Alter Blog

Bibliothek des Konservatismus eröffnet

Letzten Freitag wurde in Berlin die »Bibliothek des Konservatismus« eröffnet. Sogar die Welt berichtete positiv über die Eröffnung, auch wenn der Autor Heimo Schwilk sich den Konservatismus klein und niedlich lügt. »Der wahre Konservative« sei »für den Fortschritt offen«.

Nicht ideologisches, sondern situationsbedingtes, pragmatisches Handeln kennzeichne den wahren Konservativen.

Stimmt das uneingeschränkt? Nein! Der Konservatismus ist eine der letzten Bastionen gegen den Fortschrittsglauben. Aus diesem Grund sind auch so unzeitgemäße Vorhaben wie der Aufbau einer Bibliothek so lobenswert. Mit der Bibliothek des Konservatismus werden Schriften, Werke und Ideen zugänglich gemacht, die für das politische Denken exorbitant wichtig sind. Für den Pragmatiker nach Schwilk´scher Lesart mag es unnütz sein, sich damit allzu lange aufzuhalten. Die politische Situation ändert sich schließlich andauernd und »pragmatisches Handeln« muß nur das nächste Gipfeltreffen der EU im Auge behalten.

Wenn der »wahre Konservative« nur Pragmatiker sein sollte, könnte er sich problemlos in den Reihen der Technokraten bewegen. Der Konservative ist aber anders.

Konrad Adam hat dies am letzten Sonnabend auf der Bibliothekstagung in geschliffenen Sätzen verdeutlicht. In seinem Vortrag beschrieb er, wie der einfache Bürger (und Konservative) das abgehobene Treiben unserer politischen Elite wahrnehmen muß. Erleben wir nicht heute einen Neo-Feudalismus? Da oben die Pragmatiker. Da unten die, denen der »Fortschritt« der Globalisierung zu schnell geht und die ganz genau bemerken, daß die Lebensqualität unter diesem »Fortschritt« leidet.

Adam empfiehlt aus diesen bodenständigen Gründen die Wahlalternative 2013, die sich für die Freien Wähler einsetzt. Das Publikum bei der Bibliothekstagung war an diesem Punkt meines Erachtens schon einen Schritt weiter als der Publizist. Adam glaubt noch an die bürgerliche Wende. Die Zuhörer hingegen wollten mehrheitlich das Problem an der Wurzel packen, auch wenn sie sich untereinander selbstverständlich nicht einig waren, was denn das »Ursprungsproblem« ist. Aber klar war den meisten, daß mehr passieren muß, als eine neue Regierung zu wählen. Diese Einsicht ist schmerzhaft, aber zum Glück haben wir ja gute konservative Vordenker!

Verwandte Themen

Von der CDU zur AfD: Im Gespräch mit Axel Weber Nachdem Merkels Politjünger Annegret Kramp-Karrenbauer den Sieg über den Parteivorsitz der CDU errungen hat, brodelt es in der Partei. Die internen Ma...
Vergessene Gesten „Was ist konservativ?“, fragen sich seit Jahrhunderten die Anhänger der Nichtideologie. Der Autor Alexander Pschera hat jetzt eher ungewollt eine Antw...
Greg Gutfeld: Ein „konservativer“ Komödiant? Nicht brüllendes Gelächter sondern selbstzufriedenes Schmunzeln bewirkt der „konservative“ Komödiant Greg Gutfeld. Wie Tomi Lahren bei den republ...

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

3 Kommentare zu “Bibliothek des Konservatismus eröffnet

  1. »[…] auch wenn der Autor Heimo Schwilk sich den Konservatismus klein und niedlich lügt. ›Der wahre Konservative‹ sei ›für den Fortschritt offen‹.

    ›Nicht ideologisches, sondern situationsbedingtes, pragmatisches Handeln kennzeichne den wahren Konservativen.‹«

    Da wurde aber ungründlich gelesen. Schwilk schreibt:

    »Alexander Demandt, der in seinem Vortrag das Idol der konservativen Revolutionäre, den Untergangsapostel Oswald Spengler, virtuos dekonstruierte, dessen Konservatismus infrage stellte, verabschiedete zugleich auch den Anspruch, das Konservative ein für allemal definieren, in einen operativen Politikbegriff ummünzen zu können. Konservatismus und Progressismus seien dialektisch aufeinander bezogen, auch der Konservative sei dem Fortschritt offen, ja müsse in das Gewachsene integrieren, was sich zu erhalten lohne. Nicht ideologisches, sondern situationsbedingtes, pragmatisches Handeln kennzeichne den wahren Konservativen.«

    Schwilk referiert also die Aussagen Demandts! Wenn überhaupt, so wäre es also Demandt, »der sich den Konservatismus klein und niedlch lügt«.

  2. Aber auch mal ein Wort zur Sache, den es ist wichtiger was als wer kritisiert wird:

    Ich denke FM hat insofern Recht, als ein wahrhaftes wissenschaftliches Verständnis (der Natur) des Konservatismus erschwert wird, vielleichtsogar unmöglich gemacht wird, wenn man sich der Äußerung F. J. Strauß‹ anschließt, nach der konservativ sei, wer an der Spitze des Fortschritts marschiere. Das ist ja nun mal wirklich hirnverbrannt. Denn der Konservatismus, der im 18. Jh. Form annimmt in den Schriften etwa von Edmund Burke und anderen, definiert sich ja gerade über seine Opposition zum blinden Fortschrittsglauben. Natürlich, es sei zugestanden, dass Burke Reform nicht per se ausgeschlossen hatte, aber an der Spitze des Fortschritts ist sicherlich nicht der Konservatismus zu finden.

    Das scheint mir so ein modernes Verständnis des Konservatismus zu sein, das sich dann den Mantel »Wertkonservatismus« anzieht und eigentlich überhaupt nicht konservativ ist. Man marschiert dann nämlich tatsächlich an der Spitze des Fortschritts (bis zur Klippe und hinab!) und der einzige Unterschied zu den anderen ist dann vermutlich die Art und Weise, wie man marschiert: aus eigener Sicht edler oder angemessener, weil man ja ›wertkonservativ‹ ist. … kokolores

  3. Felix Menzel

    @ Platon:

    Schwilk hat sich doch ohne Wenn und Aber Demandt angeschlossen. Hätte er sich von ihm absetzen wollen, hätte er dazu schon die Worte gefunden.

    Wenn man nicht selbst seine Meinung sagen will, läßt man sie jemand sagen und zitiert. So einfach ist das.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzinfo