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Das Heilige Reich und die Sezession

Roland Woldag hat heute auf ef-online einen ganz wichtigen Essay gebracht. Bitte lesen!

Die für mich wichtigsten Sätze möchte ich als Auszug zitieren:

Sezession und Reichsgründung sind kein Widerspruch. Sezession bedeutet in diesem Zusammenhang das, was andere unter dem Europa der Vaterländer verstehen – ohne Bundes- oder europäischen „Lastenausgleich“, vulgo sozialistische Umverteilung. Die „schottische Lösung“, die 2014 eine Abstimmung über die Unabhängigkeit von London vorsieht, markiert andernorts bereits den Weg. Sezession würde den Wettbewerb der Ideen wieder in Gang setzen, welche die EUdSSR-Bürokratie bereits erstickt hat: Wieso trafen sich Wieland, Schiller, Herder, Goethe und andere Geister in Weimar? Weil man im Deutschen Reich zu Fuß emigrieren konnte. (…)

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (962 bis 1806) ist das Ufer, von dem es nach dem Ende des demokratischen Eurojakobinertums eine Brücke in die Zukunft Deutschlands und Europas zu schlagen gilt. Man erwirbt sich nur Achtung durch kraftvolle, friedfertige Weisheit im Handeln und nicht durch die Erziehung anderer Nationen nach dem eigenen Bilde unter der Fuchtel von bolschewistischen „EU-Kommissaren“  („bolschoi“ (Russisch) bedeutet „groß“, im Sinne von Übermacht). (…)

Das Deutsche Reich verkörperte Heimat und Schutz der deutschen Glaubens- und Seelenlandschaft, das Empire (nach der Translatio imperii das Angloimperium) die Weltherrschaft. Demnach hat es kein Drittes Reich gegeben, denn Hitlers Staat war imperialistisch. Nicht einmal das zweite Kaiserreich verdient diese Bezeichnung, nicht zuletzt wegen der Exklusion Österreichs sowie Bismarcks „Kulturkampf“. Ein Deutsches Reich im ursprünglichen Sinne käme dem „Europa der Regionen“ sehr nahe.

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4 Kommentare zu “Das Heilige Reich und die Sezession

  1. Mir ist der verlinkte Beitrag zu viel Biedermeier mit einem Schuss romantischer Überhöhung des klein-klein bei Außerachtlassung der Realitäten – und die sehen eben so aus, dass Deutschland das Zentrum, das Herz Europas ist. Eine »splendid isolation« war und ist für das Gebiet, das Deutschland umfasst, einfach nicht möglich, zumindest nicht, wenn man vom Ideal einer echten Eigenbestimmung des deutschen Volkes ausgeht. Klein-klein geht in Deutschland nur, wenn andere das Sagen haben und man brav »Schutzgelder« an sie bezahlt – wer´s mag …

    Preußen hat nicht umsonst das 2. deutsche Reich initiiert, da es gesehen hat, dass es alleine und umgeben von Mächten, die echte, imperiale Politik betreiben im »Konzert der Mächte« keine besonderen Töne mehr spielen hätte können. Das zweite Kaiserreich lief auch sehr erfolgreich, so lange Bismarcks außenpolitische Agenda eingehalten wurde, der eben keine imperialistische Politik betrieben hat, sondern immer die Prämisse hatte, dass Deutschland saturiert ist.

    Der Weg, wenn man ein selbstbestimmtes Deutschland will, muss daher ein anderer sein: Ein souveränes, starkes Deutschland (auch militärisch!), welches seiner Verantwortung in Europa gerecht wird. Das impliziert mitnichten automatisch eine »imperialistische Politik« – Kein Mensch erwartet in Deutschland mehr Kolonien oder eine Landnahme im Osten. Ich habe eher den Eindruck, dass in dem Moment, in dem Deutschland nicht mehr den Zahlmeister Europas spielt, ganz andere Rechnungen uns vom »Ausland« präsentiert und im Ernstfall auch militärisch durchgesetzt werden (und wir haben zur Zeit nichts dagegen zu setzen!).

    Das Zeitalter der Nationalstaaten ist lange nicht vorbei – Die einzigen, die sich »europäisch« in der EU verhalten, sind die deutschen. Alle andere betreiben, zugespitzt formuliert, knallharte eigenstaatliche Interessenpolitik.

    Eine Rückkehr in einen Regionalismus eines deutschen Reiches mit EIGENBESTIMMTHEIT wird nie möglich sein, so lange man von Nachbarn wie Frankreich, UK, Polen, Tschechien und Russland umgeben ist. Aber träumen darf man ja, dies sei dem Autor zugebilligt …

  2. Gardeleutnant

    Vielleicht könnten wir uns ja darauf einigen, endlich nicht mehr die Diskussionen von vor 150 Jahren aufzuwärmen, sondern dafür zu sorgen, daß es in 150 Jahren noch Deutsche gibt, die das in ihrem eigenen Land tun können? Egal, ob dieses Land dann eine Vergangenheit als Gliedstaat in einem EU-Bundesstaat hinter sich hat oder als amerikanischer/chinesischer/russischer Vasall?

