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Ende November 2008 wurde die neueste Ausgabe der Schülerzeitung Q-rage an alle teilnehmenden Schulen des größten Schülernetzwerkes Deutschlands, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, ausgelegt. Das Motto der Schülerzeitung mit einer Auflage von einer Millionen Exemplaren war „Selam Deutschland!“ (türkische Begrüßung im Sinne von „Hallo Deutschland“). Die teilnehmenden Autoren im Alter von 16 bis 20 Jahren widmen sich darin dem Grundgedanken dieses Projekts: Wie sieht es aus mit dem multikulturellen Zusammenleben in Deutschland? Und wo ist er zu erkennen, der alltägliche Rassismus an deutschen Schulen? Wie schon das heikle Motto erahnen lässt, wird Q-rage den kontroversen Thematiken dank typisch linker, multikulturalistischer Standardberichterstattung nur auf einseitiger Art und Weise gerecht.
Immer mehr Schulen unter dem Motto „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“
Nach eigenen Angaben nehmen deutschlandweit über 500 Schulen, die von 400.000 Schülern besucht werden, an der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ teil. Die Teilnahme an der Initiative sei ausdrücklich nicht als Auszeichnung, sondern als „Selbstverpflichtung“ anzusehen: Mindestens 70% der Lehrer- und Schülerschaft müssen sich per Unterschrift verpflichten, sich gegen Diskriminierungen jeglicher Form einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und einen regelmäßigen Projekttag zum Thema Rassismus durchzuführen.
Ein Konzept, welches bei Schulleitungen anscheinend überaus gut ankommt: So sei das Netzwerk stetig am Wachsen und erfreut sich bei Schülern und Lehrern großer Beliebtheit. So befürwortet laut einer internen Umfrage der Lehrer Herr Zachau das Projekt, weil er Rassismus „generell blöd“ fände. „Hier in der Schule leben und lernen über 40 Nationen. Eine solche Vielfalt ist viel besser als die deutsche Einfalt.“ Bei Befürwortern und Unterstützern wie genanntem Herrn Zachau oder der linken taz dürften die einseitig und unkritisch vonstatten gehenden Multikulti-Panoramas in der Zeitung auch nicht mehr verwundern.
Gemäß dem islamischen Motto stellt sich Q-rage zumindest indirekt der gesellschaftlichen Tatsache, dass Multikulti in westlichen Industrieländern in seiner Konsequenz immer auch Islamisierung bedeutet. Den Auftakt bildet daher ein Artikel über das Palästinsensertuch, „ein umstrittenes Stück Stoff.“ Sogenannte Pali-Tücher seien bei Jugendlichen in letzter Zeit wieder zum Mode-Objekt geworden. Anders als in den 70ern und 80ern, wo vornehmlich Linke das Tuch als Ausdruck ihrer konkreten Solidarität mit den Palästinensern – später universalisiert für alle unterdrückten Völker – trugen, spielen politische Intentionen bei Jugendlichen heutzutage kaum mehr eine Rolle. Viel mehr kann das Pali-Tuch, welches sowohl bei linken, als auch bei rechtsextremen Gruppierungen seine Beliebtheitsphasen hatte, nicht pauschal als ein Politikum verstanden werden: „Politisch werden sie erst durch die Weltanschauungen und die politischen Ziele ihrer Träger“.
Jugendliche Modetrends zusammen mit einschlägiger Politik
Augenscheinlich unpolitische Artikel stellen Beiträge über „Ethik-Notrufe“ in den immer beliebter werdenden sozialen Netzwerken wie „SchülerVZ“ oder ein Artikel über Lehrer-Mobbing und etwaige notwenige Kritikplattformen für Lehrer dar. Auffällig ist die Vereinnahmung der, vor allem bei Migrantenkindern und -jugendlichen beliebten, Hiphop-Kultur durch fragwürdige politische Aktionen. So ist mit rationalem Verstand schwerlich zu verstehen, wieso sich Jugendliche, die aus multikulturellen Brennpunktvierteln stammen, für Projekte wie „Music International Against Xenophobia – Musik gegen Fremdenhass“ einsetzen müssen. Fremdenhass ist zwar gerade in multikulturellen Gegenden zweifellos spürbar: Nur dürften plumpe Platitüden wie die dauerbedrohlichen Rechtsextremen in solchen Milieus weniger eine Rolle spielen als islamisch motivierter Fremdenhass und Intoleranz.
Dieser wird allerdings nur sehr sachte und im politisch-korrekten Präventivgehorsam angegangen. So wird in einer Reportage die Konversion einer siebzehnjährigen Schülerin zum Islam thematisiert. In unerschütterlich sachlicher Weise lässt man die junge Konvertitin von ihren Beweggründen berichten. Von einer typischen „Mitläuferin mit wenig Selbstbewusstsein“, innerlich wenig befriedigt, habe sie schließlich im Islam die Antwort auf die Frage nach einer höheren Kraft, „Klammer, Klarheit und Sinn“ gefunden. Anfangs habe sie ihren neuen Glauben versteckt, erst später sei sie damit offen nach außen gegangen.
Von Familie und altem Freundeskreis habe sie kaum Verständnis für ihren neuen Lebensweg (Kopftuch, essen nach islamischen „Halal“-Regeln, die Nicht-Offenheit für Christen bei der Heirat, usw.) bekommen, was Q-rage als eine Art Diskriminierung auffasst. Obwohl die Einstellung der jungen Neu-Muslimin, welche die Christen „trotzdem akzeptiere“, sehr wohl als „fundamentale Haltung“ bezeichnet wird, findet sich kein kritisches Wort darüber, dass dieser Fundamentalismus in vielen Köpfen junger Muslime steckt und zum Großteil auch schuld an mißlingender Integration ist und damit bildungsferne Parallelgesellschaften verfestigt.
Präventivgehorsam: Keine Konsequenz bei der Benennung von Problemen
Zwar wird in einem kleinen Nebenartikel der sogenannte „Salafismus“ als radikale islamische Strömung benannt. Allerdings fügt man alsbald beschwichtigend hinzu, dass diese „kompromisslose Form des Islam“ nur „wenige der über drei Millionen Muslime“ angehörten. Dies entspricht allerdings keineswegs der Realität, wie eigentlich obige Reportage ebenso belegt. Viel mehr kommt es weiterhin für die meisten der in Deutschland lebenden Muslime – unanhängig davon, ob hier geboren oder nicht – unter keinen Umständen in Frage, orthodoxe islamische Traditionen und Riten aufklärend zu integrieren, geschweige denn, gar einen „Ungläubigen“ zu heiraten.
Es darf bezweifelt werden, dass sich die Jungredakteure von Q-rage diesem Umstand nicht bewusst sind. Allerdings mutiert man doch selbst zum „Rassisten“, würde man solche unliebsamen, politisch-inkorrekten Tabu-Themen ansprechen. Um dennoch dem heroischen Selbstauftrag im Kampf gegen Rassismus gerecht zu werden, müssen die guten alten Feinde herhalten, die schon immer ihren Zweck erfüllt haben: Die bösen Deutschen! Von denen braucht man keine Gegenwehr befürchten.
In einem Artikel, der sich der Frage stellt, ob „postkoloniale“ Bezeichnungen wie „Negerkuss“ einen zum Rassisten machten, werden vermeintlich sachlich Pro und Contra-Seite gegenübergestellt. Die Gegenseite vermerkt routiniert all die antirassistischen Mahnungen. Bei „Pro“ überrascht positiv, dass die Denkeinschränkung namens „Political Correctness“ genannt wird. Dies sei den „Schuldgefühlen“ der Westeuropäer verdankt. Allerdings wird alsbald wieder in den linksideologischen Tenor geblasen, wenn dazu aufgerufen wird, Begriffe aus NS- und Kolonialzeit bewusst als „sprachliche Mahnmale“ zu pflegen und aufrechtzuerhalten.
In seiner Selbstbeschreibung behauptet „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zwar, man stünde politisch „weder rechts noch links noch in der Mitte“, und sei der Ansicht, dass „alle Menschen, egal woher sie kommen und wie sie aussehen“ zu Diskriminierung imstande seien. Doch in der Praxis wird dieses Unterfangen in keinster Weise umgesetzt. Das Netzwerk muß als offen links eingestuft werden, da es Kooperationen z.B. mit der taz pflegt und Schreibweisen verwendet, die dem geltungssüchtigen Emanzipationswahn linker Kreise entsprechen (Stichwort: Großes Binnen-I).
Der böse Deutsche ist immer schuld - die Vielseitigkeit von Rassismus verkannt und verschwiegen
Unkundigen wie leichtgläubigen Junglesern könnte der Eindruck vermittelt werden, in Deutschland würden noch Horden von gewaltsamen glatzköpfigen Baseballschläger-Trupps herummarschieren. Erstrecht, wenn Einzelschicksale befragt werden, die ihre Erfahrungen mit Rechtsextremen in Ost-Berlin schildern. Q-rage verdeutlicht die zu vermittelnden Inhalte übrigens durchgängig mit prototypischen Beispielen und Szenarien und neigt immer wieder zur Verallgemeinerung. Aber wieso nicht im Gegenzug auch mal die massive Deutschenfeindlichkeit junger Migranten in den Westberliner Multikulti-Bezirken thematisieren, die sich in tagtäglicher Gewalt ausdrückt?
Und wenn man die aktuelle Ausgabe schon plakativ dem Islam widmet, dann darf Christenschelte – auch so eine Gruppe, von der man gesellschaftlich keine große Gegenwehr befürchten muss – nicht fehlen. In einem überaus unsachlichen Artikel wird vom evangelikalen „Christival“, einer Großveranstaltung für junge freikirchliche Christen, welche Anfang des Jahres in Bremen stattfand, ein derart verzerrtes Bild gezeichnet, dass sichdie Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), ein weiterer Sponsor von Q-rage, zu einer Distanzierung genötigt sah. Auf den Vorwurf des Generalsekretärs der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, Evangelikale seien ohne Begründung in die Nähe von Verfassungsfeinden gerückt worden, gab der Präsident der BpB, Thomas Krüger, in einem Schreiben an die teilnehmenden Schulleitungen bekannt, dass er den Artikel „in seiner Einseitigkeit und Undifferenziertheit für gänzlich unakzeptabel“ halte.
Ideologie statt Information
„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ muß sein Konzept einer differenzierten, nicht-politisierten Herangehensweise an die Problematik Rassismus nochmals überdenken, oder aber mit der insgeheimen Gewissheit leben, mit einer Auflage von einer Millionen Exemplaren den gutgläubigen Nachwuchs mit Absicht in die Irre zu führen. |