Startseite Rezension Hauschka: Snowflakes & Car Wrecks EP

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Hauschka: Snowflakes & Car Wrecks EP PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benjamin Jahn Zschocke   
Sonntag, den 26. April 2009 um 01:00 Uhr

Volker BertelmannVor wenigen Tagen erschien das neue Werk des Düsseldorfer Pianisten Volker Bertelmann alias Hauschka. Weniger als ein Jahr ist seit dem gefeierten Vorgänger Ferndorf vergangen. Wir haben vorab reingehört und verraten, ob es sich lohnt, Bertelmanns künstlerischen Weg weiterzuverfolgen.

Hauschkas Klangkosmos oszilliert zwischen klassischen und elektronischen Mustern

Wir erinnern uns: Volker Bertelmann verleiht der zeitgenössischen Klaviermusik seit mehreren Jahren mit Erfolg einen unverwechselbaren Akzent. Sein Klangkosmos oszilliert zwischen klassischen und elektronischen Mustern. Alles entsteht analog mit Hilfe seines präparierten Klaviers. Von Bertelmann vorgenommene mechanische Veränderungen an seinem Instrument erzeugen untypische Tonspektren die Perkussions- oder Elektroinstrumente vermuten lassen, wo de facto keine sind.

Seit 2004 erschienen so vier bemerkenswerte Alben, bei denen schon seit dem Erstling „Substantial“ klar wurde: hier entwickelt sich ein bemerkenswertes künstlerisches Konzept. Lag der Akzent der ersten drei Werke auf dem reinen Klang des Prepared Piano, wie Bertelmann es selbst nennt, kamen seit Ferndorf ergänzend einige Streicher hinzu. Bereits im März besprachen wir dieses Album in einer Podcast-Sendung.

Bertelmann bleibt seinem Konzept treu

Und nun die Snowflakes & Car Wrecks EP. Der erste Gedanke: Geldmache! Zwei bis fünf Lieder mit eigenem Cover, oft kann man sich das sparen. Wieso? Es ist ein oft beobachtetes Phänomen: Nach einem sehr erfolgreichen Album entdecken Musiker die Marktwirtschaft und wollen den vorherrschenden Hype nutzen. Nicht selten verlieren sie im Medienrummel den Kopf und werfen alle Prinzipien über Bord. Die üblichen Zeitfenster bis zum Vorhandensein von zumindest zehn hörenswerten Stücken, die sich in Albumform herausbringen ließen, werden verworfen. Kritiklos erscheint alles, was greifbar ist. Oft sind solch übereilte Veröffentlichungen wenig erfolgreich, da sie im skizzenhaft Unfertigen zurückbleiben.

Bertelmanns EP ist eigentlich gar keine. Das einzige zutreffende Kriterium: Die Platte enthält nur sieben Stücke, also nicht neun oder zehn wie üblich – das jedoch in vierzig Minuten Gesamtlänge – ein unwesentlicher Unterschied zu den Vorgängern. Bertelmann bleibt seinem künstlerischen Prinzip treu. Deutsche und englische Titel wie Ginsterweg, Wonder oder Tanz unterstützen den Wiedererkennungseffekt ebenso, wie die an einigen Stellen hörbaren Streicherklänge und natürlich sein präpariertes Klavier. Und doch ist es keine Wiederholung von bekanntem, sondern ein gezielter Vorstoß zu neuen Ufern.

Noch nie komponierte Hauschka so opushaft

Der Einfluss von Ferndorf und Room to Expand wird nicht zum bestimmenden Prinzip, sondern zum Rahmen neuer Ideen. Noch nie waren Hauschka-Stücke so opushaft komponiert wie auf Snowflakes & Car Wrecks. Während er beim Vorgänger selten die von der Popkultur vorgegebene Vierminutengrenze überschritt und alles glattgeschliffen und poliert daherkam, entstanden hier wirklich neue Ansätze – z.B. bei Eisblume oder im fast zehnminütigen Tanz; ganz klar der Höhepunkt der Platte!

Die Streicher sind nicht länger nur Begleitung, sie entwickeln hierin eine eigene Wertigkeit. Oft wechseln sich reine Klavier- und Streichersequenzen ab. Dazu wird die Melodie noch bedeutender. Gerade der Tanz erinnert auf subtile Weise an Edward Griegs Klavierbearbeitungen für norwegische Volkslieder- und Tänze.

Und es scheppert wieder mehr in Hauschkas Klavier. Auf dem wesentlich bekömmlicheren Ferndorf musste man da schon sehr genau hinhören, um die Wirkung von Filzkeilen und Kronkorken, zusammengeklebten Saiten und Alufolie im Instrument herauszufiltern. Bertelmann nimmt sich die Freiheit auszuprobieren, sich selbst zu zitieren und neue Aspekte herauszuarbeiten. Hier ist jemand mit Herz und Seele am Werk! Einziger Wermutstropfen: Das Cover erinnert zu stark an Ferndorf. Zum Glück belehrt uns der Inhalt eines Besseren!

 
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