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„Ich bin mittlerweile so süchtig, ich bräuchte ’n eignen Coffeeshop, und zwischen jedem Joint noch ’n THC-Lollipop.“ Was sich wie ein Gedicht eines schwerkranken Hauptschülers im geschlossenen Entzug liest, ist in Wirklichkeit ein Auszug aus dem gerade aktuellen Titel des „deutschen“ Rappers Samy Deluxe. Das Stück nennt sich „Grüne Brille“ und läuft derzeit von MTV bis VIVA „rauf un runna –hihi!“, wie es die lustige Moderatorin, wohl Tochter eines Dönerverkäufers und einer Putzfrau, mit dem an eine türkische Milchspeise erinnernden Namen, formulieren würde.
Die Szenerie des Musikvideos ist denkbar einfach gestrickt. Einige wirklich nicht mehr ganz bei Sinnen zu sein scheinende Herren radeln auf der Suche nach dem nächsten Coffeeshop mit dem „Weedbeutel“ auf dem Gepäckträger durch eine holländische Stadt, denn bekanntlich haben unsere westlichen Nachbarn nicht nur immer mal Hochwasser und Holzschuhe, sondern auch Bistros der ganz anderen Art. Dort angekommen nehmen die völlig „ausgehungerten“ Großstadtkretins auch erstmal ein ordentliches „Frühstück“ in Form von einigen nett vor der Kamera drappierten „Spliffs“ ein.
Vor einigen Jahren noch schier undenkbar, flimmert dieser hirnverbrannte Unfug nun (ob mit oder ohne GEZ zu zahlen – selbst dort werben schon Kiffer mit goldenen GEZ-Ketten …) in deutsche Kinderzimmer. Dieser Vorgang scheint Methode zu haben. Den Anfang machte PRO7-Entertainer Stefan Raab mit seinem Gassenhauer „Wir kiffen.“ Was damals noch als reine Provokation zu verstehen war und in einer Weise sogar gesellschaftskritischen Humor bewies, weicht heute viel subtileren Varianten. Stand Raab für das reine Prinzip Provokation, finden wir in den deutschen Medien heute die Strategie der „großen Selbstverständlichkeit“. Wer kann die deutschen Filmproduktionen noch zählen, in denen ein vor sich hin alternder Mitte-Vierziger noch mal ganz gemütlich einen Joint zündet? „So wie früher, in ihrer krassen Hippiezeit“ Was noch vor einigen Jahren die obligatorische Sex-Szene war, ist heute die obligatorische Kiff-Szene. Herzlichen Glückwunsch!
Die grüne Hölle: „Denn Mongos leben high, und sind nich down mit dem Gegenteil, Wir rauchen bei jeder Gelegenheit und noch nebenbei.“
Doch eines wird bei dem ganzen Schöngerede der Alt- und Neuhippies übersehen: Was in den Zeiten der 60er und 70er Jahre größtenteils aus versprengten kleinern Anbauflächen in Mittel- und Südamerika nach Europa kam, hatte noch lange nicht die Wirkung, wie die heute mafiös angebauten und in der EU angebotenen Sorten. Studien haben ergeben, dass sich der THC-Anteil in den in Deutschland „handelsüblichen“ Sorten seit den 60er Jahren versechs- bis siebenfacht hat. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der Bestandteil um den sich im wahrsten Sinne alles dreht. Der in Zeiten von „Woodstock“ konsumierte „Stoff“ erzeugt Erscheinungen wie Müdigkeit, Entkrampfung, Halluzinieren oder auch nur intensive Entspannungsphasen. Dies klingt vergleichsweise harmlos, wenngleich Droge immer Droge bleibt. Dieses verharmlosende Bild hat sich in den Köpfen vieler erhalten und wirkt mit erschreckenden Wirkungen bis heute fort.
Wenige der heute schönmalenden Fürsprecher und Dauerkiffer, deren Eltern Hippies waren, sind sich der Tatsache bewusst, dass einer ihrer heutigen „Spliffs“ damals sieben Stück ergeben hätte. Und so wird konsumiert, was das Zeug hält. Jedoch stellen sich bereits jetzt die ersten Schäden ein: Eine derart überhöhte Konzentration an THC führt im menschlichen Nervensystem zu ungeheuerlichen Schäden. Vor allem durch Vererbung zu psychischen Störungen neigende Personen sind besonders gefährdet, da sich die Wahrscheinlichkeit an schwersten Depressions- oder Schizophreniestörungen zu erkranken, bei regelmäßigen Konsum expotentiell erhöht.
