Gesichtet

Atomkraft bietet wahrhaft grüne Energie

Unsere Wirtschaft und Gesellschaft hängt von nichts so sehr ab wie von elektrischer Energie. Ohne Strom würden keine Produktionsbänder laufen, keine Lebensmittel produziert werden und keine Züge fahren. Das Haus wäre kalt und der Kühlschrank warm. Kurz: Ohne Strom würde bei uns sehr schnell das Licht der Zivilisation ausgehen.

Über unzähligen Kilometern an Stromleitungen gelangt das wertvolle Gut von den Kraftwerken überall dahin, wo es benötigt wird. Dieses System ist aber zusehends in Gefahr. Der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien kombiniert mit einem überstürzt beschlossenen Atomausstieg für 2022 nach dem Reaktorunglück in Japan 2011 und dem geplanten Kohleausstieg sowie der damit massiv einhergehende Rückbau konventioneller Kraftwerke haben das Risiko für Blackouts – flächendeckende Stromausfälle – erheblich ansteigen lassen. Auch ist heute eine durchgehende Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben.

Greta pro Atomstrom?

Nun hat die neue Klima-Prophetin Greta Thunberg unlängst bemerkt, dass Atomstrom „ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung“ sein könnte. Damit hat sie wohl eine Debatte angestoßen, die schon längst überfällig ist. Und auch wenn sie auf Druck ihrer Jünger kurz darauf zurückruderte, steht die Frage dennoch im Raum: Ist Atomenergie eine Alternative zu Kohle und Gas auf der einen Seite und grünen Experimenten andererseits?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Ich meine ja! Atomkraftwerke bündeln einige Eigenschaften, die sie zu einer verlässlichen Energieversorgung der Zukunft machen könnte. So besitzt Uran, das übliche Brennelement, eine sehr hohe Energiedichte. Uran-235 hat das zwei-, bis dreimillionenfache Energie-Äquivalent gegenüber Öl und Kohle enthalten. Sprich, in einem Kilogramm Natururan ist nach entsprechender Anreicherung in den üblichen Leichtwasserreaktoren so viel Energie zu gewinnen, wie aus knapp 10.000 Kilogramm Erdöl oder rund 14.000 Kilogramm Steinkohle. Dabei ist die Stromgewinnung aus Atomenergie in Gegensatz zu Gas, Kohle und Öl vollkommen emissionsfrei und im Vergleich zu Wind- und Solarstrom auch noch sehr lieferungsbeständig und regelungsfähig.

Atomkraft ist vergleichsweise sicher

Entgegen der landläufigen Meinung ist die Energiegewinnung mittels AKWs sogar vergleichsweise sicher. So untersuchte eine Studie von „Next Big Future“ die gängigen Energieträger in Bezug auf deren Gefährlichkeit für das menschliche Leben. Das Ergebnis: Kohle scheint das unsicherste Medium zu sein. Zumindest wurden hier statistisch 244 Tote pro produzierter tWh ermittelt.

Gefolgt von Öl mit 52 Toten/tWh und Biomasse mit 50 Toten/tWh. Atomenergie schlägt mit stolzen 0,04 Toten pro Terawattstunde zu Buche. Selbst Wasser-, Wind- und Solarkraft verursachen statistisch gesehen mehr Tote, nämlich einen, 0,15 und 0,1 Tote pro tWh. Dabei ist anzumerken, es handelt sich hier um weltweite Durchschnittswerte. So werden Kohlekraftwerke in Indien und Deutschland in einen Topf geworfen.

Auch ist zu beachten, dass neue Reaktortypen zunehmend sicherer werden. So zum Beispiel der Reaktortyp WWER-1200, der erstmals 2017 in Russland seinen regulären Betrieb aufnahm und seither Strom ins russische Stromnetz einspeist. Es handelt sich um einen Druckwasserreaktor der Generation III+, der für Erdbeben und Flugzeugabstürze ausgelegt ist und bei einem Stromausfall mehrere Tage (!) ohne aktive Kühlung auskommt.

Fukushima wäre bei einem Reaktortyp dieser Bauweise gänzlich anders verlaufen. Auch Hannes Wimmer vom TÜV Süd, der den Reaktortyp für Siemens bewertete, resümiert: „Westliche Sicherheitsstandards werden eingehalten oder sogar übertroffen.“ Reaktoren ähnlicher Bauweise hatten wir dabei in Europa und den USA schon in Bau befindlich, ehe Fukushima alles ändern sollte.

