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AfD, Mölzer und der braune Rand

afdIn zwei Wochen sind in Sachsen Landtagswahlen. Warum ich dort ausgerechnet Alternative für Deutschland wählen sollte, konnte mir die Partei noch nicht plausibel erklären. Aus meiner Sicht ist es der jungen Partei nicht gelungen, ein Wahlkampfthema zu finden – geschweige denn dem Wähler deutlich zu machen, was sich mit der AfD ändern sollte.

Der Wahl-O-Mat hat mir die Partei zwar empfohlen, d.h. inhaltlich scheinen wir nicht weit auseinander zu liegen, aber irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, daß es ziemlich egal ist, wo man bei der Landtagswahl sein Kreuzchen setzt.

Ich hätte großes Verständnis dafür, wenn die Presse der AfD vorwirft, daß sie – zumindest in Sachsen – überhaupt keine Alternativen anbietet. Wahrscheinlich würde es auch den Wähler am meisten enttäuschen, wenn er erfährt, daß diese AfD nur eine Ansammlung von Personen ist, die schnell politische Karriere machen wollen.

Aber die bundesdeutschen Medien begeben sich natürlich nicht auf diese inhaltliche Ebene: Sie bearbeiten die junge Partei stattdessen mit dem Nazivorwurf. Der aktuelle Anlaß: Einige Kandidaten haben Andreas Mölzer für einen Vortrag eingeladen. Es paßt zum Wahlkampf der AfD, daß es bei diesem Vortrag natürlich nicht um ein landespolitisches Thema geht, sondern um Europa.

Man könnte diese Veranstaltung damit als völlig nebensächlich ansehen. Dem durchschnittlichen sächsischen Wähler ist es völlig egal, ob Mölzer nach Leipzig kommt und was er zu sagen hat. Doch nun berichtet neben der Regionalpresse sogar schon Spiegel Online über den »Sachsen-Wahlkampf am braunen Rand«.

Aktualisierung, 19.08.2014: Die Veranstaltung wurde mittlerweile aufgrund einer Erkrankung von Mölzer abgesagt. Wir wünschen gute Besserung.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

3 Kommentare zu “AfD, Mölzer und der braune Rand

  1. Vor allem sollte man beachten, daß vor der Regionalpresse und SPON der Blick nach Rechts an dem Thema dran war. Es ist das alte Muster, dass Themen er Linksaußenpresse je nach Anlaß innerhalb von Tagen bis Monaten ihren Weg in den Mainstream finden. Weitere Beispiele sind Gentrifizierung und Anti-Ziganismus – die geisterten erst ewig durch Lotta, AntifaInfoblatt und Arbeiterkampf, bevor die Kulturredaktionen darauf kamen. Die vulgärmarxistischen Die-Hard-Blätter setzen ganz klar die Trends für ihre bürgerlichen Kollegen in den etablierten Medien.

    Der böse braune Mölzer… Er soll den Leuten klipp und klar sagen, daß sein Ne….konglomerat eine Anspielung auf die Ideen des geistigen Urvaters der EU, Graf Richard Nikolaus Coudenhouve-Kalergi, war. Was der geschrieben hat, darf ich hier nicht schreiben. Aber versucht mal, seine Bücher »Praktischer Idealismus« oder »Paneuropa« zu bekommen – gibt es eigentlich nur in ausländischen Antiquariaten ab 80 Teuro aufwärts. Lesen und staunen, was von diesen Ideen heute schon eingetroffen ist. Und im Gegensatz zu den »Protokollen« gewisser Weiser ist das keine Fälschung. Nicht ohne Grund dürften »Paneuropa« und »Praktischer Idealismus« seit gefühlten 80 Jahren nicht neu aufgelegt worden sein. Lampedusa und der Berliner Oranienplatz sind Kalergis Zeugen. Ist bloß die Frage, ob der Mann 1925 schon wissen konnte, was uns da blüht. Oder hatte der Adel damals bereits das »Eppendorf-Syndrom« der ZEIT-Redakteure (= Realitätsblindheit)?

    Mölzer hat vermutlich nicht darüber nachgedacht, daß seine Worte die Alpenrepublik verlassen könnten. Seine FPÖ-Genoss*_*Innen sollen mal nicht so tun, als gäbe es an FPÖ-Stammtischen ein N-Wort-Verbot.

  2. Statt den lachhaften Aufwand eines Kreuzes in der Wahlkabine zu erbringen also lieber gar nichts machen, weil man wie eine sperrische Junfger nicht nach allen Regeln der Kunst »überzeugt« wurde? Kann ich nicht nachvollziehen. Jeder Prozentpunkt mehr für die AfD ist jedenfalls ein gesellschaftspolitisches Signal, schon aufgrund der öffentlichen Wahrnehmung der Partei als »rechts von der CDU«. Auf die Inhalte kommt es da weniger an – zumal die AfD so oder so nicht in Regierungsverantwortung kommen wird.

  3. Kurzfristige Absagen von Mölzer? Sind völlig normal. Das hat mit einem AfD-Rückzug in der Sache vermutlich nichts zu tun.

    Aber das Geheule von der Petry in der Bild spricht für Herrn Menzel: Warum eine Partei wählen, die in Sachen Abgrenzung den linken Flügel der CDU links überholt? Nach den letzten Bundestagswahlen die AfD im Reichstag zu sehen, wäre einzig als Symbol an die Deutschen wichtig gewesen: Wir können das Parteienkartell knacken! Die AfD an sich…..Ja, Mensch, die werden wie die REPsen enden, nur daß sich die AfDler wieder brav in ihre CDU/CSU zurückverkriechen können, wo sie dann für die ehemaligen AfD-Wähler den pseudorechten Kettenhund der Marke Seehofer/Dobrindt/Koch spielen dürfen.

    Gerne lasse ich mich von der AfD eines Besseren belehren. Aber bitte nicht als neue FDP, die rechte Wählerstimmen kanalisiert, um sie in Ar… der CDU zu schieben, wo sie vor sich hinfaulen.

    Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedenfalls der Fußballpatriotismus (den ich als reinen Selbstzweck hasse) einer EM/WM wesentlich zukunftsweisender für diese Nation, als die AfD. Denn wer mit Zehntausenden anderen Menschen die verbliebene dritte Strophe singt und Schwarz-Rot-Gold schwingt, macht sich wenigstens keine Gedanken mehr darüber, wie er diesen fanatischen nationalen Ausbruch morgen vor der Presse rechtfertigen soll.

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