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Courbet und konservative Gehirne, die sich in Echtzeit übergeben

Die Reaktionen auf meinen letzten Beitrag über Courbet im Netzwerk Facebook sagen doch einiges über die Bedingungen aus, unter denen heute geistige Arbeit stattfindet: Es stellt sich die Frage, ob in Zeiten der Ökonomie der Aufmerksamkeit überhaupt noch der ein oder andere sinnvolle Satz beim Publikum ankommt oder ob wirklich bedeutenden Geistern (zu denen ich unsere Sparte noch nicht einmal zählen möchte) nur das generationenübergreifende Gespräch mit ein paar Freunden aus der Vergangenheit und in der Zukunft bleibt.

Wenige Experimente im WWW reichen, um einen vernichtenden Eindruck über die (fehlende) Wirkmächtigkeit des durchdachten Wortes zu gewinnen. Vor etwa einem Dreivierteljahr hatte ich es schon mal mit »Prollpower für Deutschland« erfolgreich versucht und die jetzt durch das Courbet-Bild angestoßene Diskussion über »konservative« Intimrasur toppt noch einmal alles. Allen Ernstes haben sich in Facebook etliche Kommentatoren gefunden, die darüber plaudern, ob es nun konservativer sei, kahlrasiert zu sein oder doch lieber der Natur freie Bahn zu lassen. Was hinterläßt das für einen Eindruck bei unserer Stammbelegschaft? Einer unserer Autoren hat vorgeschlagen, wir sollten doch endlich die Konsequenz aus alledem ziehen: Statt Bücher über Rilke zu schreiben, die eh keiner liest, sollten wir umdenken und endlich in die Wachstumsmärkte der Zukunft einsteigen – freilich, ohne daß das Gebüsch bei den daran Mitwirkenden zu hoch wachsen darf. Welche Märkte ich meine, darüber dürft ihr euch nun im Kommentarbereich austauschen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

10 Kommentare zu “Courbet und konservative Gehirne, die sich in Echtzeit übergeben

  1. Schanzwurst

    Was für ein Schmarr‹n.
    Auf fb sieht man nun mal zuerst das große Bild. Und darauf war nichts anderes zu sehen, als das weibliche Genital. Dass nicht jeder sofort erkennt, was für immens bedeutende Kunst jetzt dahinter steckt, spricht nicht unbedingt gegen das Publikum: Information ist das, was ankommt.

    Erst ’ne haarige Muschi posten, und sich dann über die Vulgarität/Banalität der Diskussion echauffieren – Avantgarde sieht anders aus.

  2. Wer das Bild nicht kennt, der hat im Leben irgendwas verpaßt, auf jeden Fall Bildung. Und ganz bestimmt ist es neu, daß Information ankommt. Das Platte kommt an, eben Bilder! Und das führt zu solchen Diskussionen. Die, die das als Kunstwerk erkennen echauffieren sich nicht, das sind die anderen!

  3. Sorry, die ewig glattrasierten Tussen stoßen mich eher ab, scheiß genderkram. Dat Auge fickt halt , bin nicht schwanz-gesteuert. :-((

  4. Glattrasiert allein hat aber nichts mit Genderkram zu tun.

    Das sind eher vollgeschminkte, vollbusige, maskuline, unflätige Frauen die mit ihren Reize allzu aufdringlich um sich werfen und sich aus Ersatzteillagern bzw. »kosmetischer Operationen« auftunen, weil ihnen die natürliche Schönheit nicht reicht.

    Anstatt sich devot, schüchtern, verhüllt, kultiviert und feminin zu geben, was einer ECHTEN Frau entspricht. (Zur Inspiration empfehle ich einen Blick nach Japan) Dazu, finde ich, passt jedenfalls rasiert recht gut^^

  5. Schanzwurst

    Jetzt geht das schon wieder los.
    Mir geht eigentlich vor allem diese elende Selbstreferentialität gepaart mit, vorsichtig gesagt, einigermaßen unbegründetem Elitarismus auf die Nerven. Das mit der Wirkmächtigkeit ist vielleicht gar keine Frage des Intellekts, sondern des Charakters?

  6. »Dat Auge fickt halt«

    q.e.d. Besser wäre nur noch gewesen: »Das pseudokonservative Auge fickt halt.«

  7. Vielleicht hätte die BN auf dem Titel des Rilke-Buchs einfach »L‹Origine du monde« abdrucken sollen? Felix‹ Experiment hat das wunderbar bewiesen, leider, wirtschaftlich gesehen, zu spät.

  8. Vinneuil

    »Anstatt sich devot, schüchtern, verhüllt, kultiviert und feminin zu geben, was einer ECHTEN Frau entspricht. (Zur Inspiration empfehle ich einen Blick nach Japan) Dazu, finde ich, passt jedenfalls rasiert recht gut^^«

    In Japan ist das Rasieren allerdings out.

  9. Dingeldangel

    »Wer das Bild nicht kennt, hat (…) Bildung verpasst« …«Das Platte kommt an, eben Bilder«…

    Also hat jemand der das Platte (das Bild) nicht kennt Bildung verpasst?

    Man reiche ihm den Preis für die dümmsten Aussage seit Langem. Sich selbst innerhalb so weniger Sätze zu widersprechen ist eine Leistung.

  10. Der Grinch

    Ich finds immer noch voll geil!

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