Rezension

1918: Die Tore zur Hölle. Eine Besprechung

Wenn auch die Mär vom bösen Kaiser Wilhelm II. und vom militaristischen Deutschen Kaiserreich, das mutwillig im Sommer 1914 einen Weltkrieg vom Zaun brach, in den letzten Jahren erheblich an Leuchtkraft eingebüßt hat, was nicht bedeutet, dass diese Thesen in den „etablierten“ Kreisen nicht immer noch mit Vehemenz vertreten werden, so galt doch zumindest die herkömmliche Deutungsweise bezüglich des Kriegsendes im November 1918 bis vor kurzem als unangefochten.

Linke Märchen

Nach herkömmlicher Lesart gilt das Kaiserreich im Herbst 1918 als militärisch fast komplett besiegt, während die Westmächte noch immer vor Kraft nur so strotzten. Nur böse, reaktionäre und republikfeindliche Kräfte haben nach dem Krieg behauptet, dass vor allem die linksextremen Aufstände an der Heimatfront für den Zusammenbruch des Deutschen Heeres verantwortlich waren.

Die Oberste Heeresleitung sei persönlich für den Zusammenbruch der Stellungen an der Westfront verantwortlich und habe daher die Legende vom Dolchstoß in die Welt gesetzt, um von eben jener Verantwortung abzulenken. Und überhaupt müsse man sich doch über den Zusammenbruch der Monarchie und die damit einhergehende Niederlage im Ersten Weltkrieg freuen, denn erst dadurch wurde die erste Demokratie auf deutschem Boden geboren.

Doch genug der linken Märchen: Dass das Kaiserreich weitaus demokratischer war als etwa Großbritannien oder die USA zu seiner Zeit, sei hier nur am Rande erwähnt. Auch sei die Frage umschifft, ob die westliche Spielweise des totalen Parlamentarismus dem Ideal einer demokratischen, von Gewaltenteilung geprägten Demokratie so nahe kommt, wie immer suggeriert wird.

Vielmehr bedarf es einer Klärung, wie die militärische und politische Lage im Herbst 1918 tatsächlich aussah. Wenn wir uns dem widmen, müssen wir feststellen, dass von den bisherigen Erzählungen über diesen Teil der Geschichte wenig bis gar nichts auf tatsächlichen Fakten beruht.

Zwischen Dolchstoß und endogenen Faktor

Nachdem bereits Ende des vergangenen Jahres der Mainstreamhistoriker Gerd Krummreich in seinem Buch Die unbewältigte Niederlage erhebliche Zweifel an der Legende von der Dolchstoßlegende gesät hat und einräumen musste, dass die linksextremem Aufstände an der Heimatfront sehr wohl einen endogenen Faktor bei der militaristischen Niederlage spielten, ist nun im Kopp-Verlag Anfang des Jahres erstmals ein umfassendes neues Werk zu den Themen rund um das Ende des Ersten Weltkrieges erschienen, das mit den Deutungen der etablierten Geschichtswissenschaft aufräumt.

Verfasst hat das Buch 1918: Die Tore zur Hölle das Autorenduo Dr. Thomas Jung und Friedrich Georg. Einleitend wird festgehalten, dass nicht etwa Deutschland, sondern eine angloamerikanische Geldelite den Ersten Weltkrieg systematisch vorbereitete und auslöste. Für Leser, die sich noch nicht mit den Hintergründen der Entstehungsgeschichte dieses Kriegs befasst haben, mag dieser Abschnitt etwas dürftig erscheinen. Vorkenntnisse diesbezüglich wären daher von Vorteil.

Weiter geht es mit einer leicht verständlichen Schilderung der militärischen Ereignisse an der Westfront zwischen Frühjahr und Herbst 1918. So wird berichtet, dass im Rahmen der letzten deutschen Großoffensive im Frühjahr und Frühsommer in Paris alles daran gesetzt wurde, die Stadt zu evakuieren und die Regierung nach Bordeaux zu verlagern, da deutsche Truppen schon den Eiffelturm sahen. Die britische Kriegsführung dachte offen darüber nach ihre Truppen vom Kontinent über den Ärmelkanal zu verschiffen. Ein deutscher Sieg oder zumindest ein von deutscher Seite immer wieder angestrebter Verständigungsfrieden schien zum Greifen nahe.

Und was passierte dann? Treibstoffmangel! Die deutschen Einheiten konnten sich nicht mehr schnell genug fortbewegen, da ihnen der Treibstoff ausging. Dieser Umstand wurde dann von den Westmächten genutzt und die Deutschen wurden zurückgeschlagen.

