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Burschen heraus

Wenn auch die derzeitige politische Lage noch so frustrierend ist, so motivieren mich doch jeden Monat aufs Neue die Gesprächskreise in unserem Dresdner Zentrum für Jugend, Identität und Kultur, weiter an eine Veränderung zu glauben. Gestern ging es um die »Zukunft der (Deutschen) Burschenschaft«. Erstes gutes Zeichen: Es gab wieder einmal mehr Zuhörer als Sitzplätze.

Man mag denken, daß wir über die Zukunft der Deutschen Burschenschaft schon genug geschrieben und geredet haben. Trotzdem brachte die Diskussion – zumindest für mich – eine wichtige, neue Erkenntnis.

Aber der Reihe nach: Ein Vertreter der im Jahr 2014 Vorsitzenden Deutschen Burschenschaft, der Aachen-Dresdner B! Cheruscia, hielt ein Referat über die Geschichte der Burschenschaft und die aktuellen Herausforderungen. Ist die »Deutsche Burschenschaft« am Ende, weil immer mehr Verbindungen aus Feigheit, aufgrund von ausufernder Bürokratie oder persönlichen Befindlichkeiten Alter Herren aus dem Dachverband austreten?

Die Tradition von 1815

Die Diskussion über die Frage brachte sehr schnell hervor, daß selbst unter den DB-Mitgliedern jeder etwas anderes in die DB hineinprojiziert. Die einen berufen sich auf die politisch aktivistische Tradition von 1815 und 1848, andere betonen den Rechtsruck und die gefundene Einheit in der Weimarer Republik und wiederum eine weitere Gruppe – unter den Zuhörern am Montag unterrepräsentiert – wünschen sich die gesellschaftliche Anerkennung aus der Kaiserzeit bzw. der jungen Bundesrepublik zurück.

Ein nicht-korporierter Gast betonte zudem in der Diskussion, daß er es als einen Rückzug empfinde, wenn sich Burschenschaften nur auf Geselligkeit und Charakterbildung konzentrieren wollen. Um lebendig zu bleiben, brauche die burschenschaftliche Bewegung eine politische Stoßrichtung und dürfe die Auseinandersetzung mit dem Mainstream nicht scheuen.

Historische Vorlieben

Mir ist bei der Diskussion klar geworden, wie sehr wir uns im Kreis drehen, wenn wir über die Zukunft der Burschenschaft sprechen, dabei aber lediglich unsere Präferenz für eine bestimmte historische Epoche kundtun. Das bringt etwas Trennendes hervor und keine Einigung für ein zentrales Thema, das in der Gegenwart freiheitlich-national in Angriff genommen werden müßte.

Aus meiner Sicht gibt es ein zentrales Thema, das die Burschenschaften thematisieren müssen: Wie können wir ein Junges Europa aufbauen, das den Kampf mit der verkommenen Europäischen Union aufnimmt?

Selbstverständlich weiß ich, daß sich hinter dieser Fokussierung die Präferenz für eine ganz bestimmte Epoche verbirgt, die andere Burschenschafter kritischer sehen als ich. Wie kommen wir also aus diesem Dilemma heraus?

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7 Kommentare zu “Burschen heraus

  1. »Erstes gutes Zeichen: Es gab wieder einmal mehr Zuhörer als Sitzplätze.«
    Und wieviele waren da? Die Räumlichkeiten des Zentrums sehen auf den im Internet einsehbaren Fotos so aus, als würden maximal 30 Leute reingehen. Was jetzt ja eher verdammt wenig Leute und kein Grund zur Hoffnung sind.

  2. Felix Menzel

    @ shesa:

    Vielleicht wissen wir ja einfach auch, daß die Zeit für Massenagitation endgültig vorbei ist, was wünschenswert wäre.

    Unser Ziel: Gute Diskussionen mit hoher Intensität im kleinen Kreis. Das klappt in unserem Zentrum hervorragend. Das war von Anfang an der Anspruch. Nicht mehr, nicht weniger.

  3. Es war gerade die enttäuschende Feigheit, selbst der Burschenschaften, gegenüber dem roten Terror an den Unis, auch zu einer Zeit als die Gleichschaltung dort noch nicht vollzogen war und echter Widerstand aus Teilen der Professorenschaft geleistet wurde, die dafür gesorgt hat, das für mich, trotz zahlreicher Besuche u.a. auch der übel diffamierten Gothia und diverser Freunde unter den Studentenverbindungen, diese niemals reizvoll gewesen sind und ich während meines gesamten Studiums nicht einmal ernsthaft erwogen habe in eine einzutreten. Feigheit vor dem Feinde goutiere ich nicht.

  4. Ich lese hier immer wieder etwas von »Burschenschaften«, frage mich aber, wozu diese gut sein sollen (weil das auf den Fotos immer so altmodisch wirkt), warum es sie gibt und warum linksgerichtete Menschen so extrem gegen sie kämpfen – was ist da los? (Es ist mir übrigens egal, ob man mich jetzt für ungebildet hält. Ich habe mich einfach nie für so etwas interessiert.)

