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Blaue Narzisse mischt sich in Bildungsstreik ein

Bildungsstreik

Wir haben uns ja schon lang und breit zum Bildungsstreik geäußert. Ein Autor von uns hat nun Eigeninitiative gezeigt, schnell ein Flugblatt gestaltet und dieses an der Ludwig-Maximilians-Universität München verteilt.

Auf dem Flugblatt wird darauf hingewiesen, daß der „Bologna-Prozeß“ eine Internationalisierung des Hochschulwesens bedeutet: „Der sogenannte Bologna-Prozess wurde 1999 von europäischen Bildungspolitikern und ihnen zuarbeitenden Wirtschaftslobbyisten in Gang gesetzt. Ziel der Initiative ist die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums bis zum Jahr 2010. Kernelement dieser Gleichschaltung der Universitätslandschaft und der Beseitigung nationaler Hochschultraditionen ist die Einführung des zweistufigen Studiensystems mit den europaweit vergleichbaren Abschlüssen Bachelor und Master.“

Absurd ist nun, daß ausgerechnet linke Studenten auf die Straße gehen und Hörsäle besetzen, da sie ansonsten jegliche ungehemmte Internationalisierung bejahen: „Wenn sich linksgestrickte Studenten nun über die Verschulung des Studiums und damit den Verlust von persönlicher Autonomie ausheulen, sind sie Opfer genau der Internationalisierung geworden, die sie sonst in Weltbürgermanier doch immer beklatschen. Das ist eine bittere Erkenntnis für alle, die naiv glaubten, eine gute Internationalisierung von der bösen Ökonomisierung trennen zu können. Aber:

Internationalisierung und Ökonomisierung sind eineiige Zwillinge!“

Und was ist die Lösung? „Die einzige Alternative, die wirkungsvoll den Bologna-Wahn stoppen kann, ist der Nationalstaat. Denn die logische Antwort auf Europäisierung und Globalisierung kann nur die Renationalisierung des Bildungssystems sein.

Deshalb fordern wir:

  • Sofortiger Stopp des „Bologna-Prozesses“!
  • Wiedereinführung des deutschen Diplom und Staatsexamen, das seit jeher als Qualitätsware „Made in Germany“ galt!
  • Kampf der Internationalisierung und Ökonomisierung des Bildungssystems und unserer Hochschulen!“

Hier könnt ihr euch das Flugblatt runterladen und als Vorlage für eigene Aktionen nutzen!

Der Bildungsstreik in München hat das Flugblatt übrigens sofort in die Hände bekommen und gleich eine Distanzierung verfaßt:

Heute wurden Flyer mit rechtem Gedankengut in der Univeristät München verteilt, die versuchen auf unseren bildungspolitischen Protest aufzuspringen.

Die Internationalisierung wird in Verbindung mit der Ökonomisierung beklagt. Es wird gefolgert, dass nur ein Nationalstaat helfen könne, und wir Protestierende sollen ihnen auf dem »rechten« Weg folgen.

Wir distanzieren uns ausdrücklich vor diesen Aussagen. Unterzeichnet ist das Blatt unter anderem von Burschenschaften und der Blauen Narzisse, die als rechtsextreme Bewegung gilt.

Mit ihnen wollen wir nichts zu tun haben!

Die Sabotageaktionen der vergangenen Tagen haben deutlich gemacht, dass wir es nicht immer mit vernünftigen Personen zu tun haben. Nehmt euch in Acht und passt darauf auf, was um euch herum geschieht. Wir sind ein friedlicher Protest!

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6 Kommentare zu “Blaue Narzisse mischt sich in Bildungsstreik ein

  1. Die erste Forderung, also den »sofortigen Stopp des Bologna-Prozesses«, halte ich für einen Fehler, weil:

    Was sollen denn die Studenten machen, die bereits innerhalb des geänderten Systems studieren?

    Man sollte die Reform als Realität annehmen und lieber daran arbeiten, sie bestmöglich umzusetzen. Da gibt es tatsächlich noch einiges zu tun.

  2. L'ancien régime

    Eine langfristige Rückkehr wäre doch vielleicht möglich. Wenn man nur wollte. Das Problem ist, daß, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, das Herausholen eben Mühe macht.

    Aber will man denn unbedingt bestreiten, es sei unmöglich, das Kind herauszuholen, und wenn man die Möglichkeit bejaht, unter Verweis auf die Mühe darauf verzichten?

    Nein, es muß herausgeholt werden.

    Man hätte es freilich nicht hineinfallen lassen dürfen. Das taugt als Lektion für später.

    Es ist aber drin, und zwar nicht, weil es entgegen allen Warnungen dorthin gegangen wäre, sondern, weil man es hingeschickt hat, weil man der Meinung war, dieser Brunnen biete mehr Wasser. Also hat man mit dem Kinde herumexperimentiert; es hat sich an der Aufgabe verhoben und ist hineingefallen.

    Die Aufgabe bleibt, es, freilich geduldig, zu befreien, geduldig, aber rasch genug, daß das Kind dort unten nicht verhungert.

    Das heißt auch, daß man das System nicht einfach zusammenbrechen lassen darf. Verbesserungen ja, aber solche, die letztlich die Rückführung oder Umgestaltung – es muß ja nicht jeder Aspekt falsch sein – nur begleiten und erträglich machen.

    Also, ab und an dem Kind »Bildung« dort im Bologna-Brunnen Schokolade und Bonbons hinunterwerfen.

  3. L'ancien régime

    »Aber will man denn unbedingt bestreiten, es sei unmöglich« Soll freilich heißen: »…unbedingt behaupten…«

  4. @Platon
    Genau, die Reform ist Scheiße, aber wir müssen halt das Beste daraus machen und sie ist halt da, das kann man nicht mehr ändern, weil es studieren ja schon Leute in dem System.

    Was ist das denn für eine Argumentation? Abschaffen geht ohne Probleme, aber wenn sich die Reform als Irrweg herausstellt, müssen wir halt damit leben, weil sie schon da ist. Das ist genauso so eine blödsinnige Argumentation wie mit den hier lebenden Ausländern. Wir müssen gar nicht akzeptieren, nur weil es halt so ist. Dann werden Übergangslösungen geschaffen, die Leute können z.B. in das Diplom, Staatsexamensystem wechseln und gut ist. Sehe da überhaupt kein Problem.

  5. L'ancien régime

    Übrigens, dieses Gemeiere auf der Protestlerseite ist ja wirklich unterirdisch.

    Diese linken Dummschwätzer, wann steht endlich einmal eine ausreichende Anzahl von Studenten und Dozenten auf und weist diese Hobby-Weltverbesserer in ihre Schranken?!

  6. Nils Wegner

    Aber immerhin schön zu sehen, dass wenigstens einer der Linken in der Kommentarspalte in der Lage war, sachlich zu argumentieren.

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