Beruhte der Treibstoffmangel auf einem Zufall? Möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Die beiden Autoren verweisen auf den bemerkenswerten Umstand, dass die Versorgungswege zu diesem Zeitpunkt alle noch intakt waren, die Bewegungen an sich liefen jedoch sehr langsam ab. Wollte da jemand auf deutscher Seite einen Erfolg der kaiserlichen Armee verhindern? Dieser Schluss liegt zumindest nahe.

Ein ähnliches Problem gab es gegen Ende des Krieges mit der Munition. Die Depots waren voll, doch die Munition gelangte nicht zur Front.

Nachdem Jung und Georg mit dem Mythos aufgeräumt haben, die Rückzugsgefechte der deutschen Truppen seien wirkungslos gewesen, in Wahrheit fügten sie dem Gegner nämlich erhebliche Verluste zu und werden heute noch an US-amerikanischen Militärakademien als vorbildhafte Rückzugstatik im Unterricht verwendet, wenden sie sich den „Streiks“ einiger Truppenverbände zu.

Linksextreme Propaganda und US-Dollars

Das Autorenduo räumt zunächst mit dem Irrtum auf, nur auf deutscher Seite habe es Moralprobleme gegeben. Auch die gegnerischen Armeen gingen im Herbst 1918 auf dem Zahnfleisch. In Deutschland kam es im Verlauf des Jahres 1918 immer wieder zu großen Streiks in Munitionsfabriken. Zudem gab es eine riesengroße Anzahl von Deserteuren. Nicht selten kam es zu der grausigen Szene, dass frische Kampfverbände auf dem Weg zur Front von einigen Einheiten in der Etappe wüst als „Streikbrecher“ beschimpft wurden.

Wohin dieses Gebaren führte, wissen wir heute. Matrosenaufstand in Kiel, Revolution in München und Berlin. Doch handelte es sich hierbei tatsächlich um einen spontanen Volksaufstand? Diese Frage muss zum Teil deutlich verneint werden. Wie Jung und Georg nachweisen, gab es für diese revolutionären Umtriebe sehr tatkräftige Unterstützung, zum einen aus dem bolschewistischen Russland, das vor allem Propagandamaterial wie Flugblätter finanzierte, und zum anderen aus den USA. Mit Dollars wurde zum Teil die massive Welle von Deserteuren angestiftet sowie beim Desertieren unterstützt.

Die Betrachtung zu diesem Teilabschnitt des Buches endet mit der Feststellung, dass Deutschland, nachdem sich der sogenannte Friedensplan von US-Präsident Wilson als unannehmbar herausgestellt hatte, sowohl willens als auch in der Lage dazu gewesen wäre, weiter zu kämpfen. Doch kam es dazu  nicht aufgrund der zahlreichen Probleme im Landesinneren.

Dies war nur ein kurzer Ausschnitt der fulminanten Enthüllungen aus dem Buch. Dieser Schrift ist insbesondere in patriotischen Kreisen weiteste Verbreitung zu wünschen. Wir müssen endlich verstehen, dass die Probleme unserer Zeit nicht erst mit Merkels Asylpolitik angefangen haben, sondern sehr viel weiter zurück in unserer Geschichte zu suchen sind. Dieses Buch vermag vielleicht dieser Erkenntnis zum weiteren Durchbruch zu verhelfen. Thomas Jung und Friedrich Georg enden  mit dem Satz: „ Am Ende des ersten Weltkriegs gingen am 11. November 1918 die Tore zur Hölle auf. Bis heute hat sie niemand wieder geschlossen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.


2 Kommentare zu “1918: Die Tore zur Hölle. Eine Besprechung

  1. Zu den ausländischen Zentralen und Vereinigungen, die in den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges den deutschen Zusammenbruch logistisch und finanziell unterstützten, gehörten unter anderen: 1. die »Zimmerwalder Internationale< mit Sitz in Stockholm seit 1917; 2. die »Auslandsvertretung der Bolschewisten unter Leitung von Karl Radek; 3. die »Internationalisten« mit Sitz in Berlin unter Leitung von Julian BORCHARDT mit engen Beziehungen zu den Bolschewisten LENIN, RADEK und SINOWJEW; 4.das Internationale Jugendsekretariat in der Schweiz unter Willi MÜNZENBERG; 5. in Frankreich Überläufer und Kriegsgefangene; 6. in Holland »Deutsche Deserteur-Vereine« mit der englischen Agentur TINSLEY, das »Komitee der Flüchtlinge« mit Verbindung zu dem französischen Nachrichtenoffizier CROZIER-DESGRANGES und unmittelbarer Verbindung zur deutschen USPD und den »Zimmerwaldern« in Stockholm; 7. der »Spartakusbund« mit Sitz in Berlin unter Leitung von Rosa LUXEMBURG und Karl LIEBKNECHT.4 Über die Finanzierung der während des Ersten Weltkrieges gegen das Reich gerichteten revolutionären linken Bewegung in Deutschland gibt ein Bericht von 1919 Auskunft: »Das eigentliche Verbrechen der Revolution beginnt dort, wo das Geld der Entente, der Mammon der Feinde des deutschen Volkes, zum Verbündeten der deutschen Revolutionäre wurde. Das Geld für die deutsche Revolution floß aus drei Quellen: 1. aus bestimmten jüdischen Kreisen in Deutschland selbst, 2. aus dem Propagandafonds der Entente, 3. aus dem Staatssäckel der russischen Bolschewiki.

