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Das rechte Deutschland

LastChancePosterHeute startet die »Operation Last Chance II« in Deutschland. Die Wall AG sorgt dafür, daß in unseren Großstädten Plakate zu sehen sind, die zur Denunziation von alten Nazi-Verbrechern aufrufen. Wer seinen Nachbarn verrät, wird mit bis zu 25.000 Euro belohnt. Der Kopf hinter der Aktion ist der Historiker Efraim Zuroff, der das Simon-Wiesenthal-Center in Jerusalem leitet.

Gegenüber stern.de betont er:

Nur weil jemand 90 ist, wird aus einem Mörder kein guter Mensch.

Man würde den »zukünftigen Mördern« den Weg bereiten, wenn man die Mörder der Vergangenheit ignoriere. Besonders erfolgreich war Zuroff in den letzten gut zehn Jahren allerdings nicht. Seit 2002 kam es in ganzen acht Fällen zu weiterführenden Untersuchungen seitens der Behörden.

Also alles nur Symbolpolitik, die überflüssig ist? Im thüringischen Arnstadt greifen in der Nacht zu Sonntag zwei betrunkene Zeitsoldaten ein Asylbewerberheim mit Feuerwerkskörpern an. Als sich ein Bewohner der Unterkunft beschwert, zeigen die Soldaten den Hitlergruß. Zudem schlagen sie mit einer Zaunslatte die Videokamera an dem Heim kaputt. Die Polizei verschweigt den Vorfall zunächst. Der Thüringer Allgemeinen sagt Polizeipressesprecherin Karin Köhler, ihre Kollegen seien sich nicht sicher gewesen, wie sie damit umgehen sollen.

Landrätin Petra Enders (Linke) verurteilt die Tat schließlich:

Der Angriff ist ein Schlag ins Gesicht der Willkommenskultur, die wir hier im Amt leben, ich fordere eine gerechte und harte Strafe.

Die Landtagsabgeordneten der Linken, Sabine Berninger und Katharina König, gehen noch einen Schritt weiter und erheben schwere Vorwürfe:

Nicht zuletzt die diskriminierende Flüchtlingspolitik von Bund und Land als auch die in jüngster Zeit an die Monate vor den Flüchtlingspogromen Anfang der 90er Jahre erinnernde Rhetorik insbesondere des Bundesinnenministers beflügeln Rassisten und Nazis in ihrer menschenverachtenden Ideologie.

Derweil sorgt auch der Tod eines 34-jährigen Kasachen für Schlagzeilen. Auf dem Tänzelfest in Kaufbeuren wurde er in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach ausländerfeindlichen Parolen von einem 36-jährigen, alkoholisierten Neonazi aus Thüringen mit einem Schlag auf den Kopf umgebracht. Die Polizei verschwieg zunächst den »rassistischen« Hintergrund der Tat in ihren ersten beiden Pressemitteilungen.

Zudem deckte Andreas Speit in der taz auf, daß es Querverbindungen von den Tätern zur NPD und NSU gebe:

Im vergangenen Jahr sei Falk H. (der Täter von Kaufbeuren, Anmerk. FM) während eines Volksfests in einem Bierzelt mit einem DJ aneinandergeraten, nachdem er »Heil Hitler« gerufen und den Arm zum Hitlergruß gereckt hatte. Ein weiterer Angreifer aus der Thüringer Gruppe, der 22-jährige Markus V., der ebenfalls kurzzeitig festgenommen wurde, kokettiert auf seiner Facebook-Seite mit der Mordserie des NSU: Auf der Seite prangt eine »Pink Panther«-Figur mit Maschinengewehr. Zu Markus V.s Onlinefreunden gehört auch der aus Bayern stammende frühere Bundesvorsitzende der NPD, Udo Voigt.

Speit suggeriert damit, daß wir es mit einem strukturellen Problem zu tun hätten: Die Polizei decke die Täter, die aus einem hochgefährlichen Milieu stammen.

Was muß auf diese Argumentationskette erwidert werden? Reicht es, darauf hinzuweisen, daß diese Taten auf das Konto ein paar weniger Vollpfosten gehen und die »Rechten« in Wirklichkeit ganz anders sind?

Reicht es, zu erwidern, daß Ausländer auch häufig (und sogar noch häufiger) anfangen, daß es in Paris auch Krawalle gibt und der Linksextremismus nicht zu unterschätzen ist?

Oder müssen wir uns mal ernsthaft unterhalten … über Nazis?

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4 Kommentare zu “Das rechte Deutschland

  1. Ernstfall

    Es gibt ihn leider, den häßlichen Deutschen:
    http://25.media.tumblr.com/tumblr_m8g6zd2BFB1rccf5jo1_1280.jpg

    Über das Alkoholproblem und andere Disziplinfragen sowie das Thema Erziehung und die gründliche Aussortierung jeglichen Pöbels aus den eigenen Reihen sollte man sich in diesem Zusammenhang unterhalten. »Rechts« muß kompromißlos für Begriffe wie Haltung, Disziplin und charakterliche Sauberkeit stehen. Die Begriffe »Rechts« und »Pöbel« müssen sich assoziativ gegenseitig ausschließen. Abschaum muß in diesem Zusammenhang klar als solcher benannt werden.