  5. @ BdU

    Leute, die den Burschenschaften Feigheit vor dem Feind vorwerfen, und das »nicht goutieren« lernt man als Burschenschafter im Laufe der Jahre und Jahrzehnte genug kennen. Es ist interessant, daß sich diese Besserwisser immer und immer wieder als Angehörige folgender Kategorien (kumulativ oder alternativ) heraustellen:

    - Meistens selbst als Prototyp der bürgerlichen Feigheit, die nicht einmal dem eigenen Spiegelbild sagen wollen, daß sie jetzt Buxe sind. Hetzen bei Facebook, aber bloß nicht im Couleur auf der Straße von Kommilitonen gesehen werden. Man könnte ja eventuell in die Lage kommen, Mut vor dem Feinde beweisen zu müssen – oder einfach nur jemandem zu sagen: Was soll’s? Hau ab! / Alt.: Komm doch mal auf ein Bier mit!

    - Eine weitere Kategorie ist die, daß jemand schlichtweg keine Lust hat, sich an Regeln und Termine zu halten. Da überwiegt dann doch zeitgeistiger Radikalindividualismus, den man irgendwie als Tugend darzustellen versucht. Bestimmte Eliteeinheiten sind aber nicht dafür gefürchtet und geachtet worden, daß jeder kam und ging, wann er wolte…. Und bestimmte elitäre Vereinigungen dieser Erde ziehen ihren Erfolg ebenso nicht aus diesem faulen Gehabe.

    - Eine weitere Kategorie hat Angst vor der Mensur, schwadroniert aber permanent vom »Tag X« und was man alles gegen Ausländer tun müßte. Beim Karate tötliche Schläge lernen? Ja, klar! Aber scharfe Klingen? Dann lieber der Elektrorasierer. Bloß nichts Neues wagen, es sei denn sie ist blond und hat dicke……

    - Eine weitere Kategorie hat – KEINE ZEIT. Ojehmineh!!!! Keine Zeit heißt dann aber, daß man zwar nach der Uni natürlich vor der Glotze hängt, vor FB, auf der Alten oder zwei, mit Kumpels in der Kneipe gammelt oder zwölf Stunden am Tag pennt (weil man das als Student dringend zur Erholung nach vier Vorlesungen braucht). Klar, daß man daneben nicht auch noch eine alte deutsche Tradition pflegen oder gar Vorträge organisieren kann. Der Herr KEINE ZEIT muß übrigens auch immer »wegen der Uni« früh weg – und verpennt dann trotzdem die Vorlesungen bis mittags.

    - Der burschenkritische Besserwisser – und das ist der häufigste Fall – ist auch sonst fast nie irgendwo anders aktiv. Denn unterm Strich ist er ein Querulant oder nur stinkfaul und weil es davon so viele gibt, ist Deutschland das, was es heute ist: Zum Kotzen!

    Der Ordnung halber merke ich an, daß ich BdU nicht (!) vorwerfen möchte, einer dieser Kategorien anzugehören. Die Leser hier sollen aber wissen, daß man selbst innerhalb derselben Burschenschaft solche und solche Korpos kennenlernt. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Man muß den Bund finden, in dem man möglichst auf Anhieb Menschen kennenlernt, die man mag und mit denen man gerne gemeinsam aktiv werden möchte.

    Jeder, der irgendwie Anschluß sucht und dafür die Linke oder Schwule Hochschulgruppe nicht in Erwägung zieht, weil er irgendwie »rechts« oder »nicht-pc« ist, wäre gut beraten, sich die Verbindungen an seiner Uni oder FH anzusehen. Schlimmstenfalls gibt es nach dem dritten Bund auf und hat bis dahin trotzdem jede Menge Freibier und interessante Diskussionen gehabt.

    Ausreden, liebe Leute, gibt’s immer! Und auch dagegen kann eine gute Verbindung helfen: Man bekommt gelegentlich gesagt, was man für ein selbstherrlicher Idiot ist – aber wer will das schon hören?

    Sollte die DB den obigen Text als Werbetext verwenden wollen, gebe ich ihn hiermit frei. Den Mut zu haben, daß eigene Publikum zu beschimpfen, ist doch auch volle Pulle der BN-Style, oder?

  6. Das Dresdner Zentrum für Jugend, Identität und Kultur ist eine gute Sache.
    Wir vom »Orden der Patrioten« wünschen euch viel Erfolg.
    Und alles Gute.

  7. Ich werde nie vergessen, wie die »Burschen« mich im Regen stehen ließen, als ich als RfSler in M. offen gegen die Linken aktiv wurde. Eine gebrochene Nase ist bestimmt nicht weniger wert als eine Mensur. Es ist aber richtig, daß es überall »Solche« und »Solche« gibt.

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