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Antwort auf Blauen Brief an Udo Voigt

In der Redaktion ist heute ein Antwortschreiben auf den Blauen Brief an Udo Voigt unseres Autors Sven Schäfer eingegangen. Für Voigt antwortet stellvertretend Kersten Radzimanowski. Ohne mit letzter Gewißheit sagen zu können, ob die Antwort von Voigt tatsächlich autorisiert wurde, möchten wir das Schreiben an dieser Stelle ungekürzt veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Schäfer,

der Vorsitzende der NPD Udo Voigt bat mich, aufgrund seiner momentanen besonderen Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem DVU-Beitritt auf Ihren Brief zu antworten, der ja gleich eine Reihe von inhaltsschweren Themen wie Weltanschauungsfragen von NPD-Mitgliedern, das Verhältnis zu Israel, dem Judentum sowie dem Islam und – im weiteren Sinne – auch das deutsch-russische Verhältnis aus nationaler Sicht aufwirft.

In einem stimmen wir gewiß überein. In unserer Sorge über den jetzigen Zustand Deutschlands, über die unfassbare Entmündigung, Entrechtung und Versklavung unseres Volkes. Leider ist das – wie Sie es formulieren – fleischgewordene abendländische Gewissen gegen diese Politik nicht aufgestanden, sondern hat diesen Irrweg nicht selten gutgeheißen oder gar unterstützt. Es ist nicht nur die CDU in der BRD, sondern es sind auch große Teile der Führung der EKD und selbst Teile des katholischen Klerus, die Multikulti, die Auflösung von Nationalstaaten und Völker, die Relativierung menschlicher Werte und Normen, ja selbst die Ausplünderung des deutschen Volkes das Wort reden. Man befindet sich da in „bester Gesellschaft“ mit den selbsternannten Gutmenschen.

Ist es angesichts dieser Erscheinungen verwunderlich, wenn junge Menschen sich von dem christlichen Glauben radikal abwenden und ihre Hoffnung auf die Götter ihrer germanischen Vorfahren setzen? Die Weltanschauung der Mitglieder ist deren Privatangelegenheit, auch wenn es einen Arbeitskreis „Christen in der NPD“ gibt. Wir sind eine politische Partei, die – wie das auf dem Bamberger Parteitag im Juni verabschiedete Parteiprogramm untermauert – eine politische Strategie für die Umgestaltung Deutschlands in einen souveränen Staat entwickelt hat, mit dem obersten Ziel des Gemeinwohls für das deutsche Volk in Frieden und Freiheit.

In diesem Bamberger Programm finden Sie sowohl eine Reihe von Bezugspunkten zum Christentum, wie etwa in der Familienpolitik, beim Schutz des ungeborenen Lebens, wie auch zu den germanischen Ursprüngen etwa in der Forderung nach direkter Demokratie (Volksentscheide) und der Durchsetzung der allgemeinen Wehrpflicht (für Männer) als Ehrendienst am deutschen Volk oder auch dem Schutz der Natur.

In Ihrem Brief reden sie vehement Israel das Wort und unterstellen der NPD Judenhaß. Diese Gleichsetzung von Judentum, Zionismus und Israel lehnen wir ab. Wir haben nichts gegen Juden, aber wir verurteilen die zionistische Politik des Staates Israel, die das palästinensische Volk entrechtet, versklavt und nicht selten gar eine Ausrottungspolitik betreibt. Wie kann man für Israel eintreten, wenn dieser zionistische Staat mit dem Einsatz von Atombomben droht, um seine annexionistische Politik durchzusetzen? Mit Recht verweisen Sie auf den Zentralrat der Juden in Deutschland, der sich scheinbar als Kontrollorgan der Besatzer versteht, der durch seine Dauerempörung offensichtlich den von ihm zur Legitimation benötigten Antisemitismus selbst produziert.