Katastrophen nur noch alle 60 bis 150 Jahre mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent

Die immer höhere Sicherheit neuer Reaktoren wird auch von einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale-Marktwirtschaft (FÖS) untermauert. Und obwohl den Auftraggebern der Studie, Greenpeace Energie, wohl wirklich nicht vorgeworfen werden kann, für Atomkraft zu sein, kommt die Studie zu dem Schluss, dass das Risiko für einen GAU in den letzten Dekaden stark abgenommen habe. Mit Katastrophen im Ausmaße von Fukushima oder Tschernobyl sei nur noch alle 60 bis 150 Jahre zu rechnen, bei einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Und in der Tat waren die oben genannten Reaktorunglücke in Japan und der Ukraine die einzigen, welche auf der INES-Skala als Stufe sieben bewertet wurden. Und beide Male waren Anlagefehler der Grund. In Tschernobyl 1986 war es ein falsch konstruierter Reaktortyp, der erhebliche Sicherheitsmängel aufwies und 2011 in Fukushima-Daiichi wurde ein falscher Standort für das Kraftwerk ausgewählt – mit fatalen Folgen.

Auch ermittelt die FÖS-Studie die maximalen Kosten im Falle eines GAU. Diese werden mit rund 430 Milliarden Euro beziffert. Das klingt zunächst nach sehr viel Geld. Rechnet man das jedoch auf die Kilowattstunde runter, so würden sich die Kosten doch sehr in Grenzen halten. Auch für den pessimistischsten Schwarzseher ergebe sich folgendes Bild: Zwischen den beiden genannten Reaktorunglücken liegen 25 Jahre.

Nimmt man dies als Richtwert für die maximale Häufigkeit nuklearer Katastrophen, kommt man letztlich auf stolze 0,69 Cent pro kWh, welche für das entstandene Risiko zusätzlich bezahlt werden müssten. Legt man den Berechnungen hingegen die erwähnten 60 bis 150 Jahre zugrunde, so wären es nurmehr 0,12 bis 0,29 ct./kWh.

Dabei ist jedoch nicht eingerechnet, dass die neuen Reaktortypen der Generation III+, sowie Reaktoren einer zukünftigen Generation IV radioaktive Folgen außerhalb des Reaktors immer unwahrscheinlicher machen. Man kann also sagen, dass Atomkraft für den Verbraucher auch dann günstiger als die so angepriesenen erneuerbaren Energieformen ist, wenn man eventuelle nukleare Katastrophen in den Strompreis mit einrechnet.

Tendenziöse Berichterstattung

Die Frage ist also, warum Menschen nach wie vor so viel Angst vor der Atomkraft haben. Psychologische Untersuchungen seit den 70ern zeigten, Menschen würden oft die Gefahr von Atombomben – wo der Austritt großer Mengen an Radioaktivität und eine Verstrahlung der Umwelt forciert wird – auf Atomkraftwerke übertragen, in welchen alles dafür getan wird, den Austritt von Radioaktivität zu minimieren. Unterstützt wird dies natürlich durch die teils tendenziösen Berichterstattungen zu und nach besagten Reaktorunglücken.

Nun ist Atomkraft nicht nur günstig, sondern auch umweltfreundlich. So entfallen hier jegliche Emissionen von Kohlenstoffdioxid aber auch von Schwefelwasserstoffen und ähnlichen Verbindungen. Aus den Kühltürmen steigt nur Wasserdampf auf. Auch für die Tier- und Pflanzenwelt sind Atomkraftwerke vergleichsweise harmlos, wie ein Vergleich mit den neuen Hoffnungsträgern deutscher Energiepolitik zeigt. So benötigen beispielsweise Solarparks mehr als 100-mal so viel Fläche für die gleiche Kraftwerksleistung. Ebenso erzeugen sie einen ungleich größeren Berg an Abfall.

Windparks mit ihren Wäldern von sich drehenden Rotoren stellen tödliche Fallen für jährlich hunderttausende Zugvögel und Fledermäuse dar. Auch mehr als 1.200 Tonnen Fluginsekten werden jährlich von den Rotorblättern geschreddert. Franz Trieb zufolge, Experte für Energiesystemanalyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik, handle „es sich um eine Größenordnung, die durchaus relevant für die Stabilität der gesamten Population sein könnte“.

Vorbilder: Frankreich und Schweden

Frankreich und Schweden haben beispielsweise seit den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts massiv von Kohle- und Ölkraftwerken auf Atomenergie umgerüstet. Die Folge sind bessere Wasser- und Luftqualität. Seit Frankreich jedoch im letzten Jahrzehnt angefangen hat, Deutschland in Bezug auf die „Erneuerbaren“ nachzueifern und über 30 Milliarden US-Dollar in den Ausbau selbiger zu investieren, sind die Strompreise gestiegen, ebenso wie die Menge an emittiertem Kohlenstoffdioxid.

Und auch wenn ein gewisses Restrisiko immer bleiben wird, ist zumindest der Gedanke tröstlich, dass es statistisch gesehen weitaus gefährlicher für Leib und Leben ist, in der Einflugschneise oder direkt an einem Flughafen zu wohnen als an einem Atomkraftwerk.

Wieso also wurde und wird der Atomenergie hierzulande der Krieg erklärt? Einen Erklärungsversuch bietet der US-Ökomodernist Michael Schellenberger: Er sagt, das hänge mit der Eigenschaft der industriell genutzten Atomenergie zusammen. So sei Atomenergie eine hochintensive Energieform. Wer diese zur Stromerzeugung nutze, könne in einer kapitalistischen Industriegesellschaft leben und gleichzeitig die Natur schützen. Das bedeutet aber auch den Wegfall des Umweltschutzes als politisch-moralisches Druckmittel.

Verlieren die Grünen ihren wichtigsten Hebel?

Das wiederum wäre ein herber Schlag für weite Teile des politischen Establishments, die ihre politische Strategie maßgeblich auf den vermeintlichen Schutz der Umwelt aufbaut. Man denke nur an die hysterisch geführte Diskussion um den Klimaschutz, der als Hebel zahlreicher Umwälzungen dient. Diesen zu verlieren, würde für viele politische Organisationen das Ende bedeuten.
„Das Problem mit der Kernenergie ist, dass sie ohne die radikale Gesellschaftstransformation auskommt, die die Erneuerbaren Energien fordern. Kernenergie kommt auch ohne die grandiosen Fantasien einer Menschheit aus, die eins ist mit der Natur“, so Schellenberger.

Betrachtet man die Chancen der Atomenergie, so wäre es überfällig, endlich eine rationale Diskussion darüber zu führen. Wollen wir uns nicht zusehends ins Abseits schieben, indem wir für den Traum von „grüner Energie“ die Umwelt zerstören und Deutschland als Wirtschaftsstandort aufgrund unzureichender Stromversorgung und überteuerten Strompreisen ruinieren, so heißt der Ausweg womöglich Atomkraft.

(Bild: Pixabay)


4 Kommentare zu “Atomkraft bietet wahrhaft grüne Energie

  1. Wafthrudnir

    Stimmt schon alles, und ist auch sehr schlüssig erklärt. Nur: niemand lehnt Atomenergie ab, weil er so tolle Argumente hätte. Atomenergie lehnt man ab, weil sie böse ist, und es ist ein Beweis für einen guten Charakter, sich von eventuellen Gegenargumenten nicht in Versuchung führen zu lassen, sondern sie gar nicht zur Kenntnis zu nehmen.

  2. Landsqnect

    Was mich interessieren würde, ist, wie der Autor zur Problematik der Entsorgung von radioaktiven Brennstäben steht. Bekanntlich ist dies ein weiterer Kritikpunkt an der Atomkraft, auf den in diesem Text aber nicht eingegangen wurde.
    Auch wäre gut zu wissen, wie gefährlich diese Brennstäbe tatsächlich für Mensch und Umwelt sind, nachdem sie »verbraucht« wurden. Und zu guter Letzt stellt sich auch die Frage, wo dieser Müll entsorgt werden soll? In Deutschland selber? Falls ja, wo sind hierfür geeignete Standorte? Oder andernfalls im Ausland, z.B. Russland?

  3. Waldschrat

    Beim derzeitigen Uran-Verbrauch wären die bekannten und vermuteten Uran-Vorräte bereits 2040 erschöpft. Würde man vermehrt auf Atomkraft setzen, gingen die Vorkommen noch früher zu Neige. Zudem ist Atomenergie keine CO2-freie Stromquelle. Vor allem bei der Förderung von Uran entstehen klimaschädliche Treibhausgase. Eine Kilowattstunde Atomenergie verursacht so im Durchschnitt 32 Gramm CO2. Bei Uran aus Russland ist es sogar die doppelte Menge. Damit hat Atomstrom eine deutlich schlechtere Klimabilanz als Windenergie. Würde die Uran-Nachfrage steigen, müssten Bergbaukonzene künftig auch weniger ergiebige Uranquellen nutzen – die CO2-Bilanz würde sich weiter verschlechtern.

  4. Waldschrat

    Atomkraft muss auch dann noch finanziert werden, wenn sie keinen Beitrag zur Stromversorgung mehr leistet. So zahlte der Bund die Kosten für die Atommüllendlager Asse II und Morsleben sowie für die Stilllegung der ostdeutschen Atommeiler. Insgesamt sind die Folgekosten der Atomkraft noch lange nicht beziffert – vor allem für die langfristige Lagerung der radioaktiven Abfälle. 2016 erlaubte der Bundestag den Betreibern deutscher Atomkraftwerke, sich mit einer Einmalzahlung von 24 Milliarden Euro für immer aus der finanziellen Verantwortung für den Verbleib des Atommülls zu kaufen. Schon jetzt ist klar, dass dieses Geld, das in einem staatlichen Fonds angelegt ist, nicht reichen wird, um die tatsächlichen Atommüll-Kosten zu decken. Die Bevölkerung trägt nun auch das finanzielle Risiko.

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