie des Filmes wäre es trotzdem von Vorteil gewesen, hier eine emotionalere Nähe zu erzeugen, die dem Zuschauer die Identifikation mit den Charakteren und der Geschichte als Ganzes erleichtert hätte. Ansehen und wieder vergessen dürfte deshalb wohl die Devise der meisten Kinobesucher lauten. Sicherlich handelt es sich bei „Invasion“ nicht um ein cineastisches Meisterwerk. Handwerklich ist es wohl im besten Falle unterer Hollywood-Durchschnitt. Was jedoch viele Kritiker scheinbar nicht erkannt und gewürdigt haben, das ist die versteckte Botschaft des Filmes. Nun aber erst einmal zur eigentlichen Geschichte des Films: Eine Raumfähre kracht auf die Erde, genauer auf jenen Flecken, der sich USA nennt, schleudert dabei Einzelteile durch die gesamte Gegend. Und wie böse Kapitalisten-Menschen nun mal sind, machen sich einige auch gleich daran die Trümmerteile des ehemaligen Sternengefährts zu stibitzen und über eBay meistbietend zu verkaufen. Dadurch werden diese über den gesamten Globus verteilt, samt einem außerirdischen Souvenir, einer Art Virus. Nachdem die mit diesem Virus Infizierten in das Land der Träume entschwunden sind, breitet es sich in den Körpern aus und übernimmt die Kontrolle. Jegliche Emotionen werden ausgeschaltet. Die Infizierten mutieren zu gleichgeschalteten, gefühllosen Zombies, die nur noch eines im Sinn haben: das Virus zu verbreiten und alle ins Jenseits zu befördern, die sich nicht infizieren lassen wollen oder können. Der Gleichheits-Virus Neben denen, die unverständlicherweise nicht zu gefühlskalten Einheitskreaturen gemacht werden wollen, gibt es nämlich auch Menschen, die immun gegen eine Infektion mit dem außerirdischen Gleichheitsvirus sind, weil sie in der Vergangenheit einmal an Scharlach erkrankt waren. Die Psychiaterin Carol Bennell (Nicole Kidman), deren Sohn einer der Immunisierten ist, sowie der Wissenschaftler Ben Driscoll (Daniel Craig) untersuchen die Vorkommnisse und stellen sich im Verlauf des Filmes heldenhaft gegen die Armee der Infizierten und deren globale Pandemiepläne. Am Ende wird der Kampf natürlich belohnt und ein Heilmittel gefunden. Alles ist wieder in Butter und kann weitergehen wie bisher – Hollywood halt. Die Botschaft Natürlich geht es im Grunde nicht um ein außerirdisches Virus, sondern die Aussage des Filmes kann vielmehr als politische interpretiert werden. Das Virus ist eine Metapher für eine totalitäre, egalitäre Ideologie. Die Infektion stellt die Ausbreitung dieser Ideologie dar, die stark durch den Einsatz von Zwang geschieht. Wer immun gegen das Virus ist, sich also der Ideologie nicht unterwirft, wird „entfernt", wie dies in totalitären Systemen üblich ist. Dass der Film eine metaphorische Warnung vor einer solchen Ideologie darstellt, wird deutlich, als die wortführenden Infizierten gegenüber Bennell mehrmals von einer Welt ohne Schmerz sprechen – einer Welt von gleichen und friedlichen Menschen. Doch diese Welt ist nur um den Preis der Entmenschlichung des Menschen zu erkaufen. Und das ist ein ziemlich hoher Preis. „Invasion“, USA 2007, Regie: Oliver Hirschbiegel, Kinostart (D): 18.10.2007. |