  2. Abschaum kennt keine Rassen-, Klassen-, Volks-, Parteienzuordnung. Das ist so ein simpler Fakt, eigentlich ist das selbstverständlich.
    Klar benennen sollte man dennoch die tiefergehende politische Realität abseits dieser »Anthropologie«.
    In was für einem Staat leben wir? Was ist Parteiendemokratie? Was ist, nach Äußerungen führender Politiker, offensichtlich Staatsdoktrin? Was ist eine Utopie und welche historischen Erfahrungen gibt es dazu? Was ist Multikulturalismus und wie wirkt er? Was ist Verdrängung und was bedeutet Überfremdung? Souveränität? Was sind »Medienmacht«, Massenmedien, Suggestionsmacht, Täuschung, Triggerwörter, aktivistischer Journalismus, Korruption?
    Wenn man sich einen gehörigen Abstand schafft zu dem beschleunigten Alltag und sich die Zeit nimmt, zu sammeln, um über dieses und mehr nachzudenken – bitte, dann ist es müßig geworden, über solchen Alltag allen Ernstes Zeit zu verschwenden, mit Grabenkämpfen Zeit zu verschwenden, mit Melancholie Zeit zu verschwenden, mit nihilistischer »Lovecraft«-Attetüde Zeit zu verschwenden. In diesen Wahnsinn aufzugehen, vorzugeben, dass bei sich »alle Sicherungen durchgebrannt« seien – auch nur tumpe frustrierte Selbstgefälligkeit voller Angst. Nicht chaotisch leben – mutig leben. Die winzig-kleine Zeit, die wir haben, nutzen, um die Flamme weiterzutragen. Mutig zu leben. »Wer so stirbt, der stirbt wohl.«

  3. Lion Edler

    Ein überfälliger Artikel!

    Einerseits:
    Auf der einen Seite wird zwar von linker Seite der Rechtsextremismus maßlos aufgebauscht, indem z.Bsp. behauptet wird, dass der Rechtsextremismus »aus der Mitte der Gesellschaft« komme. Stammtisch-Ressentiments werden hysterisch auf eine Stufe mit Nazi-Gewalt gestellt. Häufig werden auch vernünftige rechte Positionen als rechtsextrem diffamiert / gebrandmarkt. Richtig ist weiterhin auch, dass von linker Seite mit zweierlei Maß gemessen wird: Rechtsextremismus wird aufgebauscht, Linksextremismus und ausländische Jugendkriminalität dagegen werden kleingeredet.

    Andererseits:
    Viele Rechte verfallen jedoch nun in das andere Extrem und tun so, als ob das Problem des Rechtsextremismus gar nicht existiere. Zwar ist der Rechtsextremismus zahlenmäßig deutlich schwächer als der LInksextremismus, und er verfügt auch nicht über die politische und mediale Rückendeckung, auf die der LInksextremismus zurückgreifen kann. Aber gerade weil der Rechtsextremismus zahlenmäßig so klein ist und weil zudem der Rechtsextremismus (und die gesamte sonstige Rechte) oftmals mit totalitären Methoden bekämpft wird (und rechtsradikale Personen menschlich fertig gemacht und terrorisiert werden), ist der Rechtsextremismus umso gefährlicher. Die Tatsache, dass es ein konservatives / rechtes / nationales Vakuum im akzeptierten Meinungsspektrum und im Parlament gibt, führt zudem zu einer Radikalisierung auf der Rechten.

    Was man nun dagegen tun kann? Meiner Meinung nach liegen diese Rechtsextremismus-Probleme begründet in Werteverfall, kaputten Familien und Arbeitslosigkeit (was die Folge eines überbordenden Sozialstaats ist), sowie in dem bereits erwähnten Meinungs-Vakuum. An diesen Stlelschrauben müsste man m.E. drehen, wenn man das Problem lösen will. Indessen haben wir als rechtskonservative Autoren eine große Verantwortung, dass wir über die Einwanderungs- und »Integration«-Thematik ausgewogen berichten / schreiben, damit nicht diverse Voll-Idioten die falschen Schlüsse ziehen. Das soll nicht heißen, dass wir daran »schuld« seien, wenn es zu rechtsextremer Gewalt kommt. Aber es ist ein guter erster Schritt, dass das Thema hier in obigem Artikel auf den Tisch kommt. Und Ablenkungs-Sprüche wie »über ausländische Morde an Deutschen redet auch niemand« sind genauso primitiv wie die Art und Weise, mit der die Linken von Linksextremismus ablenken, indem sie nach linksextremen Vorfällen mit dem Finger auf den Rechtsextremismus zeigen. Zudem: Statistische Manipulation hin oder her: Es lässt sich nunmal kaum bestreiten, dass es in den letzten Jahrzehnten bedeutend mehr Tote durch Rechtsextremismus gab, als durch Linksextremismus. Problem-Bewusstsein ist also mehr als angebracht. Auch plumpe Ausländer-Feinde gibt es nicht selten, sondern sogar beunruhigend viele, besonders im Osten.

    Fazit: Es zeigt sich also wieder einmal, was ich immer wieder zu bedenken gebe: Erheblich weniger Schwarz-Weiß-Denken und weniger Schaum vor‹m Mund täte dem rechtskonservativen Lager – und natürlich sämtlichen anderen politischen Lagern – gut. Ich nehme mich da nicht aus, aber ich denke, dass ich in letzter Zeit meinen Teil zu dieser Ausgewogenheit beizutragen versucht habe. Das Thematisieren des Problems des Rechtsextremismus ist schonmal gut, zumal sich ja hier in der Kommentarspalte leider auch immer wieder einige braune Nazis oder plumper Ausländer-Hasser-Mob, Antisemiten etc. einfinden, denen es von konservativer Seite die klare Kante zu zeigen gilt.

    Gruß,
    L.Edler.

  4. Urwinkel

    Kurzer Einwurf dazu: Hier im Osten ist der Begriff »Pollacken« üblich, wenn mal wieder jemand beklaut wurde. Auf den Gedanken, daß »Gelegenheit Diebe macht«, kommen die oft volltrunkenen Opfer nicht und verallgemeinern dunkelmunter weiter. »Ernstfall«, weiter oben hat entscheidendes dazu gesagt.

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