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Arschlöcher und das alltägliche Theater

Ich mußte gerade an das Buch Wir alle spielen Theater von Erving Goffman denken. Bitte glaubt nicht, daß der Fall Marco Dzebro eine Ausnahme ist. So etwas passiert uns fast täglich. Besonders lächerlich machen sich dabei jene Schauspieler, die uns beim ersten Kontakt überbetont freundlich empfangen und dann eine Woche später, nachdem Andrea Röpke angerufen hat, die Hosen voll haben. Am Anfang steht immer das gleiche Spiel. Da ist es auch egal, ob die Anderen Albert Koch oder Ja, Panik heißen oder doch nur ein paar unbedeutende Poetry Slammer sind. Mit folgenden Symptomen von Arschkriecherei müssen wir uns täglich herumschlagen:

  • Alle diese Schauspieler duzen uns immer sofort.
  • Sätze beginnen locker mit »Hey«.
  • Stets sind bei allen Konversationen die »liebsten Grüße« inklusive.
  • Kommt es dann zu persönlichem Kontakt, dauert es nicht länger als fünf Minuten, bis es zu Angetatsche kommt.
  • »Endlich«, denke ich mir dann immer. »Endlich habe ich einen neuen besten Freund gefunden.« Oder geht da noch mehr?, frage ich mich bei den überaus netten Damen.

Vor wenigen Tagen erhielten wir zum Beispiel von ein paar komischen Köchen Post – oder genauer: gleich die Anwältin dieser komischen Köche, die zuvor – nicht übertrieben! – wahnsinnig nett waren, hatte etwas zu beanstanden. Vor dem Stein des Anstoßes zogen die komischen Köche übrigens kurz zuvor noch ihre Kochmützen.

Heute nun noch eine lächerliche Geschichte: Vor knapp zwei Monaten saß ich bei einem Festival im Kino. Der Presseheini des Festivals kam damals zu mir und war völlig begeistert darüber, daß ich von der Blauen Narzisse gekommen war. Übliche nette Worte folgten. Heute erhielten wir von diesem Herrn eine Nachricht, in der er mitteilte, daß er mit den politischen Ansichten unseres Onlinemagazins nicht übereinstimme und deshalb unserer kleinen Bitte nicht nachkommen möchte. Eine Übereinstimmung der politischen Ansichten hatte von dem Herrn auch niemand von uns gefordert, aber anscheinend ist für die Anderen eben alles politisch.

In einigen Tagen werde ich auf einen weiteren Fall von Scheißfreundlichkeit aufmerksam machen. Dann geht es um das »Interview, das nie erschien«. Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke, da gibt es ja nicht nur ein Interview, das nie erschien …

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

9 Kommentare zu “Arschlöcher und das alltägliche Theater

  1. Nicht traurig sein. Der Hirsch mag euch.

  2. Authentisch

    Warum bin ich wohl das Lieblingswort der heutigen jungen Generation?

  3. Nils Wegner

    Tjaja, diese Interviewpartner. Immerhin halten wir etliche linke, hirnlose Körperträger so zumindest für ein, zwei Stunden davon ab, ihren Mentalmüll irgendwo abzusondern.

    Hat schon fast was von den Thermopylen.

  4. L'ancien régime

    Der war wirklich gut @Wegner 😀

  5. Schön, aber warum redet ihr denn dann überhaupt mit den Arschlöchern, bzw. was findet ihr denn nun so interessant an ihnen?

  6. Felix Menzel

    Arschlöcher können ja künstlerisch trotzdem was Interessantes anzubieten haben und dann müssen eben die menschlichen Defizite bei der Frage Berichterstattung ja/nein in Kauf genommen werden.

  7. Nils Wegner

    Das ist wohl wahr. Man stelle sich vor, das Fernsehen hätte sich nach Ian Curtis‹ »Joy Divison, you cunt!« beleidigt zurückgezogen und die Jungs direkt mit dem Bannstrahl belegt…

  8. »Man stelle sich vor, das Fernsehen hätte sich nach Ian Curtis’ “Joy Divison, you cunt!” beleidigt zurückgezogen und die Jungs direkt mit dem Bannstrahl belegt…«

    Ja, aber der war eben kein Arschloch, was sich auch an seinem mit obiger Anekdote hinreichend belegten Mangel an Scheißfreundlichkeit zeigte… 😉

  9. Wahr-Sager

    Diese Scheißfreundlichen sind am schlimmsten. Machen einen auf guter Kumpel, wandeln sich dann aber schnell ins Gegenteil, wenn man nicht ihrem politischen Weltbild entspricht.
    Wie wärs denn mal mit einem Film mit dem Titel »Die Scheißfreundlichen«? Zugegeben, ein solcher wäre wohl weit anspruchsvoller als ein abendfüllendes Nazi-Movie, das man ruhig mit Fiktion mischen kann. Merkt doch heute eh keiner…

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