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Afghanistan, Irak, …, Jemen

Die Reflexe funktionieren: Jedes Mal nach einem fast, halbwegs oder komplett gelungenen Terroranschlag treten die Anwälte der Sicherheit auf, fordern neue Überwachungsmethoden und suchen sich ein neues Wespennest, was sie ausrotten wollen.

Dieser „Kampf gegen den Terror“ ist dabei von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil das Problem eben nicht auf eine kleine Gruppe – die angeblich 0,01 Prozent gewalttätigen Islamisten – begrenzt ist, sondern der Jugendüberschuß (youth bulge) in den islamischen Ländern die demographische Grundvoraussetzung für den Terror ist und ein „Kollektiv von radikalen Verlierern“ (H. M. Enzensberger) schafft.

Ein „Kampf der Kulturen“ ist aufgrund dieser Tatsache unausweichlich, nur stellt sich die Frage, wie die westlichen Staaten diesen führen müssen. Derzeit herrscht die Meinung vor, man müsse mit einer Weltpolizei den rückständigen Völkern der islamischen Welt die Demokratie bringen. Bereits der Einsatz in Afghanistan hat jedoch recht früh gezeigt, daß diese Strategie nicht funktioniert. Kulturen lassen sich nicht nach westlichem Vorbild in ein paar Jahren durch militärische Interventionen auf eine komplett andere Basis stellen.

Außerdem handelt es sich gar nicht mehr um Konflikte zwischen zwei oder mehr Nationalstaaten. Die großen, modernen Heere des Westens werden vielmehr mit weltweit agierenden Partisanen konfrontiert, die sie nur schwer stellen können. Das Aufspüren gewaltbereiter Dschihadisten gleicht einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Wenn man nun annimmt, ranghohe Vertreter in den Außen- und Verteidigungsministerien der westlichen Staaten erkennen die Sinnlosigkeit dieses Krieges, dann stellt sich die Frage, welche Motive dann hinter dem „Kampf gegen den Terror“ stecken. Manche geben sich hier mit der Antwort „Wirtschaftliche Interessen“ zufrieden, aber ich glaube, es lohnt sich, ergebnisoffener zu diskutieren und beispielsweise zu erörtern, warum Regierungen Terrorismus fördern könnten. Naheliegend ist dabei, daß die westlichen Staaten über diesen Kampf näher zusammenrücken wollen und durch die äußere Bedrohung sich eine innere Festigung erhoffen und nebenbei auf diese Weise von innenpolitischen Problemen ablenken können.

Dies ist aber auch nicht eingetreten und gerade jetzt, wo mit dem Jemen eine weitere Keimzelle des islamistischen Terrors am Horizont sichtbar wird, zeigt sich, wie kraftlos das westliche Staatenbündnis nach fast zehn harten Jahren des ergebnislosen Krieges gegen Al-Kaida und Co. ist. Die Worte der Außenminister und Staatschefs sind zwar groß und floskelnreich wie immer, aber die Taten werden ganz klein sein.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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