Noch ein Wort zum Islam. Die NPD hat ebenso wenig etwas gegen Moslems wie gegen Juden. Wir lassen uns auch nicht gegen den islamischen Glauben in Stellung bringen. Was wir aber klar ablehnen, ist die Überfremdung des deutschen Volkes – da spielt die Religionszugehörigkeit eine nachgeordnete Rolle. Wir treten für ein auf dem Abstammungsprinzip fußendes Staatsbürgerschaftsrecht ein. Es ist egal, ob der Ausländer aus dem Irak oder der Türkei, aus Russland, aus Asien oder Afrika kommt. Grundsatz deutscher Ausländerpolitik muß sein: Rückkehrpflicht statt Bleiberecht! Dabei sollen Angehörige anderer Völker, die in Deutschland in befristeter Zahl einen Arbeitsplatz auf Zeit innehaben, ihre kulturelle und nationale Identität wahren. Nicht zuletzt, weil es ihnen die Rückkehr in ihre Heimatländer erleichtert.

Ein letzter Gedanke zu dem von ihnen angesprochenen deutsch-russischen Verhältnis. Bei Ihnen klingt ja eine gewisse Ironie aus den Zeilen. Die NPD hofft nicht auf den „russischen Bären“, um sich aus den Fängen des US-Geiers zu befreien. Von Bismarck wissen wir, dass Völker keine Freunde, sondern nur Interessen haben. Das Interesse des deutschen Volkes ist es, in Frieden mit seinen europäischen Nachbarn wie mit den Völkern der Welt zu leben. Dazu brauchen wir keine Nato, keine EUdSSR, dazu benötigen wir eine eigenständige, auf unsere nationalen Interessen orientierte Politik. Und da kann es durchaus übereinstimmende Interessen mit Russland geben, aber auch mit China oder Brasilien, vielleicht sogar mit Indien, wenn dieser Riesenstaat sich nicht von den USA gegen China instrumentalisieren lässt. Ich will damit sagen, die NPD ist nicht auf Russland fixiert, sondern setzt sich für eine Innen- wie Außenpolitik ein, deren oberste Maxime die nationalen Interessen und Belange des deutschen Volkes sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Kersten Radzimanowski

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11 Kommentare zu “Antwort auf Blauen Brief an Udo Voigt

  1. Eine kurze und präzise Zusammenfassung unseres Wollens.

  2. Auf dem Papier klingt das ja ganz gut. Und wie sieht die »Verfassungswirklichkeit« aus?

  3. Auf jeden Fall ist die Antowrt intellligenter als der »Blaue Brief« …

  4. @martin möller …nie und nimmer…

  5. @Vinneuil:
    Die »Verfassungswirklichkeit«, falls Du damit die Realität meinst, schaut so aus, daß das Bild der NPD in eine gänzlich andere Richtung geht, weil die Basis dieser Partei – insb. im Westen – weder von äußeren und inneren Angelegenheiten, noch von Politik als solcher überhaupt etwas versteht; zumal sie das auch gar nicht für sich beansprucht, denn zwischen NS-Folklore und dumpfem Pseudo-Nationalismus ist kein Platz für seriöse Radikalität.
    Die Bundesführung, Voigt und Konsorten, passen sich dieser Basis immer wieder an, um nicht die letzten Getreuen zu verlieren, und dadurch werden potentielle Interessierte, die mehr »auf dem Kasten« hätten, von vornherein abgeschreckt sich zu engagieren. Was übrig bleibt, ist die erwähnte Basis. Der Teufelskreis schließt sich. Ansätze für einen Wandel sehe ich nur in Sachsen (nicht in M-V!) und in zwei bis drei weiteren Landesverbänden.
    Das Problem würde sich nur so lösen lassen, indem diejenigen »bürgerlichen« Rechten, die sich parteipolitisch einsetzen wollen, aber Pro und REP als anbiederungsfetischistische Grundgesetz-Schaumschläger ablehnen, die NPD als »nationalkonservative« Kraft, als die sie ja übrigens gegründet wurde, zu unterstützen und ihr öffentliches Bild dahingehend aufzupolieren.
    Allein, das wird nicht eintreten, schon aufgrund einer relativen bürgerlichen Feigheit, sich mit diesem »Haufen« einzulassen – man könnte ja etwas verlieren, was man in der JU oder CDU/CSU nicht verliert, wenn man nur brav sein Maul hält und lediglich hinter vorgehaltener Hand über die linksliberale Gesellschaft schimpft, die ja, abgesehen davon, von der Union im wesentlichen mitgetragen wird.
    Wenn dies aber der Fall wäre, also die Stärkung des »gemäßigten«, »bürgerlichen« oder konservativen Flügels, würde der sog. »Narrensaum«, im Sinne von gescheiterten Existenzen, die eine pervertierte NS-Version als Ersatz für ihre eigene Bedeutungslosigkeit bemühen, von alleine gehen. Denn auf »Seriösität« hat man in diesem Milieu keine Lust, das wäre »Anpassung«, Weichgespültheit«, usw. usf.
    Das Problem liese sich dahingehend demnach von alleine lösen, wenn, ja wenn nur der Wille vorhanden wäre.

