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1984 ist überall

Wenn man in unserem Archiv nach George Orwell und seinem berühmten Roman 1984 sucht, findet man ganz unterschiedliche Sachen. Es geht bei den Artikeln nicht nur um Überwachung, sondern auch um Kontrolle und Manipulation von Emotionen bis hin zur Liebe.

Als mich einige Leute aus unserem Umfeld fragten, ob wir den Aufkleber 1984 haben möchten, war ich zunächst skeptisch. Denn die Blaue Narzisse soll keinesfalls anti-amerikanisch wirken. Noch dazu bin ich der festen Überzeugung, daß sich in der Überwachungsdebatte einige viel zu wichtig nehmen. Warum sollte der Staat oder ein Geheimdienst ein paar unbedeutende, total opportunistische junge Menschen überwachen? Es gibt dafür aus meiner Sicht überhaupt keine Notwendigkeit – noch dazu, weil sich diese Menschen über soziale Netzwerke ohne jedes staatliche Zutun selbst am besten gegenseitig ausspionieren.

Dennoch habe ich zugestimmt. Warum? Ein Blick in unser Archiv verrät, daß uns 1984 jenseits aller Sicherheitsdispositive viel näher ist, als uns lieb sein kann. JOHANN SCHACHT erläutert in einem Beitrag über »Das schmutzige Geschäft der Politik mit Emotionen«:

In George Orwells dystopischen Roman 1984 gibt es Hasswochen und 2-Minuten-Hass, in denen ein Einpeitscher von einer großen Bühne aus auf die Massen einspricht. Das Ziel besteht in der Erzeugung riesigen Hasses. Die Menschentrauben stimmen grölend mit ein. Der Hass auf ein konkretes Objekt eint, seien dies nun Juden, Kapitalisten, Amerikaner, Moslems, Buddhisten oder einfach nur die Finanzmärkte. Die Emotion breitet sich in einer Gruppe auf alle aus, Psychologen nennen das emotionale Kontagion.

 

Diese Form der affektiven Infektion lässt sich bereits bei Säuglingen beobachten. Sie ist also angeboren. Weint ein Säugling, fangen andere in seiner Nähe ebenfalls an zu krakeelen. Aber, und das zeigt gerade Orwells Roman, vereint das Kollektiv nicht nur ein gemeinsamer Feind, sondern auch eine gemeinsame Angst: Die Angst, selbst zu einem Hassobjekt zu werden.

DIETRICH MÜLLER hat dies in seinem Beitrag über die »Politische Instrumentalisierung der körperlichen Liebe« noch weiter zugespitzt:

Hier sei auf den ollen Orwell und sein Werk 1984 verwiesen. Den Titel kennen viele, gelesen hat’s fast keiner. Indem ein Keil in das Sexualleben von Mann und Frau getrieben wird (egal welche Präferenzen Mann und Frau jetzt haben), macht man die Menschen leichter kontrollierbar. Das klingt nach Verschwörungstheorie, hat aber einen harten Kern! (weiterlesen)

Geht euch diese psychologische Theorie zu weit? Aus meiner Sicht ist das, was Alexander Lehmann (»Du bist Terrorist!«) in vielen Videos (eins siehe unten) veranschaulicht hat, nur die materielle Außenseite der Überwachung. Die unsichtbare Innenseite bereitet mir viel mehr Sorgen.

Hier geht es zum Aufkleber 1984!

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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