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Daß die Scheiße aus dem Kopf nachrutscht: Kulturjournalistischer Alltag in Deutschland

Hier ein kleiner Auszug eines Emailverkehrs zwischen Benjamin Jahn Zschocke und einem nicht namentlich genannten Musik-Promoter:

hallo benjamin,

ich habe deine anfrage bezüglich tannhäuser sterben & das tod von der band erhalten. freut mich!

ich bin xxx vom label und will dir hiermit den presselink mit download schicken. vielen dank und viele grüße, xxx.

hi benjamin,

super! lass mich wissen, wie es dir gefällt und wann es eventuell etwas zu lesen gibt. viele grüße und vielen dank,

xxx.

das mache ich. ich schicke euch den link, sobald der artikel online ist. das wird gegen ende nächster woche sein.

schönes wochenende!
benjamin.

schönen guten tag!

anbei der link zum artikel:

https://www.blauenarzisse.de/index.php/rezension/2589-die-aufloesung-des-narrativen-in-der-theatralik-das-album-eigengift-von-tannhaeuser-sterben-a-das-tod

bestens!

benjamin.

benjamin,

hab das review gelesen & mich bei der gelegenheit leider zu spät weiter auf deiner seite belesen & muss sagen, dass ich mich inhaltlich von dem was da geschrieben wird distanziere.

ohne mist, deine rechte scheiße kannst du dir stecken!

word!

hallo xxx!

vielen dank für deine freundliche nachricht, über die ich mich sehr gefreut habe! du hast recht, mein artikel über »tannhäuser sterben & das tod« war wirklich sehr politisch, aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern. wenn du einige artikel von mir gelesen hast, wirst du auch sehr schnell festgestellt haben, daß ich immer einen wirklich sehr krassen propagandakurs fahre. alle meine texte sind durch und durch politisch, ich kann eben nicht anders. ich bin eben ein emotionaler typ.

auch danke ich dir für deine freundlichkeit und offenheit! du hast recht, konservative und rechte sind menschen zweiter klasse. sie haben in einer demokratie nichts verloren. man sollte ein lager für sie bauen und sie verschwinden lassen, damit sie keinem schaden können und die anderen weiterhin alice im wunderland spielen können.

viele liebe grüße!

benjamin.

wer lesen kann ist klar im vorteil! ich habe nie behauptet, dass die rezension über tannhäuser politisch sei. sondern lediglich geäußert, dass ich diverse artikel von dir gelesen habe, die ich inhaltlich ganz & gar nicht vertrete und diese sogar sehr schlecht finde.

auch ist es mehr als lächerlich, dass du thesen in den raum stellst, die ich nicht mal ansatzweise gedacht habe. was ist denn für dich die von dir erwähnte zweite klasse?

und ja! subjektiv betrachtet habe ich für rechtes gedankengut genau so viel übrig, wie für konservative engstirnigkeit.

und das du mit der ideen eines lagers kognitierst, zeigt mir, dass du gar nix verstanden hast.

schon sehr seltsam, was du in deiner letzten mail alles schreibst, da ich nicht ein wort darüber verloren haben!

auf das beim nächsten durchfall deine scheiße aus dem kopf nachrutscht!

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

14 Kommentare zu “Daß die Scheiße aus dem Kopf nachrutscht: Kulturjournalistischer Alltag in Deutschland

  1. Innerer Emigrant seiner Generation

    Ein brav erzogenes bundesdeutsches Kind – bestimmt mit einer Wir-müssen-alles-kritisch-hinterfragen-Attitude, die glaubt, mindestens ansatzweise rebellisch und »anders als all die Spießer« zu sein. Das ist so gang und gäbe in den etablierten berufspseudorevolutionären Kreisen.
    Ich bewundere das Gespür dieses weitverbreiteten Menschenschlags dafür, ab wann mit seiner gedachten Harmlosigkeit Schluß sein könnte und er sich daher selbst die Spießerkrone aufsetzen muß.
    Wobei hier tatsächlich bereits eine lächerliche Harmlosigkeit für ein Schwanzeinziehen ausreichte: u. a. weil »du mit der(sic!) ideen eines lagers kognitierst(sic!)« – kognitierst, hahaha! –, bist Du ganz schön dumm und anfällig für böse politische Gedanken, die Dich für eine ganz und gar unpolitische Beschäftigung mit Musik unmöglich machen.
    Diese kunst- und kultur-, ja schließlich geistmordende Angstnaivität und Blockwartmentalität, die heute die wohl größte deutsche Jugendbewegung ist, bleibt ein einziges Trauerspiel.

  2. Enkel des HJ-Wolfs

    Ich beneide diesen Menschenschlag um seinen kognitiven (!) Minimalismus. Selbst die größten Widersprüche flitzen unreflektiert über die Tastatur:

    »auch ist es mehr als lächerlich, dass du thesen in den raum stellst, die ich nicht mal ansatzweise gedacht habe. was ist denn für dich die von dir erwähnte zweite klasse?

