Alter Blog

Christian Pfeiffer: Gegenargumente Ausländergewalt

Vom neuen Buch des streitbaren Sozialdemokraten Thilo Sarrazin wußte Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, noch nichts, als er für den aktuellen Cicero eine Replik auf die Thesen der Jugendrichterin Kirsten Heisig verfaßte. Pfeiffer mit drei »F« und SPD-Parteibuch meint, wissenschaftlich würden sich Heisigs Thesen zur Jugendkriminalität und der besonderen Brutalität junger Migranten nicht bestätigen lassen. Hören wir ihm zunächst zu:

Sogenannte »Raufunfälle« auf Schulhöfen, bei denen die Verletzten Frakturen erlitten haben (etwa Arm- oder Nasenbeinbrüche), werden aus versicherungsrechtlichen Gründen bundesweit fast lückenlos erfasst. Sie sind aber seit ihrem Höchststand im Jahr 1997 bis zum Jahr 2007 um 44 Prozent zurückgegangen. Zudem widerlegt die Entwicklung der Zahl jugendlicher Tatverdächtiger, die von der Polizei wegen Tötungsdelikten registriert worden sind, die Einschätzung Heisigs. Mit 7,6 jugendlichen Tatverdächtigen je 100 000 Personen in dieser Altersgruppe war in Deutschland der Höchststand bereits im Jahr 1993 erreicht. 2009 lag diese Zahl bei 6,66 – und damit um 12,5 Prozent niedriger als 16 Jahre zuvor.

Auch Raubdelikte und gefährliche bzw. schwere Körperverletzungen seien bei Jugendlichen in den letzten zehn Jahren statistisch gesehen rückläufig. Nun gesteht Pfeiffer aber doch ein, daß es ein Problem gibt. Dieses bestehe nur nicht – wie statistisch zu erkennen – in ganz Deutschland, sondern ausschließlich in westdeutschen Großstädten. Da Heisig ihre Erfahrungen in Berlin-Neukölln gemacht hat, könnte sie also doch recht haben, wenn sie behauptet, 70 bis 80 Prozent der jugendlichen Intensivtäter sind Migranten. Nun fängt Pfeiffer an zu rechnen:

Gewaltopfer zeigen fremde Täter weit häufiger an als solche, die ihnen eher vertraut sind. Die Repräsentativbefragung hat es deutlich gezeigt: Wenn der deutsche Max vom deutschen Moritz angegriffen wird, beträgt die Anzeigequote 19,5 Prozent. Sie steigt hingegen auf 29,3 Prozent, wenn es sich beim Täter um den türkischen Mehmet handelt. Bei der umgekehrten Konstellation, dass ein junger Migrant von einem deutschen Täter angegriffen wird, sinkt sie dagegen auf 18,9 Prozent.

Beinahe absurd ist es angesichts dieser Zahlen, die Kriminalität junger Migranten zu relativieren. An erster Stelle müßte Pfeiffer anmerken, daß 70 bis 80 Prozent aller Gewaltdelikte überhaupt nicht zur Anzeige kommen. Damit wäre er auch zu einem Grundproblem von Alltagsgewalt vorgedrungen. Die Opfer nehmen die meisten Aggressionen einfach so hin. In 70 Prozent der Fälle bekommt Mehmet das Taschengeld von Max, ohne das dies in die Statistik einfließt. Das bedeutet auch: Solche Fälle landeten nie bei Kirsten Heisig. Das Ausmaß von Jugendkriminalität ist also sogar noch weit größer und übertrifft das, was Heisig wahrnehmen konnte.

