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Aktuelle Kamera über 15-jährige Widerstandskämpfer

aktuelle_kameraDer dritte Teil des Films »Unsere Mütter, unsere Väter« ist soeben zu Ende gegangen. Wir haben noch erfahren, daß die Russen keineswegs Vergewaltiger waren, sondern Befreier. Direkt nach dem Film kam dann das heute journal mit Claus Kleber.

Nachdem Kleber volkspädagogisch noch einmal das eben Gesehene erklärte, damit es niemand falsch versteht, schaltete das ZDF-Nachrichtenmagazin zu einer Schulklasse, die sich den Film ansehen mußte. Dabei wurden die 15-jährigen Schüler befragt. Alle sind sich ganz sicher, daß sie im Krieg nicht geschossen hätten und bestimmt damals im Widerstand aktiv gewesen wären.

Woher kommt diese Überheblichkeit? Bernhard Schlink hat sich dieser Frage einmal in dem hervorragenden Essay »Die Kultur des Denunziatorischen« gewidmet. Seine These:

Aber man lernt aus der Geschichte nicht, indem man auf sie blickt und über sie urteilt, als sei sie die Gegenwart. Man lernt Zivilcourage gegenüber totalitären Vereinnahmungen nicht, wenn sie präsentiert wird, als habe sie nach 1933 nicht mehr gekostet, als heute ein Aufbegehren gegenüber staatlichen oder gesellschaftlichen Institutionen kostet. Man lernt nicht, sich auch noch als Getriebener seiner Verantwortung bewusst zu sein, wenn man um das Verständnis für das Getrieben- und zugleich Verantwortlichsein anderer gebracht wird. Man lernt Widerständigkeit nicht, indem man einübt, sich vom Mainstream moralischer Selbstgewissheit und -gerechtigkeit tragen zu lassen.

 

Geschichte lehrt keine Rezepte. Sie lehrt, dass alles schon anders war und dass alles auch anders sein kann. Sie lehrt, am Anderssein der Vergangenheit einen Sinn für das zu entwickeln, was in der Gegenwart anders sein kann und in der Zukunft anders sein wird, und dafür, was in altem und neuem Gewand wiederkehrt. Sie lehrt das Leben mit Alternativen – dass Alternativen einem begegnen und man sie bewältigen muss, aber auch, dass man sie suchen und dass man sie gestalten kann. Sie lädt dazu ein, die Welt verschieden zu interpretieren, sie utopisch neu zu entwerfen und sie zu verändern.

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4 Kommentare zu “Aktuelle Kamera über 15-jährige Widerstandskämpfer

  1. eddy edmund

    Fuerchterlich diese Ewiggestrigen..kein Respekt vor der »Offenkundigkeit«…erst die Voelkermordleugnung, nun die Befreiungsleugnung – und morgen drehen sie dann ganz durch;kommt dann die « Scheibenleugnung«…behaupten die Deppen dann noch die Erde waere eine Kugel…! Was Klebers
    Jungwiederstaendler betrifft..die sicher zuvor erfolgte Selektion
    offenkundig vielleicht nicht so ueberzeugter in Kombination mit der Aussicht »5 Minuten Ruhm« allein auf telegen erwuenschter Ueberzeugung basierend laesst mich die »Nummer« weit weniger
    dramatisch sehen…! Bedenklicher allerdings der Faktor »Schindlers Spielberg List«:dieser halbdokumentarische Touch der die Grenze »Spielberg oder Schindler« verwischen laesst…Die eigentliche Frage waere doch wohl die warum »Unsere Muetter,Unsere Vaeter« als Titel gewaehlt wurde…1960/70 okay- aber 2013…«Unsere Urgrossmuetter/Urgrossvaeter« waere doch sicher passender gewesen…Nur haette dann mangels flaechendeckend vorhandener Zeitzeugen im Taeterstatus Adolfs tausendjaehriges Reich naeher bei Nero als im Internetzeitalter gelegen…! Und Muetter koennen den Schuldkultfetischismus sicher besser als Urgrossmuetter in die Ewigkeit transportieren…!Wir muessen vielleicht wieder lernen zu unterscheiden: wo widmen sich die staatlichen Systemmedialitaeten der historischen Wahrheit,meinethalben auch in Unterhaltungsform und wo beginnt die Nutzung (vermeintlicher)Geschichte im Sinne einer Gegenwartspropaganda!Und eine Frage muss 70 Jahre nach dem Zusammenbruch,dem Verlust staatlicher Souveraenitaet endlich gestellt werden! Wenn ein Teil der Geschichte eines Volkes nur noch dazu genutzt wird den nachgeborenen Teil in Knechtschaft zu halten besitzen diese auf Deutschland bezogenen voellig schuldfreien Generationen gemaess der sinnigen Volksweisheit«ein Land gehoert in Prioritaet immer der Gegenwartsgeneration«nicht das Recht missbraeuchlich benutzte Vergangenheit mit dem Recht der unbefleckten Gegenwart zu leugnen?! Gibt es ein vererbbares Opferecht das auf einer ererbten Taeterpflicht basiert ?! Lautet die Antwort nein bin ich vor mir selbst verpflichtet – unabhaengig vom Realitaetsgehalt-sowohl den Holocaust als auch Verbrechen der Wehrmacht zu leugnen! Allein ein Verbot der Holocaustleugnung zementiert eine
    Taeterpflicht die ich in Frage stelle…Umgekehrt zementiert das Leugnungverbot natuerlich auch das ererbte Opferrecht das ich
    komplett in Frage stelle…weiter gedacht befinde ich mich wieder in « Klebers Klassenzimmer« und frage mich ob diese-meine Definition auch erklaerende Einleitung der jungen »Widerstaendler« war…ich denke eher nicht, zu jung zu erkennen das Lust am Widerstand bezogen auf uns Deutsche nicht »Che Guevara« sondern ewige Taeterpflicht heisst…
    Awaiting…worauf auch immer…

  2. Petrus Urinus Minor

    Diese Idioten wären aber sowas von alle mit dabeigewesen!

    Sind sie heute doch wieder.

  3. Der Titel »Unsere Väter,unsere Mütter« hat schon seine Berechtigung.Dazu muss man wissen ,das der durchschnittliche ZDF-Zuschauer über 60 Jahre alt ist,also etwa um 1950 geboren wurde.Und für diese Nachkriegsgeneration macht das ZDF Programm.

  4. Ferngesteuerte Mutanten sind das, die dumm in die Röhre schauen (müssen), um dann das nachzuplappern, was ihnen andressiert wurde.

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