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Aktion von Abtreibungsgegnern: Embryos in alle Briefkästen des Saarlands

(Pressemitteilung) Mit einer Aktion in der Innenstadt von Saarbrücken hat der Verein Durchblick e.V. heute Nachmittag auf das Tabuthema Abtreibung aufmerksam gemacht: Bei einer Kundgebung stellten Helfer des Vereins 1.278 Paar Kinderschuhe auf. Dies entspricht der Zahl der an saarländischen Frauen im Jahr 2009 vorgenommenen Abtreibungen. Auch betroffene Frauen kamen zu Wort. Die Kundgebung war der Auftakt zu einer Verteilaktion von 300.000 originalgetreuen Embryomodellen im ganzen Saarland.

Die originalgetreuen Kunststoffmodelle werden mit der Post in einem verschlossenen Umschlag zusammen mit einer Informationsbroschüre an alle saarländischen Haushalte mit Tagespost verschickt. Sie zeigen einen zehn Wochen alten Embryo (in Deutschland darf nach staatlich anerkannter Beratung bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei abgetrieben werden).

„Wir wollen niemanden anklagen, schon gar nicht Frauen, die sich in einer Konfliktsituation für eine Abtreibung entschieden haben“, betonte Thomas Schührer, der erste Vorsitzende von Durchblick. Durch eine umfassende Aufklärung über den vorgeburtlichen Entwicklungsstand des Menschen könnten die meisten Abtreibungen jedoch verhindert werden. „Wer das Modell erst einmal in Händen hält, wird sich in dieser Hinsicht nie mehr täuschen lassen“, so Thomas Schührer.

Bei der Kundgebung kam auch ein weiteres Tabuthema zur Sprache: Die traumatischen körperlichen und seelischen Folgen, die eine Abtreibung für Frauen haben kann. Zwei Frauen, die selbst eine Abtreibung erlitten haben, erzählten den erschütterten Zuhörern über ihre Erfahrungen.

Die Sängerin Claudia Wellbrock berichtete, wie sie als DDR-Bürgerin eine Abtreibung hatte vornehmen lassen. Obwohl es in der DDR keine Lebensrechtsbewegung gab und niemand sie darauf hingewiesen habe, dass das ungeborene Kind ein Mensch sei, habe sie sofort nach dem Eingriff gemerkt, dass sie einen schweren Fehler begangen hatte. „Ich fiel in tiefe Depressionen, versuchte, mir das Leben zu nehmen und war ein Jahr lang in stationärer psychiatrischer Behandlung“, sagte Wellbrock. Heute geht sie in Schulen, um von ihren Erlebnissen zu berichten und vor einer Abreibung zu warnen. Ihre traumatischen Erfahrungen hat sie in Lieder gekleidet. Einige davon trug sie in Saarbrücken vor.

Auch Ursula Linsin-Heldrich hat ihr Kind abgetrieben. In der Folge wurde sie alkoholkrank und ihre Ehe ging in die Brüche. „Ich warne alle Mädchen und junge Frauen vor einer Abtreibung, an der ich selbst so sehr gelitten habe“, sagte Ursula Linsin-Heldrich. Mittlerweile engagiert sie sich in der Selbsthilfegruppe „Rahel“ um betroffenen Frauen zu helfen, die oft allein gelassen würden. Linsin-Heldrich beklagte, dass die möglichen Folgen einer Abtreibung für die Frau weitgehend verschwiegen werden.

Die Publizistin und Eheberaterin Ruth Heil sprach über zwei Fehlgeburten, die sie selbst erlitten hatte. Das war schon sehr belastend für sie. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man damit leben könnte, wenn ich bei der Tötung meines Kindes aktiv mitgewirkt hätte“, so Ruth Heil.