    Meine Güte, seht euch die demographischen Daten an! Es geht ums Überleben unseres Volkes! Ich bin selbst in meinem Herzen zerrissen zwischen altdeutschem Biedermeier und machtpolitischem Bismarckstaat. Wer wünschte sich nicht ein transzendent rückversichertes Reich der Deutschen? Aber das ist alles, alles erst einmal vorbei. Sorgen wir dafür, daß wir nicht zur Minderheit im eigenen Land werden, dann kann die Träumerei weitergehen. Im Moment sind wir nicht in der Lage, wirkliche Politik zu betreiben, ohne unsere Zukunft zu verraten. Und nein, ich halte das nicht für Defaitismus.

    »Das Zeitalter der Nationalstaaten ist lange nicht vorbei – Die einzigen, die sich “europäisch” in der EU verhalten, sind die deutschen. Alle andere betreiben, zugespitzt formuliert, knallharte eigenstaatliche Interessenpolitik.«
    - und wen interessiert das, wenn alle diese Völker in einem halben Jahrhundert vermischt, nivelliert und halbiert sind? Wenn Ali Ö. aus Frankreich mit Abdullah Y. aus Schweden an einem Konferenztisch in Brüssel sitzt? Glaubst Du, daß sich die nationalstaatlichen Eigenheiten erhalten werden? Es tut mir leid, aber wer im Jahre 2012 noch ein souveränes, starkes Deutschland auch nur mittelfristig für möglich hält, ist ein politischer Romantiker.

  3. Gardeleutnant,

    die anderen betreiben »nationalstaatliche« Politik nicht unter dem Gesichtspunkt, der Reinheit des Volkes – ein Algerier war immer schon Franzose und ein Commonwealth Pakistani war den Engländern auch immer willkommen (die Quittung dafür, wenn das gesunde »Maß« der Zuwanderung überschritten wird, bekommen beide Länder gerade präsentiert). Den Franzosen und den Engländern war das immer egal, Hauptsache »Britain first« oder Frankreich zu erst, gleich, wer in diesen Ländergrenzen überhaupt tatsächlich lebt. Insofern ist das Wort »nationalstaatlich« in diesem Zusammenhang natürlich nicht mehr korrekt – aber es geht mir primär um den Hinweis auf den Punkt der egoistischen Interessendurchsetzung.

    Wir deutschen sind noch lange nicht ausgestorben und mit entsprechenden, auch kurzfristig machbaren Weichenstellungen werden oder würden wir das auch nicht.

    Allein, der politische Wille geht eben seit Jahrzehnten in diesem Lande ganz woanders hin, nämlich in Richtung Auflösung in ein »großes Ganzes«, Umvolkung etc.

    Daran sind nicht die blöden und angeblich Lendenlahmen deutschen Schuld, sondern einzig und allein die politische Führung dieses Landes – ganz realpolitisch betrachtet.

  4. Gardeleutnant

    Martin,

    Du hast voll und ganz recht in den drei letzten Absätzen. Mir geht es aber zunächst einmal nicht darum, ob die medial-politische Führung etwas ändern könnte, wenn sie wollte. Auch nicht darum, ob unsere Funktionseliten volksverräterisch (oder, wenn das zu NS-belastet sein sollte: identitätsverneinend) handeln. Nein, ich will nur widersprechen, wenn ich das Gefühl habe, daß uralte Diskussionen geführt werden, die heute realitätsfremd sind – wie die zwischen altösterreichisch-großdeutschem und preußisch-kleindeutschem Gedanken. In dem Beitrag bei ef und der Antwort oben nach dem ersten Absatz klang so etwas an. Ansonsten sind wir einer Meinung, denke ich.

    Dem ersten Absatz kann ich dagegen nicht zustimmen: britisches wie französisches Weltreich setzten Kolonien voraus. Du schreibst: »gleich, wer in diesen Ländergrenzen überhaupt tatsächlich lebt« – das stimmt nicht! Nicht zufällig haben Volksfranzosen und einheimische Algerier sich im Algerienkrieg auf Grausamste abgeschlachtet; nicht zufällig waren Nichteuropäer aus den Kolonien in Großbritannien nur als zeitweilige Hausangestellte oder als Studenten erwünscht. Die farbigen Völker sind alle erst nach 1945 auf die Britischen Inseln gekommen, vorher nicht! Wenige Jahrzehnte haben gereicht, um die Nationen an den ethnischen Unterschieden zerbrechen zu lassen.
    Jeder mag das anders sehen, aber ich halte eine weitgehende ethnische Homogenität des Staatsvolkes (also ethnos = demos) für absolut entscheidend für die Existenzfähigkeit einer Nation und auch einer Kultur. Nationalstaatliche Politik ohne »Wahrung des Blutes« muß scheitern, irgendwann werden die durch Vermischung (im Sinne eines »nebeneinander«, nicht genetisch) auftretenden Zentrifugalkräfte zu groß, s. Altösterreich oder auch Frankreich und Großbritannien heute. Aber ich vermute, daß Du das garnicht anders siehst.

    Der langen Rede kurzer Sinn: mehr Politikfähigkeit ja, selbstbewußtere Funktionseliten ja, weniger Europa ja; aber alles nur unter dem Gesichtspunkt drohenden Kollapses und im Bewußtsein, daß ein Spiel gespielt wird, das in einigen Jahrzehnten einfach erlischt, weil die Spieler nicht mehr da sind. Und bitte, das geht gegen den ef-Autor, Geheimes-Deutschland-Romantik (die ich an sich sehr schätze) nur zur Initiation neuer Sezessionisten und nicht als auch nur annähernd ernst gemeinte Zukunftsaussicht.

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