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Kunst-Vorbilder von draußen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benjamin Jahn Zschocke   
Montag, den 22. Juni 2009 um 01:00 Uhr

Joanna NewsomSchon lange verfolgen wir das Ziel, dem Wesen einer für Konservative angemessenen Grundästhetik nachzuspüren. Meistens scheitert diese Debatte jedoch bereits bei der Frage, wozu wir ein ästhetisches Grundverständnis überhaupt brauchen. Funktioniert eine „politische Idee“ nicht auch ohne Kunst?

Ästhetischer Kontrast

Die drei Ansätze zu einem neurechten Kunstverständnis brachten einige interessante Diskussionen mit sich. Zwei erste Erkenntnisse lassen sich konstatieren:

Erstens: Wenige (von uns) haben bislang wirklich verinnerlicht, daß es sich bei einer konservativen Weltsicht nicht nur um eine politische Idee handelt, sondern auch um eine ästhetische – und weiterhin ein ganzheitliches Lebensmodell. Vielfach begnügt man sich mit der bloßen Artikulation seiner Meinung und lebt oft weiter wie bisher.

Zweitens: Es mangelt an aktuellen ästhetischen Vorbildern, Marksteinen also, an denen sich ein Niveau messen lässt. Es gibt so gut wie keine zeitgenössischen Romane, keine herausragenden Bilder und keinen musikalischen Kanon. Jeder kann seine Favoriten in Musik, Dichtung und Bildender Kunst aufzählen und nur wenige davon entstanden in den letzten zehn Jahren. Die Quintessenz daraus: ein Blick nach draußen ist notwendig.

Orientierung schaffen

Die größte Rolle in der Jugendkultur spielt neben der Mode die Musik. Es gibt in den engmaschigen rechten Musikszenen keine einzige Band, die das Potential hätte, diesen Kosmos zu verlassen. Ein Blick über den eigenen Tellerrand ist angebracht und sinnvoll. Die aktuelle Musiklandschaft ist unüberschaubar, jeden Monat werden neue Bands entdeckt und hunderte Platten veröffentlicht. Zur Orientierung sind Marksteine notwenig, die es erlauben, ein engmaschiges Netz aus Vergleichspunkten zu knüpfen, welches gewissermaßen als Landkarte dienen kann.

Unter den Aspekten der Einzigartigkeit, Kreativität und dem Prinzip des Gesamtkunstwerks (aus Gesang, Musik/Arrangements und Albumgestaltung) sind im Folgenden zehn Musikproduktionen der letzten fünf Jahre angeführt, deren Wirkung weit über eine Chartplatzierung hinausgeht, deren Ästhetik vorbildlich ist und die vor allem mitten im Jetzt verankert sind. Wichtig bei der Bewertung, wie überall in der Kunst: die Trennung von persönlichem Geschmack und überpersönlichem Kunstempfinden.

The Good, The Bad and the Queen
Der Frontmann von Blur und den Gorillaz trifft hier unter anderem mit dem ehemaligen Bassisten der Punk-Legende The Clash zusammen. Was entsteht, ist neu und bis dato nie gehört – zehn Titel mit der Ästhetik von Erzählungen Edgar Allan Poes.

Eels: Blinking Lights and other Revelations
Ein Doppelalbum mit über dreißig kammermusikalisch arrangierten Stücken von Mark Oliver Everett, das zwischen Südstaatenblues, Singer-Songwriterklängen und einem unendlichen Feld der musikalischen Experimente oszilliert.

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Calexico & Iron and Wine: In the Reins EP
Eine bemerkenswert kurze Gemeinschaftsproduktion. Die Klanglandschaft aus zahllosen Ideen für Akustikgitarre und Laptop-Musik von Calexico trifft hier die unverwechselbare Folk-Stimme des Einsiedlers Sam Beam, alias Iron and Wine.


Uphill Racer: No Need to laugh
Der deutsche Klangbastler Oliver Lichtl verdichtet analog und digital produzierte Klänge und Beats zusammen mit Sprachmitschnitten und seiner sinnlichen Singstimme zu Liedcollagen, die bleibenden Eindruck hinterlassen.


Hauschka: Ferndorf
Reines Instrumentalalbum. Die Klavierkompositionen des Düsseldorfer Pianisten Volker Bertelmann werden von Cellopassagen abgerundet. Die für ihn sonst typischen Klangexperimente treten auf diesem Album stark in den Hintergrund.


Phantom Ghost: Three
Dauernebenprojekt von Dirk von Lowtzow (Tocotronic) und Thies Mynther (Superpunk, Das Bierbeben): Keine einfühlsame Stimme, die mal vom Klavier und mal von Elektroinstrumenten begleitet wird.


The Raconteurs: Broken Boy Soldier
Erstklassige Rockmusik der Szenegrößen Jack White (The White Stripes) und Brendan Benson, mit Unterstützung des Bassisten und des Schlagzeugers der Greenhornes. Eine Sammlung von zehn Miniaturkunstwerken ohne Zierrat und Füllstoff.


Beirut: The Flying Club Cup
Das bisher bedeutendste Album des jungen Weltmusikers Zack Condon. Er und seine meist mehr als zehn Mann umfassende Band produzieren einen unverwechselbaren Klang im Kontext von Balkanmusik, Volksliedern und Folk.


Joanna Newsom: Milked Eyed Mender
Eine Art Neofolk ohne depressiven Einschlag und dabei hochgradig künstlerisch. Die Stimme Newsoms turnt zwischen Piepsen und Mezzosopran auf und ab und wird von ihrem Harfenspiel und einigen anderen anachronistischen Instrumenten umrahmt.

Thom Yorke: The Eraser
Erstes Solowerk des Radiohead-Sängers und wahrscheinlich das künstlerisch anspruchsvollste Album, das jemals von ihm erschienen ist. Superlative sind gefährlich, doch diese neun Titel, meistens elektronisch eingespielt, sind mit nichts auch nur ansatzweise vergleichbar. Das Cover ziert ein überdimensionaler ausklappbarer Holzschnitt.

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Szenedenken überwinden

Wenige Jugendliche werden sich hinsetzen und Ernst Jünger lesen. Eine ästhetische Schule kann also nur über vertraute Mechanismen erfolgen. Dabei muß das Szenedenken überwunden werden. Jeder, der ein ästhetisches Werturteil nur auf seinen Mikrokosmos beschränkt, hat etwas mißverstanden. Ein solches Urteil muß immer objektiv verstanden werden. Also, solange „drinnen“ nichts Außergewöhnliches entsteht, muß sich „draußen“ gebildet werden. Noch besser natürlich: Selbst kreativ tätig werden und sich dem Außergewöhnlichen annähern.

 
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