Anstoß

Christchurch: Zeit für eine Grundsatzdebatte

50 Tote. Das ist die schreckliche Bilanz eines rechtsextrem motivierten Anschlags auf zwei Moscheen in Neuseeland. Die Hinterbliebenen der 50 Todesopfer wird die weltanschauliche Diskussion um die Hintergründe dieses Verbrechens kaum interessieren. Und doch ist diese Diskussion, vielmehr noch das Resultat aus dieser, von größter Bedeutung.

Denn nur wenn aus diesem, sowie den unzähligen islamistisch motivierten Anschlägen zuvor in Europa, der richtige Schluss gezogen wird, lassen sich künftig solche Vorfälle eindämmen.

Die Opfer müssen im Vordergrund stehen

Das menschliche Leid, welches durch solche Vorfälle, sei es in Christchurch, Berlin, Paris, Nizza oder Utoya entsteht, hat bei allen Aufarbeitungen stets im Vordergrund zu stehen. Angesichts dessen ist für Scheuklappen, gleich welcher Art, kein Platz. Bei vielen Analysen zu Terroranschlägen gewinnt man mitunter den Eindruck, dass es allen Beteiligten nur um die richtige Instrumentalisierung gemäß ihrer Weltanschauung geht.

So wird der von linker Seite nach dem Attentat von Christchurch erneut ausgerufene Feldzug gegen „Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ in den nächsten Tagen noch an Fahrt gewinnen. Insbesondere die Europawahl wird unter diesem Kennzeichen geführt werden. Jeder Kritiker der Globalisierung und Überfremdung wird als „geistiger Brandstifter“ fast schon auf die gleiche Stufe wie der Attentäter gestellt. Mit Trauer oder Anteilnahme hat dies nichts zu tun.

Doch, diese Frage sei an dieser Stelle erlaubt: Wie sieht es mit der vorbehaltlosen Analyse auf der rechten Seite aus? Vielfach gewinnt man den Eindruck, als wolle man dieses schreckliche Ereignis einfach nur schnell hinter sich lassen. Aufgrund dessen scheint die schnellste und einfachste Erklärung gerade recht. Man habe immer davor gewarnt, so heißt es, dass das erzwungene Zusammenpressen von unterschiedlichen Kulturen automatisch zu solchen Verbrechen führen müsse. Doch ist dies tatsächlich so? Und schwingt bei diesem Erklärungsansatz nicht auch Relativismus mit?

Orient und Okzident: Historisch vorbelastetes Verhältnis?

Es scheint fast so, als bestehe das Verhältnis zwischen Abend- und Morgenland ausschließlich aus gewaltsamen Konflikten. Man denkt sofort an die spanische Reconquista, den Fall von Byzanz, die Belagerung von Wien usw. Allesamt Ereignisse, die sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt haben.

Von daher scheint es nur schlüssig, dass die Beziehungen zwischen diesen beiden Kulturkreisen fast immer negativer Natur sein müssen. Man vergisst jedoch, dass vor und nach der vorletzten Jahrhundertwende sich diese Beziehung massiv beruhigt hatte. Zumindest die Mittelmächte (Deutschland und Österreich-Ungarn) hatten ein äußerst lukratives Verhältnis zum damaligen Osmanischen Reich. Die Bagdadbahn war das Projekt, welches einen großen Wirtschaftsraum von der Nordsee bis nach Mesopotamien erschließen sollte. Ein Wirtschaftsprojekt, das natürlich das Missfallen der Westmächte erregen musste. Weshalb das Osmanische Reich dann auch gemeinsam mit Deutschland und Österreich-Ungarn sich den Angriffen des internationalen Großkapitals im Ersten Weltkrieg entgegenstellte.

Diese Waffenbruderschaft zwischen Deutschland und der islamischen Welt wird heute auf rechter Seite gerne vergessen. Der Völkermord an den Armeniern mag hierfür ein triftiger Grund sein. Bei dieser Thematik wird jedoch oft unterschlagen, dass dieses Ereignis erst durch einen, heute würde man Regime Change sagen, möglich wurde. Die Machtergreifung der „Jungtürken“ und die quasi Entmachtung des osmanischen Sultans wurden, so lassen zumindest jüngste Veröffentlichungen schließen,  von außen massiv beeinflusst

Mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt

Die Niederlage im Ersten Weltkrieg hatte für beide, Deutschland und das Osmanische Reich, verheerende Folgen. Obendrein entstand durch die willkürliche Zerteilung des Nahen Ostens durch die Siegermächte ein bis heute nicht abgekühlter Brandherd in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Man verdeutliche sich außerdem, dass jene Bomben, welche vor wenigen Jahren über Libyen, Syrien, den Irak und Afghanistan niedergingen, der gleichen Kommandozentrale entsprangen, welche auch unsere Heimat vor nicht allzu langer Zeit in eine Mondlandschaft verwandelte.

Das Kapital, das Saudi-Arabien, einem der größten Unruhestifter in der Region, erst zu dem reichen und einflussreichen Staat gemacht hat, der es heute ist, entsprang der gleichen Quelle wie jene Dollarnoten, welche auch die Taliban im Kampf gegen Russland finanzierte und welche im ersten Weltkrieg den Westmächten ihre lange Kriegsführung ermöglichte. All diese Ereignisse verbinden uns mit der islamischen Welt. Abend- und Morgenland hatten mehr als nur einmal einen gemeinsamen Feind.

