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Bericht vom Wochenende

Am Wochenende fand das zweite Blockseminar in unserem Dresdner Zentrum für Jugend, Identität und Kultur statt. Thema: »Journalismus und Publizistik«. Neben der Vermittlung von handwerklichem Wissen, zu dem unter anderem ein promovierter Journalismus- und PR-Dozent beitrug, gab es auch inhaltlich wichtige Debatten:

Am Freitag starteten wir ins Wochenende mit einem Vortrag von Johannes Schüller über sein neues Büchlein Der Anschlag. Josef Kneifel. Der Weg eines totalitären Helden. In der anschließenden Diskussion ging es hauptsächlich um die Frage, woran es liegt, daß es im Laufe des 20. Jahrhunderts immer weniger politische Dissidenten gegeben hat, die bereit waren, ihr Leben für ihre Überzeugungen zu opfern.

Das Aussterben der Helden

Eine Erklärung dafür ist das Aussterben von Helden in der Vollkasko-Gesellschaft, wie es Michael Klonovsky beschrieben hat. Als dieses Argument kam, erwiderten einige Zuhörer, man dürfe die äußeren Rahmenbedingungen nicht außer Acht lassen. Die Manipulation der Massen nehme ständig zu, während gleichzeitig an die Stelle von repressiven Maßnahmen »soft power« getreten sei.

Schüller betonte, daß Kneifel ein »totalitärer Held« gewesen sei, weil er (verständlicherweise) in der Logik des 20. Jahrhunderts gefangen blieb. Mit der Radikalität, mit der man ihn bekämpfte, bekämpfte er den Staat.

DDR und innere Emigration

Über das ganze Wochenende zog sich zudem eine Debatte über die Frage, wie wichtig die DDR für das Verständnis unserer eigenen Identität ist. Teilnehmer aus dem Westen unserer Republik meinten, die DDR habe für sie nie eine Rolle gespielt. Zudem solle man bei einer Aufarbeitung der DDR-Geschichte nicht den Fehler machen, den »Schuldkult« auf ein neues Regime übertragen zu wollen. Die Kernbesatzung der Blauen Narzisse aus Chemnitzer Tagen (Jahn Zschocke, Schüller, Menzel) hingegen sieht es für sich selbst als eine zentrale Aufgabe an, die eigene Herkunft und Identität über ein Verständnis der DDR-Geschichte zu erforschen. Fragen der »Inneren Emigration« und staatlichen Überwachung seien außerdem heute noch aktuell.

Das Seminar über »Journalismus und Publizistik« mußte sich selbstverständlich auch damit beschäftigen, wie viel Meinungsfreiheit in Deutschland noch erlaubt ist und wo sich junge Autoren die Finger verbrennen können. Anstatt in Selbstmitleid zu versinken, herrschte jedoch bei den Seminarteilnehmern eine fröhliche Aufbruchsstimmung, daß man mit den Anfeindungen schon fertig werde und sich davon nicht abhalten läßt, die eigene Meinung deutlich zu vertreten.

Zuletzt: Das Seminar hilft hoffentlich nicht nur den jungen Autoren persönlich weiter, sondern auch der Blauen Narzisse selbst. Wir haben wieder eine ganze Palette an Textformaten diskutiert, bei denen wir überlegen, sie (wieder) einzuführen:

  • Zwei, drei Jahre lang brachten wir wöchentlich eine Fußball-Kolumne. Die »Kolumne über alles und nichts« war sehr beliebt und wir haben am Wochenende festgestellt, daß es genügend Autoren geben müßte, die spannende Geschichten rund um den Fußball beitragen könnten.
  • Unter dem Arbeitstitel »Kriegsspiele« planen wir Kommentare zu sicherheitspolitischen Themen.
  • Ein Schwerpunkt der nächsten Wochen soll die Beschäftigung mit Rußland sein.

Wer eine »Kolumne über alles und nichts«, einen Kommentar zu aktuellen »Kriegsspielen« oder etwas über Rußland für die Blaue Narzisse beisteuern möchte, meldet sich am besten direkt bei der Redaktion (redaktion@blauenarzisse.de, 0371/45005761).

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