Und nicht nur veranlagte Personengruppen sind in Gefahr: Studien an jahrelangen Konsumenten haben dauerhafte Störungen der Grob- und Feinmotorik, der Auffassungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie der generellen kognitiven Fähigkeiten als Spätfolgen konstatiert. Und so heißt es auch in der letzten Zeile der „Grünen Brille“ (selbstverständlich mit Rücksicht auf die gefährdete Jugend): „Und an den Nachwuchs: raucht nich so viel, wenn ihr noch in der Entwicklung seid, denn viele Kiffer komm später shizo rüber, wie Jeckyll & Hyde. Merkt euch das … Peace!!!“
Die grüne Idiotie: „Ich erledige Termine ’n andermal, mach ersma Ganja klar, bin immer stoned. Privat, on Stage, oder vor der Kamera.“
Angesichts dieser Tatsachen ist ein Gedanke an die Lockerung des Cannabis-Verbotes in der BRD vordergründig völlig unzulässig. Dass die Zahl der Abhängigen von Jahr zu Jahr rapide steigt, das Einstiegsalter stetig sinkt und sich auch die Zahl der „Einmal- oder Partykonsumenten“ in schwindelerregende Höhen schraubt, ist ein ganz einfacher Fakt. Eine von den Grünen und auch der LINKEN geforderte Legalisierung ist da grundsätzlich falsch, doch hat sich die Richtung der Diskussionen zu diesem Thema interessanterweise in eine andere Richtung entwickelt. War noch zu Raabs Zeiten eine Diskussion mit harten Pro- und Contragegnern zu vernehmen, ist diese heute kaum noch zu hören. Skeptiker gibt es zwar hie und da, aber eine Talkrunde, in der sich Ströbele und Schäuble die Köpfe heiß reden, wird es wohl so schnell nicht mehr geben.
Das hat konkret zwei Gründe: Einmal haben selbst einige radikale Gegner von „damals“ bemerkt, dass ein reines Verbot realistisch betrachtet, nicht erfolgreich sein kann. Auf dem Papier ist der Anbau, Verkauf, Erwerb und Konsum von Cannabisprodukten verboten. Dennoch gibt es prozentual viele Abhängigen und Partykiffer, obwohl die Produkte in Deutschland offiziell nicht angeboten werden dürfen. Der Besitz ist indes in gewissen Grenzen erlaubt. In von der Landesgesetzgebung vorgeschriebenen Richtwerten können ein bis sieben Gramm für den „Eigenbedarf“ genutzt werden. Nur, wie kann man Eigenbedarf von etwas haben, das es nicht gibt? Ohne den freien EU-Binnenmarkt völlig in Frage stellen zu wollen, kann aber festgestellt werden, dass ein wirkliches Verbot im Sinne des Wortes nicht existiert – es ist (nicht mehr) durchsetzbar. Und so kann die heutige Prämisse nur in Aufklärungsarbeit und Prävention bestehen, um das Schlimmste vielleicht noch zu verhindern. Aber diese Arbeit ist teuer, kompliziert und langwierig.
„Hammerhart! Wär ich abergläubisch, wär das Weed mein Talismann, gib mir ’n Spliff im Regensturm, ich relax, wie am Badestrand, an alle Dealer, die ich kenn: Ohne euch wärs’s nie klargegangen, Dank und Grüße daher von Deutschlands größten Cannabisjunk!“
Der zweite Grund hängt eng mit dem Ersten zusammen: Der Konsum dieser Drogen ist heute einfacher den je. In unzähligen Veröffentlichungen und Publikationen kann man den richtigen Konsum nachlesen. Hunderte Filme mit den obligaten Pflichtszenen flimmern in deutsche Kinder- und Wohnzimmern. Selbst in Stadt- und Jugendmagazinen gibt es Werbung mit Sonderangeboten für „Bongs“, die selbstverständlich „nur für den Tabakkonsum“ gedacht sind.
Eine alle emotionalen Debatten des Pro und Contra einfach umgehende Diskussion hat sich in der Musikszene gebildet und eine ungeheuerliche Beiläufigkeit und Bagatellisierung dieses Problems entwickelt, so dass es zukünftig nicht mehr verwunderlich scheint, wenn auch der Waffenbesitz von unter 18 Jährigen mit einem „Ist solch gar nicht so schlimm“ abgetan werden wird. Dieses Problem zeigt mustergültig den verwesenden und entarteten Charakter unserer Gesellschaft – der BRD. Nicht nur die allgemeine Laschheit der Eltern, Lehrer und Sittenwächter ist beispielhaft, sondern auch die konkret an biblische Untergangsgeschichten erinnernde völlige Auflösung von bestehenden Wertesystemen.
Und so ist es um so begrüßenswerter, wenn in manchen deutschen Kinder- und Studierzimmern, wie aus geheimen Quellen sprudelnd, der Wahnsinn von Samy Deluxe leise aber stetig, von feinsinnigem deutschen Kulturgut übertönt wird und man unter den vielen Rasta-Abiturienten und verwahrlosten Soziologiestudenten auch einiges an irgendwie deutlich sprechender und aufrecht gehender Jugend findet, die einer kranken, schlaffen Welt einen gesunden Körper und einen festen Willen zur Veränderung entgegensetzt! |