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Berlin tesekkür ediyor

»Berlin sagt danke« oder gleich »Berlin tesekkür ediyor« heißt eine PR-Kampagne, um das 50-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei zu feiern.

Die 1. Ge­ne­ra­tion legte den Grund­stein für eine neue Viel­falt – kul­tu­rell, eth­nisch, re­li­giös –, in die sich die Deut­schen erst all­mäh­lich wieder hin­ein­fanden. An den Folgen der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ter­ror­herr­schaft, die jeg­liche Viel­falt auslöschen wollte, hat Deutsch­land, hat auch Berlin lange zu tragen.

So einen Unsinn muß man nicht weiter kommentieren. Ich möchte jetzt nicht polemisch werden und verweise deshalb auf zwei sehr gute Artikel aus unserem Archiv.

Zum einen hat unser Autor Robin Classen das Sozialversicherungsabkommen mit der Türkei von 1964 einmal genauer unter die Lupe genommen. Dieses Abkommen ist das wichtigere, weil es eine Ewigkeitsklausel enthält:

Während das erste Anwerbeabkommen von 1961 lediglich Zeitarbeit vorsah, war das zweite von 1964 dafür verantwortlich, dass auch heute, bei inoffiziell mit Sicherheit mehr als 5 Millionen Arbeitslosen, noch „Gastarbeiter“ in Deutschland weilen. Im selben Jahr wurde dann auch das Sozialversicherungsabkommen mit der Türkei geschlossen, welches Regelungen beinhaltet, die sich andere Staaten in ihren Abkommen nur erträumen können. Zum einen die oben beschriebenen Privilegien, zum anderen die Tatsache, dass das Abkommen niemals automatisch ausläuft.

Zum anderen hat Shanto Trdic in einem Dreiteiler die Tragik des Integrationsbegriffs beschrieben. Hier geht es zu Teil 1, hier zu Teil 2 und hier zu Teil 3. Ein kurzer Auszug auch hier:

Am Anfang ging es nicht um Integration oder Assimilation, nicht um Bereicherung, Anpassung oder Emanzipation, nicht um´s Kopftuch oder die Scharia. Es ging, wie billig, bloß um´s Geld. Als die Bundesrepublik Deutschland im Herbst des Jahres 1961 mit der türkischen Republik ein Abkommen zur zeitlich begrenzten Anwerbung von Arbeitskräften abschloss, war dies hauptsächlich auf Drängen Ankaras erfolgt. Durch die erhofften Geldüberweisungen der sogenannten Gastarbeiter sollte das bedrohliche Handelsbilanzdefizit des türkischen Staates kompensiert werden.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Berlin tesekkür ediyor

  1. Und auch hier wird wieder die Vorgeschichte des erzwungenen Abkommens weggelassen. Zumindest trauen Sie sich nicht mehr das Märchen vom »dringend benötigten türkischen Gastarbeiter, der Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut hat« zu erzählen.

    http://www.pi-news.net/2011/09/50-jahre-anwerbeabkommen-grund-zu-feiern/

    Selbst manche Mainstreammedien thematisieren inzwischen die durch die USA und Türkei erzwungene Anwerbung:

    http://www.mdr.de/fakt/tuerken100.html

    …Türkei und USA drängen auf eine Vereinbarung
    Sowohl die Türkei als auch die USA hatten ein großes Interesse am Zustandekommen dieser Vereinbarung. Ein starkes Bevölkerungswachstum in der Türkei hatte zu hohen Arbeitslosenzahlen geführt. Diese hoffte man durch das Abkommen zu reduzieren. Außerdem sollten zurückkehrende Fachkräfte mit ihrem neu erworbenen Know-how die Effizienz der heimischen Industrie steigern. Ziel der USA war eine ökonomische Stabilisierung der Türkei, die 1952 in die NATO aufgenommen worden war.

    http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Als-die-Gastarbeiter-aus-der-Tuerkei-kamen-id5140180.html

  2. Und auch hier wird wieder die Vorgeschichte des erzwungenen Abkommens weggelassen. Zumindest trauen Sie sich nicht mehr das Märchen vom “dringend benötigten türkischen Gastarbeiter, der Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut hat” zu erzählen.

    http://www.pi-news.net/2011/09/50-jahre-anwerbeabkommen-grund-zu-feiern/

  3. Selbst manche Mainstreammedien thematisieren inzwischen die durch die USA und Türkei erzwungene Anwerbung:

    http://www.mdr.de/fakt/tuerken100.html

    …Türkei und USA drängen auf eine Vereinbarung
    Sowohl die Türkei als auch die USA hatten ein großes Interesse am Zustandekommen dieser Vereinbarung. Ein starkes Bevölkerungswachstum in der Türkei hatte zu hohen Arbeitslosenzahlen geführt. Diese hoffte man durch das Abkommen zu reduzieren. Außerdem sollten zurückkehrende Fachkräfte mit ihrem neu erworbenen Know-how die Effizienz der heimischen Industrie steigern. Ziel der USA war eine ökonomische Stabilisierung der Türkei, die 1952 in die NATO aufgenommen worden war.

    http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Als-die-Gastarbeiter-aus-der-Tuerkei-kamen-id5140180.html

  4. http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Als-die-Gastarbeiter-aus-der-Tuerkei-kamen-id5140180.html

    …Legationsrat Ercin verstand da keinen Spaß. Im ­Dezember 1960 überreichte der Diplomat im Auswärtigen Amt in Bonn ein Schreiben mit der Bitte, auch mit der ­Türkei bald ein Abkommen über die Anwerbung von Arbeitskräften zu schließen. Eine Ablehnung, sagte er, ­würde seine Regierung als ­Zurücksetzung des Nato-Mitgliedes Türkei betrachten. Wer mochte da noch nein sagen?…

  5. Kuhl…. doch noch freigeschalten, deshalb jetzt doppelt und dreifach, Tschuldigung. Der Hirsch ist der König dieses Threads!

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