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Den burschenschaftlichen Geist retten! Drei Anekdoten

Das Presseecho nach dem Burschentag in Eisenach ist vernichtend. Die Frankfurter Rundschau bezeichnet die Deutsche Burschenschaft (DB) nun als »offiziell rechtsextrem«. Die ZEIT spricht von einem »Zerfall« des Dachverbandes und auch alle anderen etablierten Medien berichten genüßlich vom »Eklat«.

In dieser schwierigen Situation kommt es für jede einzelne Burschenschaft darauf an, ihre eigene Identität zu klären. Worauf müssen sich die Burschenschafter also besinnen? Dazu drei Anekdoten:

  • Vor fast genau zehn Jahren hatte ich den ersten Kontakt mit Burschenschaften, die mir bis dahin nur aus dem Geschichtsunterricht bekannt waren. Der Kontakt kam über das Politik-Netzwerk »dol2day« zustande. Ich war 16 Jahre alt und fuhr mit ein paar Schulfreunden auf Einladung einer Burschenschaft aus Hessen zu deren Stiftungsfest. Zunächst waren wir natürlich beeindruckt von dem großen Haus, den vielen konservativen Leuten sowie der Tradition dieser Verbindung. Langfristig geblieben ist aber vor allem der Kontakt zu dem Burschenschafter (damals noch Student), der uns angeworben hatte. In den folgenden Jahren trafen wir uns mehrmals, nicht nur zu burschenschaftlichen Veranstaltungen, sondern z.B. auch zum gemeinsamen Wandern im sächsischen Erzgebirge. Vor einigen Jahren brach der Kontakt jedoch ab, wie das eben so ist, wenn der eine gerade ins Berufsleben einsteigt und der andere nie Zeit hat, weil er ein konservatives Onlinemagazin aufbaut. Im April sahen wir uns dann nach vielen Jahren wieder, als der Burschenschafter zu einem Vortrag unserer Hochschultour kam. Sofort stimmte die Chemie wieder. Das ist Burschenschaft! Geselligkeit; Freundschaft, die über Jahre hält (auch wenn man sich einmal aus den Augen verliert); und das Bewußtsein aller, die ein Band tragen, eine Gemeinschaft zu bilden, die wichtiger ist als irgendwelche politischen Meinungsverschiedenheiten.
  • Am 9. November 2002 gründete ich mit einigen Schulkameraden sowie »Alten Herren« die pennale Burschenschaft Theodor Körner zu Chemnitz. Es war ein Start bei Null. Wir hatten kein Geld. Wir hatten keine örtliche Burschenschaft, bei der wir hätten unterkommen können. Wir hatten zu wenig externe Unterstützer, die uns die burschenschaftliche Tradition hätten nahebringen können. Wir hatten aber zu viel naiven Enthusiasmus, der uns dazu verleitete, mit Couleur sofort am Montag nach der Gründung in die Schule zu gehen und uns auch noch direkt bei der Direktorin vorzustellen. Ich sagte der Direktorin damals, daß wir in der freiheitlich-demokratischen Tradition der Burschenschaft von 1815 stünden. Das nahm sie zum Anlaß, uns dem Verfassungsschutz zu melden und eine Hetzkampagne zu starten.
    Trotz dieser Widrigkeiten kann ich mir im Nachhinein keine bessere Aktivenzeit vorstellen: Schnell mieteten wir für 90 Euro/Monat in einem heruntergekommenen Bürogebäude Räumlichkeiten an, begannen mit pennalem Säbelfechten, trafen uns in den Schulpausen zum Biertrinken. Es gab Nachhilfeunterricht untereinander, einen zweiwöchentlichen »Tagespolitischen Stammtisch« sowie etliche Vortragsveranstaltungen mit namhaften Referenten (z.B. Bernd Rabehl).
    Was will ich damit sagen? Der Wert einer Burschenschaft bemißt sich nicht nach dem Vermögen. Es kommt nicht auf die Häuser, einen finanziell gut ausgestatteten Dachverband und andere Äußerlichkeiten an. Entscheidend ist der Geist, der sich in der Burschenschaft entfaltet.
  • Auf dem Burschentag der DB in Eisenach war ich bisher nur einmal. Es war 2003 und hat mich nicht besonders beeindruckt. Schon sehr lange bin ich der Meinung, daß man auf den bürokratischen Apparat der DB auch verzichten kann. Wir in Chemnitz, die Unterstützung benötigt hätten, haben von diesem Apparat z.B. nie entscheidend profitiert. Aus der DB kam immer viel heiße Luft. In der Außenwirkung hat sie es – seitdem ich denken kann – nie geschafft, ein positives Bild zu vermitteln oder Themen zu setzen. Aus diesem Grund halte ich es auch für sekundär, ob sich die DB nun spaltet oder nicht. Wichtig ist der Zusammenhalt der einzelnen Burschenschaften dennoch: Einer der besonderen Reize der Burschenschaft liegt gerade darin, daß man jederzeit andere Verbindungen besuchen kann. Ich habe in den letzten zehn Jahren bestimmt in 20 Städten bei Burschenschaften übernachtet und dabei viele gute Leute kennengelernt. Dieser so selbstverständliche Austausch beruht auf dem gemeinsamen Bewußtsein, den das Band stiftet. Alle, die ein Band tragen, gehören irgendwie zusammen und müssen zusammenstehen, auch wenn sie in unterschiedlichen Parteien aktiv sind, unterschiedliche Meinungen haben und ihr Bundesleben unterschiedlich führen.