Ähnliche Verteilaktionen hat der im badischen Östringen (bei Karlsruhe) ansässige Verein schon mehrfach in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Dabei wurden insgesamt über eine halbe Million Embryomodelle verteilt. „Vier von fünf Personen, die wir befragten, äußerten sich zustimmend oder neutral“, sagt Thomas Schührer. Die Verteilung im Saarland ist die bislang größte Einzelaktion des Durchblick e.V. Und doch steht der Verein erst am Anfang: Langfristiges Ziel, so Thomas Schührer, sei es, dass alle Haushalte der Bundesrepublik Deutschland ein Embryomodell erhalten.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

4 Kommentare zu “Aktion von Abtreibungsgegnern: Embryos in alle Briefkästen des Saarlands

  1. »„Wir wollen niemanden anklagen, schon gar nicht Frauen, die sich in einer Konfliktsituation für eine Abtreibung entschieden haben“, betonte Thomas Schührer, der erste Vorsitzende von Durchblick.«

    Frauen sind in der Bundesrepublik die Einzigen, welche rechtlich über Leben und Tod des ungeborenen Kindes entscheiden dürfen. Und die will man nicht anklagen, wenn sie ihr Kind durch Abtreibung töten lassen?

    »Langfristiges Ziel, so Thomas Schührer, sei es, dass alle Haushalte der Bundesrepublik Deutschland ein Embryomodell erhalten.«

    Sollte langfristiges Ziel nicht ein generelles Abtreibungsverbot sein? Oder anders gefragt: Welcher Grund könnte einen Abtreibungsmord rechtfertigen?

  2. Diagnostizierte Behinderungen und Vergewaltigungen. Das ist in jedem Falle akzeptabel.

  3. L'ancien régime

    »Diagnostizierte Behinderungen und Vergewaltigungen. Das ist in jedem Falle akzeptabel.«

    Da fängt die Erosion schon an. Behinderungen sind ein weites Feld und das würde auf eine Ermessensentscheidung hinauslaufen.
    Und die Vergewaltigung allein ist nicht für die Zeugung verantwortlich, denn diese ist ja letztlich für den Menschen gar nicht steuerbar, nur ein Rahmen existiert (Fruchtbarkeitsphasen usf.)

    Man sollte dazu berücksichtigen, daß es bei einer Vergewaltigung nicht um Notwehr oder Nothilfe geht, wenn nicht der Vergewaltiger, sondern das Kind getötet wird.

    Während man bei Behinderung von Sterbehilfe ausgehen müßte. Wir reden hier ja nicht von nicht lebensfähigen Embryonen – sondern von Behinderungen darunter liegenden und durchaus unterschiedlichen Grades.
    Die Prüfung hinsichtlich eines solchen Kindes muß eine der schwersten sein, welcher man unterzogen werden kann. Aber, auch wenn das leicht dahingesagt klingen mag, der Prüfung kann man sich doch nicht durch Tötung des Kindes entledigen, das ist doch ganz einfach nicht statthaft.

    Und was ist, wenn pränatal nichts festgestellt wird bzw. es sich als schlimmer erweist als gedacht – sollte das Kind dann auch postnatal noch getötet werden dürfen?
    Denn es besteht lebensrechtlich zwischen prä- und postnatalem Zustand kein Unterschied. Es besteht keiner! Wenn man solchen annehmen wollte,könnte man ihn auch behaupten für weitere Etappen. Der Mensch ist mit der Geburt nicht fertig, er ist es mit dem Erwachsenwerden nicht, und er ist es auch in hohem Alter nicht. Bzw. in anderer Hinsicht ist er sehr wohl jeweils fertig, als Person im Ganzen nämlich, also als Idee Gottes, aber das trifft schon auf die Zeugung zu, mit welcher das in solcher Hinsicht entsprechend dem von Gott Gesetzten verlaufende Leben beginnt.
    Also, es besteht insofern kein Unterschied zwischen Embryo und Kleinkind usf., der es nahelegen könnte, den lebensrechtlichen Status hier anders zu beurteilen als da.
    D. h. es müßte gleiche Behandlung gefolgert werden. Entweder auch Embronen dürfen auch bei Behinderung ebensowenig getötet werden wie geborene Menschen, oder auch bei diesen dürfte so verfahren werden. Daß das Tür und Tor für einen Euthanasiewahn öffenen würde, muß wohl nicht näher ausgeführt werden.

