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Ariernachweis und Judenverfolgung in der Deutschen Burschenschaft

Pünktlich zum Beginn des jährlichen Burschentages in Eisenach weiß Spiegel Online aus vertraulichen Dokumenten, daß der Dachverband Deutsche Burschenschaft kurz vor der Einführung von »Rassevorschriften« steht:

Es geht um die Einführung einer Art »Ariernachweis«.

Selbst »konservative« Wissenschaftler fürchten nun eine erneute Judenverfolgung:

Wer für diese eindeutigen Passagen noch eine Übersetzung braucht, bekommt sie vom Rechtshistoriker Rainer Schröder. Der Professor der Berliner Humboldt-Universität beschäftigt sich mit der Rechtsprechung im Nationalsozialismus. Für den konservativen Wissenschaftler steht nach Einsicht in die Dokumente fest: »Die Struktur dieses Ausschlussverfahrens ähnelt frappierend der Ausgrenzung der Juden im ›Dritten Reich‹.«

Man muß dazu wissen, daß es so gut wie sicher ist, daß sich die »Rechtsextremen« durchsetzen. Das sagt nämlich die schlaue Politologin Alexandra Kurth:

Die Rechtsextremen pochen auf eine völkische, also rassistische Definition und hängen immer noch den großdeutschen Träumen der politischen Rechten in der Weimarer Republik an. Sie sind seit dem fatalen Kompromiss mit den Liberal-Konservativen im Jahr 1971 immer mächtiger geworden, inzwischen besetzen sie alle Schlüsselpositionen des Verbands und setzen ihre Anträge auf den Burschentagen quasi ausnahmslos durch.

Wenn man nun noch weiß, daß Burschenschaften Geld und einen großen Einfluß auf die Hinterzimmerpolitik der Bundesrepublik haben, kommt man unweigerlich zu dem Schluß, daß es gar keinen Sinn mehr macht, jetzt noch Widerstand gegen die neuen Rassisten zu leisten. Passen wir uns also am besten an die neuen Gegebenheiten an, damit wir uns die Karriere nicht versauen.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

7 Kommentare zu “Ariernachweis und Judenverfolgung in der Deutschen Burschenschaft

  1. Richtig übel ist nur, daß selbst in der JF (!) die Hatz auf die »Ariernachweis«-Burschis unverhohlen begonnen hat: http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M568a39e36fe.0.html

  2. Nils Wegner

    Ich denke, man kann stark davon ausgehen, daß

    1) die vertraulichen Tagungsunterlagen mit Absicht an die Presse lanciert worden sind, um Stimmung gegen die konservativen Bünde in der DB zu machen, sowie

    2) der JF-Artikel mglw. sogar von einem der dafür Verantwortlichen verfaßt wurde, da nach meinem Dafürhalten der Schreibstil nicht unbedingt der eines Journalisten ist.

  3. Wer als Studierender seine Zeit und sein Volk kennen lernen will, muß Farbenstudent werden; die Verbindungen … stellen meist den Typus der nächsten Generation von Männern möglichst scharf dar.

    wird der Bonner Koroporierte Nietzsche von der DB zitiert.

    Wenn das wirklich so ist, dann wird mir angst und bange. Aber aus anderen Gründen als FrauIn Kurth.

  4. »2) der JF-Artikel mglw. sogar von einem der dafür Verantwortlichen verfaßt wurde, da nach meinem Dafürhalten der Schreibstil nicht unbedingt der eines Journalisten ist.«

    Nundenn: Muß man dann sowas wirklich in einem Blatt abdrucken, das vermutlich einen nicht geringen Anteil seiner Abonnenten aus dem Burschenschafts-Milieu bezieht?

  5. Marco Reese

    »ähnelt frappierend« Mir gefällt diese Ausdrucksweise. 😉

  6. Man müsste natürlich die Hintergründe kennen, hier eine Stellungnahme (Dank an den guten Nils W.)

    http://www.live-pr.com/deutsche-burschenschaft-nimmt-stellung-zu-r1048949334.htm

  7. Junger Freyherr

    Kann Nils Wegener als Autor der »Jungen Freiheit« mal aus seiner Sicht die Hintergründe zur antideutschen JF-Kampagne schildern. Wäre interessant einen »Insider« zu dem Thema zu lesen.

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