Wahrscheinlich hat Pfeiffer nur Kämpfe vom Schreibtisch aus zu bestreiten. Sonst würde er sicherlich keine »Strategie des Zuwartens« vorschlagen:

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Jugendrichter, die am häufigsten Jugendarrest angeordnet hatten, bei ihren im Vergleich identisch zusammengesetzten Gruppen von jugendlichen Straftätern die höchsten Rückfallquoten zu verzeichnen hatten. Ebenso wenig scheint Heisig mit dem vertraut zu sein, was der Kriminologe Wolfgang Heinz in seinem Eröffnungsvortrag des 21. Deutschen Jugendgerichtstags als Fazit seiner überaus gründlichen Analyse nationaler und internationaler Forschungen über jugendliche Gewaltkarrieren dargelegt hat: »Frühzeitige und einschneidende Eingriffe sind nicht besonders wirkungsvoll, sondern besonders gefährlich. Eine ›Strategie des Zuwartens‹ zeitigt bessere Ergebnisse. Milde zahlt sich aus.«

Verwandte Themen

Der Sozialstaat macht die Mafia möglich Ob Drogenhandel, Zwangsprostitution, Diebstähle, Einbrüche oder sexuelle Übergriffe: Längst sind arabische Großfamilien, Nordafrikaner und osteuropäis...
In Dresden gibt es kein Problem mit kriminellen Au... Ein Argument der PEGIDA-Gegner ist immer wieder, in Dresden gebe es keinerlei Probleme mit Ausländern. Richtig daran ist, daß der Ausländeranteil von ...
Ausländische Banden, bewußtlose Lokführer und 14-j... Allein betrachtet, mag man sagen, hier benehmen sich ein paar Idioten daneben. So etwas gibt es immer und überall. Aber es ergibt sich eben auch ein G...

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

4 Kommentare zu “Christian Pfeiffer: Gegenargumente Ausländergewalt

  1. Vor allem sagen absolute Zahlen alleine nichts aus. Wenn ich die absolute Zahl der Delikte nehme, um bei einer sinkenden Stärke der Jahrgänge eben diese miteinander zu vergleichen, habe ich bei gleichbleibender Gewaltdichte pro 100000 Jugendlicher eine sinkende absolute Anzahl der Delikte vorliegen und kann einen »Rückgang« verzeichnen. Wenn manche Jahrgänge, wie in Mitteldeutschland 1991/92, besonders schwach sind, kann ich sogar einen relativen Anstieg der Gewaltdelikte durch das Sinken der absoluten Zahlen verschleiern. Die wollen uns doch alle verscheißern.

  2. Milde zahlt sich aus, pah!

    Wenn Neonazis selber töten, dann diese Schweine durch Dulden und Unterlassen!

  3. Michael Siebel

    Herr Pfeiffer ist für seine weit hergeholten und bisweilen skurril-abstrusen Aussagen der Beschwichtigung bekannt.

    Vielleicht sollte er öfters dort verkehren, wo die Kriminalität besonders hoch ist, dann gingen ihm die Augen schon auf. Interessant ist in diesem Fall die Dokumentation, wie es den 30 % Restdeutschen an einer Essener Hauptschule ergeht. Soll unsere gesamte Zukunft so aussehen?
    Die demographischen und Integrations-Statistiken sprechen eine äußerst deutliche Sprache. Wir brauchen sehr dringend mehr fähige Leute, die wie Heise, Sarrazin, Broder, Baring und ein paar weitere Schlaglichter pragmatisch schaffen, sich zu überfremdung und Gewaltimport zu äußern.

  4. Pareto-Geschichts-Analyse

    1. 1922 Albert Einstein Nobelpreis : e m*c-Quadrat
    nichts ist ewig , alle Religionen sind Humubunku
    2. 20.12.1924 Hitler wird vorzeitig entlassen
    ( hat er den Wanderpredigern versprochen , Albert Einstein auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen ???)
    3. 6.8.1945 Hiroshima :
    die Formel von Albert Einstgein stimmt :
    auf die Jungfrauen im Himmel können die Terroristen lange warten – es gibt sie überhaupt nicht .
    Die Wanderprediger läuten zur Ablenkung die Glocken , damit keiner an Albert Einsteins Formel denkt , welche bekanntlich bedeutet : alle Wanderprediger lügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzinfo