Anstoß

Basiert die zweite Welle auf Messungenauigkeit?

Deutschland ist seit einiger Zeit wieder verstärkt im Corona-Fieber. So hat es zumindest den Anschein. Mittlerweile werden jeden Tag wieder knapp 2.000 Neuinfektionen gezählt. Auf dem Fuße folgen erneute Einschränkungen.

So müssen in München nun auch an vielbegangenen öffentlichen Plätzen unter freiem Himmel Masken getragen werden. Schon wird wieder von Lockdown und Schulschließungen geredet. Die Maske: Sie wird laut unseres Chef-Virologen von der Charité noch bis mindestens Ende 2021 bleiben.

Auf einmal spricht das Kanzleramt von Disziplin

Nun sollen die Deutschen wieder so richtig auf Linie gebracht werden. „Disziplin“, wie es aus dem Kanzleramt heißt. Nur eines passt da nicht so wirklich dazu. Zwar steigen die Infektionszahlen wieder. Doch von einem Anstieg der Todeszahlen kann nicht die Rede sein. Die dümpeln nach wie vor auf einem einstelligen Wert vor sich hin.

Wieso das? Eine Theorie ist, dass das Virus durch Mutation nicht mehr so gefährlich zu sein scheint und daher die Todeszahlen so gering seien. Doch viel interessanter ist eine andere Theorie. Und die hat nichts mit Virologie oder Medizin zu tun, sondern lediglich mit Statistik.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurden die Testkapazitäten deutlich erhöht. Waren es in Kalenderwoche 31 noch knapp 600.000 RT-PCR-Tests, wurden in Kalenderwoche 37 bereits rund 1.100.000 Tests durchgeführt. Der prozentuale Anteil von positiven Tests hat sich aber so gut wie nicht verändert. In KW 31 lag er bei 0,98 Prozent und in KW 37 bei 0,86 Prozent. Der einzige Grund dafür, warum die Zahlen in den letzten Wochen wieder angestiegen sind, sind die erhöhten Testkapazitäten. Wer mehr testet, findet auch mehr!

Labor-Tsunami

Dieser Befund liegt auch in anderen Staaten vor, sodass die Ärztekammer für Oberösterreich treffend feststellte: „Wir haben keine zweite Welle, sondern einen technischen Labor-Tsunami.“ Es werde einfach zu viel getestet.

Darüber hinaus besteht für den hierzulande eingesetzten RT-PCR-Test keine hundertprozentige Ergebnissicherheit. So beträgt die Spezifität des Tests circa 95 Prozent. Die Spezifität gibt an, wie viele positive Tests statistisch gesehen falsch-positiv sind. Die Sensitivität des Tests, also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter auch erkannt wird, wird auf rund 70 Prozent geschätzt. Die Prävalenz oder Vortestwahrscheinlichkeit wird derzeit bundesweit durchschnittlich auf rund drei Prozent geschätzt. Die Prävalenz bezeichnet die Rate der zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitabschnitt an einer bestimmten Krankheit Erkrankten im Vergleich zur Zahl der Untersuchten.

Demzufolge gäbe es unter 1.000 Menschen 30 Infizierte. Davon würden 21 auch als solche erkannt werden. Von den 970 gesunden Probanden würden aber nach der Spezifität von 95 Prozent 49 als falsch-positiv erkannt. Unterm Strich wären das dann 70 Infizierte auf 1.000 Getestete, wobei 70 Prozent der Positiven falsch-positiv wären. Diese müssten aber genauso in Quarantäne. Über die Hälfte der als positiv geführten Corona-Fälle wären demnach gar keine, sondern lediglich Messfehler.

Leere Intensivstationen

Ein Test mit diesen Fehlerquoten wäre also erst vertretbar großflächig einzusetzen, wenn die Prävalenz nicht bei drei, sondern bei 20 oder noch mehr Prozent liegen würde. Dem ist aber nicht so, andernfalls wäre der prozentuale Anteil der positiven Tests nicht kleiner ein Prozent.

Für diese Überlegung sprechen auch die leeren Intensivstationen in Deutschland. Um auf München zurückzukommen, das sich nach offizieller Lesart zu einer regelrechten Brutstätte des Virus entwickelt habe: Am 17. September lagen hier ganze 14 Menschen aufgrund des Corona-Virus auf einer Intensivstation. Bei einer Bevölkerung von immerhin 1,5 Millionen. In ganz Bayern, dem Corona-Vorzeigeland, waren es vergangene Woche 42 Bettbelegungen auf Intensivstationen. Von insgesamt 401 Landkreisen, Kreisen und kreisfreien Städten bundesweit hatten vergangene Woche 280 keinen einzigen Corona-Kranken auf einer Intensivstation.

Wieso dann immer noch beharrlich von einer zweiten Welle geredet wird und Christian Drosten allein fürs Scharfmachen den Bundesverdienstorden bekommt, bleibt schleierhaft. Zu viele Messunsicherheiten und Fehlerquellen bestehen, die an der generellen Aussage, wie viele Infizierte es derzeit in Deutschland gibt und ob es wieder mehr werden, erhebliche Zweifel aufkommen lassen.


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