  6. Aha, ein Stasispitzel antwortet also!

    »Ist es angesichts dieser Erscheinungen verwunderlich, wenn junge Menschen sich von dem christlichen Glauben radikal abwenden und ihre Hoffnung auf die Götter ihrer germanischen Vorfahren setzen?«
    Man kann sich aus den von Ihnen genannten Gründen von der Kirche abwenden, aber doch nicht vom Glauben an Jesus Christus! Wenn man dies tut, ist man niemals ein Christ gewesen. Überdies glaube ich nicht, dass sich die von Ihnen erwähnten »jungen Menschen« jemals von etwas transzendentem abgewand haben und sich etwas anderem transzendentem zugewand haben. Und ich glaube Sie als Atheist glauben das auch nicht.

  7. L'ancien régime

    Wenn das vor allem jemand sagt, der zu SBZ-Zeiten die Kirche bespitzelt hat.

  8. L'ancien régime

    Und was wir von »Göttern unserer germanischen Vorfahren« wissen, ist doch ohnehin weitgehend Konstrukt der Moderne (anders als im Griechentum).

    Es handelt sich in der Tat um einer Ersatzreligion und meinethalben mag man es nachvollziehen, daß angesichts diverser Kirchenleute, die lieber Sozialdemokratie spielen als das Evangelium recht zu verkündigen, da Irritationen entstehen, derart nämlich, daß das Christentum und die Kirche schuld an unserem Niedergang seien. Aber das läßt sich doch bei etwas genauerer Prüfung keinen Atemzug durchhalten!
    Darum fehlt mir dann ehrlich gesagt das Verständnis dafür doch.
    Erst recht, wenn dann dieser dummdreiste Ausdruck »Judäochristentum« fällt mit einer gewaltigen Schnoddrigkeit, die mich auf die Palme bringen könnte, aus dem Munde von Leuten, die weder wissen, was Christentum, noch was Judentum ist, und erst recht Alten Bund und apostatisches Judentum nicht unterscheiden können. Sie stehen mit ihrer pseudogermanischen nationalistischen Ersatzreligion auf derselben Stufe wie die Juden selber.

  9. Régis, danke für die Ausführungen, so hab ich mir das auch vorgestellt. Et comment ca va avec Anne-Marie? 😉

  10. Ça va bien, mais cet Michel… 🙁

    »L‹ancien régime«, gehe bloß nicht auf Altermedia und lese dort Kommentare bezüglich des Christentums: dort würden sie dich für deine – weitestgehend richtigen – Äußerungen virtuell vierteilen.

  11. hinderlich

    ich bin religion, lan

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