Dieses Bewußtsein der Gemeinschaft ist das alles Entscheidende. Die politischen Überzeugungen kommen erst an zweiter Stelle. Eins wünsche ich mir hier von den Burschenschaften allerdings schon: Hört endlich auf mit eurer elenden Selbstbeweihräucherung! Kommt endlich an im 21. Jahrhundert! Deutschland braucht aktuelle Antworten aus burschenschaftlicher Perspektive! Ehre! Freiheit! Vaterland!

(Alle Burschenschafter sind selbstverständlich dazu eingeladen, diese inhaltliche Debatte auch in unserem Magazin zu führen. Bitte wendet euch einfach an redaktion@blauenarzisse.de)

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

10 Kommentare zu “Den burschenschaftlichen Geist retten! Drei Anekdoten

  1. Ach, Tränen in den Augen! Schön wars und muß weitergehen.

  2. »Ich sagte der Direktorin damals, daß wir in der freiheitlich-demokratischen Tradition der Burschenschaft von 1815 stünden. Das nahm sie zum Anlaß, uns dem Verfassungsschutz zu melden und eine Hetzkampagne zu starten.«

    Der BRD-Großkasernenstaat at its best practice. So sind sie, die Helfershelfer des Aufpasserstaates, immer auf der Hut, dass das »deutsche Vieh« keine Dummheiten macht.

    Zum Thema selbst:

    Die Idee der Gemeinschaft selbst ists heute, wo eine Zeit der totalen Auflösung herrscht, wert, wiederaufgearbeitet zu werden, denke ich. Was sind die Faktoren, die eine Gemeinschaft bedingen und herstellen, das ist die zentrale Frage vor der jeder steht, der den Willen zum Gemeinschaftsaufbau und -erhalt in sich verspürt.

  3. Burschengeist

    Erdinger! Freiberger! Veltins!

  4. Hipp, hipp, Burschenschaften!

    Erektionsstörungen! Frauenhass! Verdun!

  5. Aber eigentlich hat Kurt Tucholsky zu diesem Thema ja wirklich alles gesagt, man kann es nicht oft genug wiederholen: »Verbindungsstudenten sind ein Haufen von verhetzten, irregeleiteten, versoffenen, farbentragenden jungen Deutschen!«

  6. @wutz
    Bei einer Demo gegen den deutschreaktionären Ungeist grölten die Intellektuellen: »Lieber ein Abzeß am After, als ein deutscher Burschenschafter!«

    Diese bierversoffenen Burschen hatten doch tatsächlich die Chuzpe, zurückzurufen: »Lieber deutscher Burschenschafter, als Zecke mit Abzeß am After!«

  7. Dass Ihr Jungs von der Burschenschaft Bier und Korn in Chemnitz euch ein Leben lang treu sein wollt, ist ja einerseits rührend. Andererseits kann man auch ehrlicherweise darauf hinweisen, dass euch schon lange niemand mehr treu sein will und die Burschenschaft aus Mangel an Nachwuchs nahezu tot ist – und eigentlich nicht mehr als ein loser Trupp, der sich manchmal zum wandern trifft. Naja, so trefft ihr immerhin Freunde und kommt an die frisch Luft, statt nur staubige Texte in eure Computer zu tippen.

  8. So mancher Zecke würde frische Luft auch mal ganz gut tun, wenn ich so die blassen Gestalten betrachte. Auch weiß ich nicht, was besser ist, Bier/Korn oder Gras (o.ä.).

  9. Schön, dass deine schwarzrotgold gedachte Welt so einfach ist, Lars. Hier die Burschenschaftler, dort die Zecken. Hier Bier und Korn, dort Gras. Man kann auch Bier und Korn trinken und trotzdem deutschnationale, rechtskonservative Knirpse wie Felix Menzel verabscheuen.

  10. Kevin-Prince Boateng

    Hey, Jerome, mein liebster Bruder!
    Gut, wie Du den Marco Reus kaputtgekloppt hast. Das gleiche habe ich seinerzeit mit Michael Ballack geschafft.

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