    Das englische Weltreisebüro Thomas COOK und der in Holland wohnende englische Agent TINSLEY sandten ihre Leute nach Deutschland, um die Unzufriedenheit bis zur Siedehitze zu schüren. Feindliche Agenten in deutscher Militäruniform waren mit dem von englischen, französischen und amerikanischen Großindustriellen gestifteten Gelde in Deutschland unterwegs, um die Leidenschaften des Volkes aufzupeitschen und die Soldaten zur Desertation zu verleiten. Einige dieser Agenten hatten Beträge von 20 bis 30000 RM bei sich.

    Aus: Der große Wendig, Band 3

  2. Der eigentliche Dolchstoß kam nicht mit der Novemberrevolte, sondern danach. Die Versailler »Friedensverträge« wurden vor allem deshalb zum Desaster, weil die deutschen Demokraten alle Trümpfe aus der Hand gaben, ehe die Verhandlungen überhaupt begannen.
    Das Reich hatte immer noch Millionen Mann unter Waffen. Die Westfront war nach wie vor weit außerhalb der deutschen Kerngebiete. Mehr noch, fast ganz Osteuropa – bis zum Kaspischen Meer, weiter als im zweiten Weltkrieg – war von deutschen Truppen besetzt. Ein Umstand, der mit dem Ausbruch des russischen Bürgerkriegs und unzähliger kleiner Konflikte noch bedeutsamer wurde.

    Und was taten Scheidemann & Konsorten? Im Winter 1918/19 lösten sie ihr Heer auf bzw. nahmen dessen Auseinanderfallen hin. Sie räumten alle besetzten Gebiete (mit der Folge, dass Osteuropa im Chaos versank und die Sowjets den Bürgerkrieg gewannen. Das deutsche Ostheer, dass 1918 wenige Märsche von Moskau und Petrograd stand und mit den Bolschis leicht fertig geworden wäre, existierte nicht mehr. Polen, Litauer, Balten, Ukrainer, Finnen etc. waren untereinander beschäftigt und brachten keine Offensive zustande). Man ließ die Alliierten ohne Widerstand bis zum Rhein vorrücken und räumte ihnen sogar noch Brückenköpfe auf dem rechten Rheinufer ein, lieferte dem Feind also das industrielle und wirtschaftliche Kerngebiet des deutschen Reiches aus. Ebenso wie sämtliche Kampfflugzeuge und andere schwere Waffen und alle alliierten Kriegsgefangenen.
    Und was bekamen Deutschlands Deppokraten dafür? Eine Aufhebung der Handelsblockade? Bindende Zusagen, etwa über den Anschluss Deutschösterreichs? Nichts davon. Nichts außer unverbindlichen Versprechungen, deren Wert man aus dem Umstand ersah, dass Wilson den Wahlkampf um seine zweite Amtszeit als Isolationist und Kriegsgegner gewann, während er gleichzeitig die USA auf verräterische und völkerrechtswidrige Weise in den Weltkrieg manövrierte.

    Als dann die neue deutsche Republik von ihren Schwesterdemokratien in Versailles gnadenlos überfahren wurde (warum denn nicht? Verhandlungsmasse oder Druckmittel hatten die Deutschen ja keine mehr) jammerten die sozial- und christdemokratischen Idioten. Und fügten sich ohne Widerstand dem Diktat, selbst dann, als die Alliierten die Verträge kontinuierlich brachen und offensichtlich versuchten, Deutschland vollends zu ruinieren.
    Stattdessen beschuldigten die Erfüllungspolitiker (sie nannten sich selbst so) das Kaiserreich für die Niederlage, die durch ihre eigene totale und grenzenlose Unfähigkeit zur Katastrophe wurde.

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