    Man sollte auch daran denken, daß sowohl Aufzucht eines solchen Kindes als auch dessen Leben selbst ein Opfer darstellen können. Was man dabei auch nicht vergessen darf, ist das jenseitige Geschick eines pränatal getöteten Kindes. Ob hier von einer Begierdetaufe ausgegangen werden kann, weiß ich wirklich nicht zu sagen. Ich weiß auch nicht, inwieweit pränatal ermordete Kinder als Blutzeugen angeführt werden. Das wäre zu erheben. Sollte das jdf. alles nicht so sein, wie gesagt, ich weiß es nicht, könnte man jdf. auch insofern bei einer pränatalen Tötung nicht von einer Liebeshandlung sprechen, sondern vom Gegenteil.

    Es gibt auch andere Prüfungen im Leben, bei denen eine vergleichbare Lösung auch unstatthaft wäre. Sehr ähnlich ist ja auch die Besorgnis um alte kranke Menschen. Damit sind wir wieder beim Thema Euthanasie, postnatal. Und dazwischen?

    D.h. eine grundsätzliche Erlaubnis der pränatalen Tötung müßte so oder so wohl auch zu einer Unsicherheit diesbezüglich führen. Zumal wie gesagt Behinderung ein weites Feld ist und die Diagnose nicht vollkommen sicher sein muß, und wer will dann die Grenze ziehen?
    Wir reden ja wohl v. a. von geistigen Behinderungen. Ich weiß nicht, ob da nicht evtl. Exorzismen helfen können.

    Das Thema ist zu ernst, um grundsätzliche Ausnahmen von der grundsätzlichen Regel zu finden.

    Und es sei auch noch angemerkt, daß es sich hier auch nicht um eine Parallele zur Todesstrafe handbelt. Denn diese hat ja eigentlich – wenn es sich nicht eben doch um Mord handelt – immer mit dem Bestreben der seelischen Rettung des Betreffenden zu tun, auch damit also, ihn an weiteren Verstrickungen zu hindern – freilich spielt auch der Schutz der Gemeinschaft eine Rolle, aber auch dafehlt ja der Zusammenhang mit der Gefahr der Verstrickung nicht.
    Vor einem behinderten Kind muß die Gemeinschaft aber nicht geschützt werden in diesem Sinne. Und wie gesagt – die Möglichkeit des Exorzismus sollte hier doch in Erwägung gezogen werden (freilich gilt das wiederum auch für das Thema Todesstrafe evtl.;ich weiß nicht, wie das gehandhabt wird.

    Und wenn wir dabei sind: soweit ich weiß, sieht die Kirche Ausnahmen nur bei Gefährdung des Lebens der Mutter gegeben. Und daran sollte man sich halten.

  4. >>Die Publizistin und Eheberaterin Ruth Heil sprach über zwei Fehlgeburten, die sie selbst erlitten hatte. Das war schon sehr belastend für sie. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man damit leben könnte, wenn ich bei der Tötung meines Kindes aktiv mitgewirkt hätte“, so Ruth Heil.<<

    Und wie glaubt Frau Heil geht es einer Frau, die eine Fehlgeburt hinter sich hat und plötzlich einen Plastik-Embryo im Briefkasten findet? Hier: http://www.eltern.de/foren/kontakt-zur-print-redaktion/858750-aktin-plastik-embryos-im-briefkasten-saarland.html schreibt eine Betroffene wie sie sich dabei fühlt…

    In meinen Augen ist diese ganze Aktion einfach nur absurd und absolut geschmacklos! Es ist definitiv der falsche Weg, das Thema anzugehen, man kann nicht einfach alle Frauen über einen Kamm scheren getreu dem Motto: "Schaut Euch an, was Ihr alle böses tut". Gerade solche "Vereine", die sich Aufklärung auf die Fahne schreiben, sollten es besswer wissen.
    Ganz abgesehen davon, dass die Spendengelder weisgott besser hätten angelegt werden können, z.B. in Kinderheime.

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