    (…)

    auf das beim nächsten durchfall deine scheiße aus dem kopf nachrutscht!«

  3. Man kommt sich vor wie in einer dieser gruseligen Science-Fiction-Geschichten, in denen Menschen einfach per Knopfdruck programmiert werden. Ein dressierter Affe wäre noch ein Ausbund an Individualismus, verglichen mit diesen ferngesteuerten Scheintoten.

    George Orwell, 1984:

    Die Betrachtungen, die zu einer skeptischen und auflehnenden Haltung führen könnten, werden im voraus durch seine schon früh erworbene innere Schulung abgetötet. Die erste und einfachste Schulung, die sogar kleinen Kindern beigebracht werden kann, heißt in der Neusprache Verbrechenstop. Verbrechenstop bedeutet die Fähigkeit, gleichsam instinktiv auf der Schwelle jedes gefährlichen Gedankens haltzumachen. Es schließt die Gabe ein, ähnliche Umschreibungen nicht zu verstehen, außerstande zu sein, logische Irrtümer zu erkennen, die einfachsten Argumente mißzuverstehen, wenn sie engsozfeindlich sind, und von jedem Gedankengang gelangweilt oder abgestoßen zu werden, der in eine ketzerische Richtung führen könnte. Verbrechenstop bedeutet, kurz gesagt, schützende Dummheit.

  4. Nils Wegner

    Sic transit gloria mundi.

  5. Vinneuil

    Na… Rechte »Scheiße finden« darf immer noch jeder, der will. Er hat ja nicht, wie sonst üblich, irgendwas untersagt oder eingeklagt, sondern nur seine Meinung gesagt. BZs Antwort war bissl viel Liebesmüh und ein bissl viel Opferreflex, es ist ja klar, daß dem Angesprochenen das jetzt Spanisch vorkommt. Eine bessere Meinung von Rechten hat er dadurch sicher nicht gewonnen.

    Und auch dadurch nicht: bei aller Freundschaft, aber die Rezension war auch noch lieblos hingeschlampt und völlig nichtssagend. »EIGENGIFT ist interessant.« Aha. Wenn ich der Musiker wäre, wäre ich schon allein deswegen beleidigt.

  6. Opferreflex passt gut finde ich. Das Ganze gabs doch jetzt schon ein paar Mal. Warum macht man denn nicht gleich bei der ersten Kontaktaufnahme deutlich wo man steht – so rennt man jeder mal wieder schön ins Märtyrertum … das scheint ja aber Spass zu machen.

  7. nameklein

    Warum müsst ihr eigentlich unbedingt bei der unsäglichen Kleinschreiberei mitmachen?

  8. @lichtmesz: es geht nicht um opferreflexe, sondern um humor. im grunde gibt es nur zwei dinge, in denen sich die menschen unterscheiden: sind sie opprtunisten oder kämpfertypen, haben sie humor oder sind sie dogmatisch-verkniffen. auf diesen unterscheidungen kannst du jedes welt- und menschenbild aufbauen.

    @manuela: wo stehe ich denn bitte?

    @nameklein: subkulturelle fragen sind extrem zweitrangig.

  9. Vinneuil

    »es geht nicht um opferreflexe, sondern um humor.«

    Der Humor in Deiner Antwort war so bemüht und übers Ziel hinaus geschossen, daß es am Ende eben doch wieder wie Opferreflex wirkt. Es klingt, als hättest Du bloß auf ein Stichwort gewartet, um dann eine Sermon vom Stapel zu lassen.

  10. gehörtnichtdazu

    Menschen mit Humor sind schon klasse, aber noch besser sind solche, die ihren Humor unter Umständen auch mal für sich behalten können, anstatt sich virtuell darauf einen runter zu holen ihn im Internet zu präsentieren. Der opportunistische Kämpfertyp zumindest hätte da kein großes Fass aufgemacht, sondern hätte drüber gestanden und wäre wichtigeren Dingen nachgegangen.

  11. willaberdazugehören

    Iro… nie!

  12. missionar

    @Vinneuil: als ob es in dem kontext darum gegangen wäre, dem typ ein besseres bild von »rechten« zu vermitteln. opferreflex wäre eben genau das gewesen: »aber so schlimm sind wir gar nicht. schau, ich erklär dir jetzt das alles mal und hoffe dann, dass du rational denken kannst und vernünftig bist und uns dann doch magst.« oder aus angst, er könnte einen noch blöder finden als sowsio schon, gar nichts mehr sagen.
    im übrigen würden beide varianten nicht funktionieren. und so kann man schon auch mal freude daran haben, wenn man ironie versteht.

    @manuela: etwa so :)? »sehr geehrter herr XXX, ich schreibe für ein rechtsradikales, faschistisches, ausländerfeindliches, reaktionäres, böses onlinejugendmagazin und bin ein ziemlich schlechter mensch. Ich möchte gerne eine cd von ihnen besprechen. wäre das möglich?
    mit freundlichen grüßen, …«

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