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Broders Europa vs. Junges Europa

broder_europaHenryk M. Broder, mit dem wir 2007 ein viel beachtetes Interview geführt haben, ist ein Spieler. Er nimmt sich brisante Themen, betreibt damit seinen Klamauk und widmet sich dann wieder anderen Dingen. So verhält es sich auch bei seinem neuen Buch Die letzten Tage Europas. Wie wir eine gute Idee versenken, das heute in den Handel kommt.

Der Titel ist fast ein Plagiat von Walter Laqueurs Die letzten Tage von Europa. Walter Laqueur schreibt in diesem wichtigen Buch:

Angesichts seiner schrumpfenden Bevölkerung wird Europa (jedenfalls beträchtliche Teile Europas) möglicherweise zu einem kulturellen Themenpark für betuchte Besucher aus China und Indien werden, zu einer Art Disneyland auf kulturell hohem Niveau – eine Art Brügge, Venedig, Versailles, Stratford on Avon und Rothenburg ob der Tauber im großen Maßstab. (…) Dieses Europa wäre ein Europa der Fremdenführer, Gondolieri und Übersetzer: „Und hier, meine Damen und Herren, sehen Sie die Schauplätze einer hochentwickelten Zivilisation, die einst in der Welt führend war. Sie schenkte uns Shakespeare, Beethoven, den Wohlfahrtsstaat und viele andere schöne Dinge …“

Darüber hinaus packt Laqueur in dem Buch die heißen Eisen Demographie und Überfremdung an. Was macht nun Broder, der sich am Titel dieses Buches orientiert hat, daraus? Die ersten Auszüge, die heute die BILD bringt, verraten es: Broder macht sich über die EUdSSR und ihre Bürokratie ordentlich lustig. Zu Recht natürlich, aber reicht das?

Die Fremdherrschaft beenden

Gleichzeitig mit Broder haben Philip Stein und ich an dem zweiten Band der Reihe „BN-Anstoß“ gearbeitet. Der Titel: Junges Europa. Szenarien des Umbruchs. Wir sind der Meinung, daß EU- und Euro-Bashing zwar notwendig und berechtigt sind, aber die Debatte um Europa keinen Meter voranbringen. Was wir nach etlichen Büchern über das Scheitern der EU und des Euro brauchen, sind Wege aus der Krise. Uns ist dabei vollkommen klar, daß jeder Weg aus der Krise durch die Krise hindurchführen muß.

Deshalb ist unser Büchlein über ein Junges Europa, das gegenwärtig „unendlich unwahrscheinlich“ ist, keine Utopie. Es beschreibt vielmehr, wie in einer Krisensituation eine neue Vision entstehen kann und daß es jetzt Menschen wie Theodor Körner oder Giuseppe Mazzini braucht, die sich ohne Aussicht auf persönliche Vorteile der Fremdherrschaft, die in unserem Innersten angekommen ist, entgegenstellen.

Bemerkenswert ist dazu ein Absatz aus dem Bocksgesang 2.0:

Allein Fremdherrschaft führt zurück zur eigenen Identität. Dann erst wird sie gebraucht. Identität – wir benötigen zurzeit keine. Was wir brauchen um ihretwillen, ist Fremdherrschaft. Was kann den Deutschen Besseres passieren, als in ihrem Land eine kleine verschworene Minderheit zu werden?

Hier kann unser BN-Anstoß-Bändchen Junges Europa, das Ende September erscheint, vorbestellt werden.

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