Startseite Rezension Die Musik der Reichsflugscheiben: ZHARK – Frühwerke 1983-1988

Alternative Flash-Inhalte

Sie müssen aktualisieren sie ihren Flash Player

Get Adobe Flash player

Die Musik der Reichsflugscheiben: ZHARK – Frühwerke 1983-1988 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Nils Wegner   
Donnerstag, den 22. Januar 2009 um 02:00 Uhr

ZHARKDer sogenannte „Haunebu-Mythos“ thematisiert die angebliche Existenz ominöser Reichsflugscheiben. Ihm zufolge wurden diese in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs in Deutschland entwickelt. Eine kleine verbliebene Schar hartnäckiger „Alter Kämpfer“ soll von der Antarktis aus den Kampf gegen die Alliierten fortgeführt haben, derlei Exotisches wird in der Musik freilich selten bemüht.

Allein Melodie und Rhythmus

Zu heikel scheint das Thema, zu schwierig die künstlerische Umsetzung. Interessant bleibt jedoch, dass ein deutsches Minimalelektro-Projekt namens ZHARK sich dieses Stoffes bedient: das offenbar einzige Mitglied des Projektes – namens ZHARK –, dessen Hörer ihm den Beinamen  „Haunebu III-Kommandant” gegeben haben, lebt – laut eigener Auskunft – in der berüchtigten Südpolarregion „Neuschwabenland“.

Mit dem 2008 bei SkullLine erschienen Album „Frühwerke 1983-1988” liegt nun die zweite offizielle Platte nach seiner hochgelobten und mittlerweile sehr begehrten E.P „Binär Robotik” vor. „Frühwerke 1983-1988“ stellt eine Rückschau in die Anfangstage des Projektes dar, das sich mittlerweile vor allem mit regelmäßigen Samplern einen Namen gemacht hat. Nun ist aber das gesamte Album ohne Text gehalten, was im Minimalbereich durchaus nicht unüblich ist. Wie soll man also Musik rezensieren, die als reine Kombination aus Melodie und Rhythmus daherkommt?

Mysteriös mit Methode

Hier kann man sich zuvorderst an generellen Dingen orientieren. Das Album kommt mit respekteinflößenden 16 Liedern daher – ein Faktum, das umso mehr beeindruckt, wenn man sich vor Augen hält, dass die CD im Internetversand gerade einmal soviel kostet wie eine Mainstream-Single im Laden – inklusive Porto. Was die äußere Aufmachung angeht, bleibt ZHARK seinem Hintergrund treu: die Frontseite zeigt eine Formation von Reichsflugscheiben und Raketenflugzeugen, die scheinbar über einen norwegischen Fjord hinweggleiten, auf der Rückseite findet man lediglich die Titel der Tracks. Das einseitige Booklet führt einige Danksagungen und die musikalischen Vorbilder des Herrn ZHARK auf, vor allem die legendäre Gruppe „Kraftwerk“. Alles wirkt sehr mysteriös, aber offensichtlich mit Methode.

Es bleibt also nur noch die Musik: so manche Gruppen haben sich schon daran versucht, der Legende um die nationalsozialistischen UFOs ein musikalisches Denkmal zu setzen – meist sehr bemüht, von scheußlicher Qualität und mit zweifelhaften Hintergedanken. ZHARK jedoch ist anders. Seine Lieder sind penibel sauber produziert und präsentieren Klänge, die offensichtlich von sehr fachkundiger Hand aus den überwiegend von ZHARK selbst konstruierten, programmierten und modifizierten Synthesizern und C-64-Modulen gelockt wurden. Wer hier – wie in vielen drittklassigen Elektroprojekten – allenthalben eingespielte Hitlerreden und stumpfes Bassgeprügel erwartet, geht fehl. Hier hat man ein sehr flexibles, spannendes und interessantes Album geschaffen, das mit augenzwinkernd-mysteriösen Titeln wie „Dada (Entartete Kunst-Mix)“, „Thule Tachyonator“ oder „Intoxikat E“ daherkommt. Ja, sogar dem zur Weltausstellung 1958 erbauten Brüsseler Atomium und der Helmholtz-Differentialgleichung hat er Hymnen auf den Leib programmiert.

Keine „Musik für jedermann“

Insgesamt lässt sich wohl sagen: es handelt sich ganz und gar nicht um „Musik für jedermann“. Aber wer ein Faible für fantasievolle und treibende elektronische Musik hat und sich nicht von Haunebus abschrecken lässt, sollte auf jeden Fall eine Hörprobe riskieren. Vielleicht lässt ihn die vermittelte UFO-Stimmung auch kalt. Dann dürften aber zumindest Erinnerungen an uralte Weltraumcomputerspiele hochkommen, wenn es so fremdartig aus den Boxen fiepst und piepst.

Einige Stücke von ZHARK können auf www.myspace.com/zharkdeutschland angehört werden.

 
ANZEIGE

Verwandte Themen

Aufgepasst!

Banner

Umfrage

Das größte Problem in Deutschland ist ...
 
Wie würdest du dich politisch selbst beschreiben?