Anstoß

Aphorismen: Platzende Filterblasen (II)

Die schlimmsten Zerstörer des Guten, Wahren und Schönen sind die notorischen Weltverbesserer.

Gegen den abstrakten Universalismus und Humanitarismus: Alle lieben heißt niemanden lieben.

Zum Streit zwischen linken Universalisten und rechten Partikularisten oder Identitären: Es gilt, zwischen der Skylla der totalen Vermischung und der Charybdis der totalen Reinheit hindurchzusegeln.

Es kann der paradoxe Fall eintreten, dass Kassandra das Unglück herbeisehnt, vor dem sie warnt, um endlich Recht zu bekommen.

Wer ein Problem nicht löst, der läuft Gefahr, von dem Problem gelöst zu werden.

Besser jetzt unter Leiden und Mühen eine Arche bauen, als eine Zeitlang ein bequemes Leben zu haben und später dann im Wasser der Sintflut zu ersaufen.

„Islamische Moderne“ und „moderner Islam“ sind Oxymora.

Ein „verwässerter“ Islam ist mir weitaus lieber als ein „reiner“. Das Gift dieser Religion kann man gar nicht genug verdünnen.

Im christlichen Abendland wird eine „Kriminalgeschichte des Christentums“ verfasst und von vielen bejubelt. Wer eine „Kriminalgeschichte des Islam“ veröffentlichen würde, wäre in Europa als „islamophob“ verschrien und würde in einem islamischen Land in Lebensgefahr geraten.

Was haben Muslime, afrikanische Drittwelt-Staaten und die SPD gemeinsam? Den Grund für das eigene Scheitern suchen sie nicht bei sich selbst, sondern in der angeblichen Bosheit der Welt, die sie umgibt.

„Auf der Höhe der Zeit stehen“ – aber manchmal fragt man sich, ob diese „Höhe“ wirklich eine ist und nicht vielmehr ein Tiefpunkt. Dann wäre es sogar erfreulich, wenn man sich einen Ruf als „Reaktionär“ und „Ewiggestriger“ erwirbt.

Wenn auch für die Menschenwelt gilt, was Darwin sagte – dass nur die Bestangepassten überleben –, dann ist es kein Wunder, dass sich menschliche Gesellschaften zu geschäftigen Ameisenhaufen entwickeln.

Die „Vielfalt“, die Linke ersehnen, ist die Vielfalt des Ameisenhaufens.

Ein Verbot des Komparativs und des Superlativs wäre unbedingt notwendig, um die linke Gleichheitsreligion durchzusetzen.

Der heutige Mensch tauscht etwas Bequemlichkeit und soziale Teilhabe gegen seine Freiheit ein. Er gleicht dem Esau, der sein Erstgeborenenrecht für den rasch verfügbaren Genuss einer Schüssel Linsen hergibt.

Wer den Datenkraken den kleinen Finger hinhält, den packen sie gleich am Arm und ziehen ihn ins Meer der Unfreiheit – den einen langsam und schleichend, den andern auf einen Schlag.

Früher erregte der Unzüchtige Anstoß, heute derjenige, der die allgegenwärtige Unzucht ablehnt und sich standhaft weigert, bei ihr mitzutun.

Die Rettungsversuche der „Rechtspopulisten“ sind heroisch angesichts eines Patienten, der jede lebensrettende Maßnahme als Mordversuch einstuft.

Der Falle, dass das „politisch Inkorrekte“ zu einer inversen Form der „politischen Korrektheit“ wird, lässt sich nur durch geistige Beweglichkeit entgehen.

In Bezug auf die Gewaltneigung des Menschen ist es realistisch, Pessimist zu sein und Schlimmes zu erwarten.

Wer die Vergangenheit nicht anerkennt und verwandelt, an dem rächt sie sich durch ihre ewige Wiederkehr.

Vollständige Vernichtung und vollständige Versöhnung können (als endgültige Lösungen) einander erstaunlich ähnlich sehen.

Für jemanden, der in einem Netz aus Lüge und Wahn gefangen ist, kann die Wahrheit nicht anders erscheinen denn als Lüge und Wahn. Dies ist das Problem der Höhlenbewohner aus Platons Gleichnis und der alttestamentarischen Menge, die den Propheten Gottes nicht hören will und umbringt.

Nach dem Tod Gottes wurde die Sünde als Ungehorsam gegen Gott abgelöst von der Sünde als Ungehorsam gegen den politischen Führer. Nach dem Zusammenbruch der politischen Utopien trat die „Umweltsünde“ die Nachfolge an. Es kommt darauf an, eine weiße – pardon, grüne Weste zu haben.

Hier geht es zu Teil eins.

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1 Kommentar zu “Aphorismen: Platzende Filterblasen (II)

  1. Wer aus der Zukunft schöpfen will, langt in einen leeren Topf.

    Nur der Lebensmüde fordert vor einem Abgrund den Fortschritt ein.

    Das ›Anything goes‹ der westlichen Zivilisation kommt wie beim Roulette zwangsläufig an einen Punkt, wo es heißen muss: ›Rien ne va plus‹.

    Wo der freie Fluß von Kapital und Waren zur Prämisse erhoben wird, muß in letzter Konsequenz die grenzenlose Verfügbarkeit von Menschenmaterial folgen.

    Aus der Vogelperspektive erscheint einem die Menschheit als Plage der Welt.

    Dem linken Zeitgeist ist nicht daran gelegen, die Welt zu retten, sondern Deutschland abzuschaffen.

    Weltverbesserung gelingt noch am ehesten in der Kunst.

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