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Alice Schwarzer über die neue Scharia-Verfassung in Libyen

Alice Schwarzer hat schon seit einiger Zeit begriffen, daß die Ideale des Westens und der Emanzipation in der Gegenwart massiv von der politischen Theologie des Islams bedroht werden.

Aus diesem Grund staunt sie nun auch mit uns, warum der Westen in Libyen interveniert hat. Der brave Tagesschau-Konsument glaubt ja, in Libyen stünde die Demokratie kurz vor dem Endsieg, aber Schwarzer hat zum Glück genauer hingeschaut:

An der Spitze der siegreichen libyschen Islamisten steht der von Nato-Bomben flankierte siegreiche Kriegsherr Abdelhakim Belhadsch. Er eroberte die renitente Gaddafi-Hauptstadt Tripolis. Belhadsch soll in den vergangenen Jahren im Zuge des Antiislamismus-Kampfes sowohl von Gaddafi-Mannen als auch CIA-Leuten gefoltert worden sein, gemeinsam. Er wird es beiden zu danken wissen.

Die ersten Entwürfe für die neue Verfassung Libyens sind bereits öffentlich. Das Land zwischen Ägypten und Algerien soll ein Scharia-Staat unter der Ägide der Muslimbrüder werden. In dem Verfassungs-Entwurf heißt es in Artikel Nr. 1: „Der Islam ist Staatsreligion und die Hauptquelle der Legislative ist die Scharia.“ Was das bedeutet, wissen wir inzwischen.

Nach Beendigung des Bürgerkrieges in Libyen – der zurzeit noch andauert, noch ist Staatschef Gaddafi nicht gefasst – ist erfahrungsgemäß mit einem Anstieg des religiösen Nationalismus zu rechnen. Sollte der übergreifen auf Nachbarländer wie Alge rien und das nicht viel weiter entfernte Saudi-Arabien – dann gnade den Menschen dort und dem Westen Gott oder auch Allah. Auf jeden Fall wird es dann sehr, sehr eng für Europa und wohl auch das nicht mehr so ferne Amerika.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “Alice Schwarzer über die neue Scharia-Verfassung in Libyen

  1. Abiturient

    Der Text wäre ein Traum zum Analysieren in einer Klausur. Jeder der Abi gemacht hat sollte das verstehen.

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