Haben wir das richtige Feindbild?

Vor diesem Hintergrund müssen wir uns einmal die Frage stellen, ob das Feindbild „Islam“ überhaupt das richtige ist. Lehrt uns die Geschichte nicht, dass wir im vergangenen Jahrhundert oft denselben Feind hatten? Warum sollte das heute anders sein?

Auf den ersten Blick scheint definitiv der Islam das Hauptproblem zu sein. Der Blick in jede westdeutsche Großstadt scheint uns dies sofort zu bestätigen. Doch ist die Gefahr der Islamisierung, welche von Jahr zu Jahr realistischer wird, tatsächlich die Ursache der großen abendländischen Krise? Ist die Ursache nicht eher im verlorenen ersten Weltkrieg, welcher auf Seiten der Mittelmächte durch starke und souveräne Nationen gegen die Mächte des internationalen Großkapitals bestritten wurde, zu suchen?

Ist nicht die totale Niederlage im zweiten Weltkrieg dafür verantwortlich, dass sich der Kultur- und Sittenverfall ausbreiten konnte? Und ist dadurch nicht erst der Raum für eine andere Kultur in Europa  entstanden? Ist nicht das Primat der Wirtschaft, welches keine Bindungen duldet, seien sie national, kulturell oder religiös bedingt, ursächlich für die zunehmende Überfremdung, und nicht etwa der aggressive Drang des Islams? Kann es sein, dass wir vielfach Ursache und Wirkung verwechseln?

Genauso ist es!

Den wahren Feind erkennen

Wir müssen uns bewusst werden, dass das Feindbild „Islam“ nur dazu dient, den wirklichen Feind nicht zu erkennen. Durch das Setzen falscher Feindbilder werden erst solche Attentate wie in Christchurch oder Berlin möglich, denn den Herren des Großkapitals ist es natürlich ganz recht, wenn sich die Menschen in nie enden wollenden Grabenkämpfen gegenseitig an die Gurgel gehen anstatt zu erkennen, dass sie sich nicht zwangsläufig zum Feind haben müssen, sondern einen gemeinsamen Feind haben.

Die Stunde der Globalisten wäre gezählt, wenn Orient und Okzident gemeinsam gegen sie vorgehen würden, wenn man sich auf beiden Seiten bewusst würde, dass die eigene Identität nicht im Kampf gegeneinander bewahrt werden kann, da die Globalisten ALLE Kulturen vernichten möchten.

Ob ein solcher Bewusstseinswandel realistisch ist? Dies steht auf einem anderen Blatt.

(Bild: Pixabay)


5 Kommentare zu “Christchurch: Zeit für eine Grundsatzdebatte

  1. P.Muster

    Also doch die Juden oder was?
    Manchmal sind hier echt Texte zu finden, die einem Glauben machen, dass hier jeder 15-jährige Schüler ungeprüft schreiben darf was er will.

  2. Felix Menzel

    In dem Text wird an keiner Stelle den »Juden« die Schuld gegeben. Das ist eine unverschämte Unterstellung.

    Und: Ja, bei uns schreiben z.T. auch 15-jährige Schüler, deren Texte selbstverständlich überprüft werden, aber nicht zensiert.

  3. Niekisch

    Der Text ist schon in Ordnung. Das Problem liegt nur in der besonderen Lage: unser denkbarer Verbündeter in Form islamischer Staaten ist zugleich als Überfremdungselement Islam+ islamisch geprägte Menschen in unserem letzten schmalen Refugium Deutschland präsent und wird immer stärker. Das ist auch so von den Deutschland und Europa schwächen wollenden Kräften gewollt. Wir müssen den Spagat schaffen, den Muslimen in Deutschland klar zu machen, daß wir sie trotz geopolitischer, strategischer Verbundenheit nur unter besonderem Recht hier zeitweise dulden können und dürfen, um nicht selber unterzugehen.

  4. Viel Feind, viel Ehr´!

    „Wir müssen uns bewusst werden, dass das Feindbild „Islam“ nur dazu dient, den wirklichen Feind nicht zu erkennen.“ Tobias Schaar am 21. März 2019

    Der Feind meines Feindes ist nicht immer und unbedingt mein Freund! – der Rest: Binsen, wie Tortuga hier wohl wieder sagen dürfte, und Sophisterei. Die Türkei respektive das Osmanische Reich haben dem Deutschen Kaiserreich zum Ersten nichts gebracht, und zum Zweiten (WK) das Großdeutsche Reich gegen Sowjetrussland im Stich gelassen. Weitere Anmerkungen zur Geschichte und verschiedenen Feindbildern sparen wir uns hier.

  5. Weltbürger

    Der große Unterschied zum Anschlag in Christchurch ist der, dass Christen sich nicht anschließen weltweit um den Hals fallen und offen auf der Straße tanzen, so wie es nach jedem größeren Attentat von Moslems gegen Christen geschieht!
    Vom Respekt dem christlich geprägte Länder den Moslems zollen, ist noch nie etwas zurückgekommen. Der beruht auf totaler Einseitigkeit.

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