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Der Appell von Dominique Venner

Nicht nur in unserem Weblog treibt die Diskussion über den öffentlichen Selbstmord von Dominique Venner seltsame Blüten. Die Herrschaften von »Der Funke« meinen zum Beispiel in Wort und Bild (inzwischen entfernt, 27.5.2013), sein Tod sei »unser Auftrag«:

Sein letzter Atemzug war ein Schlachtruf, der nicht verhallt, so er in uns widerhallt. Die Schlacht um Europa ist so real wie das Blut, das aus seinem Schädel brach und sich auf dem Boden der Kathedrale ergoss. Venner hat jeden einzelnen von uns gemeint, als er an jedem Tag in die Kirche schritt und seine Waffe aus dem Mantel zog. Was tust du für Europa?

Ich kann dem nicht folgen: Venner kann sich von mir aus umbringen, wie er will. Ich möchte das überhaupt nicht moralisch bewerten oder sein Handeln psychologisieren. Er hat sich seine Entscheidung gut überlegt, sie öffentlich erklärt und war ein Überzeugungstäter für Ideale, die auch für mich zu großen Teilen von immenser Bedeutung sind.

Aber jetzt von seiner Tat eine mobilisierende Wirkung oder gar ein Fanal zur Rettung des Abendlandes zu erwarten, geht völlig an der Realität vorbei. »Sein Tod« ist sein Tod und nicht unser Auftrag. Dieser Appell geht vollkommen an mir vorbei. Ein Selbstmord gibt mir keine Kraft für einen schweren Kampf. Ein Selbstmord stimmt mich vielleicht nachdenklich, aber die Frage,  ob ich genug für Europa tue, hat damit nichts zu tun, auch wenn sie wichtig ist.

Insofern halte ich es sogar für ein schlechtes Zeichen, wenn sich jetzt einige mit Venners Tat für den notwendigen Kampf motivieren wollen. Das ist doch nur das deutlichste Zeichen für die völlige Kraftlosigkeit.

Woher nehme ich meine Kraft, die eine absolute Bejahung des Lebens einschließt? Lieder sind eine ganz wichtige Quelle und bauen mich gerade an Tagen auf, wo ich wenig Erfolgsaussichten für »unsere Sache« sehe.

Ungezählte Male hielten sie uns auf.
Ungezählte Male hemmten sie den Lauf.

 

Heute zieht die Legion, für das Feuer, für das Feuer,
heute zieht die Legion für das Feuer der Bastion.

 

Dunkle Männer kamen lammfelleingehüllt
was sie auch versprachen wurde nie erfüllt.
Heute zieht …

 

Licht in dunklen Tagen junge Gen‹ration
Auf die Barrikaden geist ´ger Rebellion.
Heute zieht …

 

(Alo Hamm)

Die geistige Rebellion einer neuen jungen Generation, das ist das einzige, worauf ich hoffe: keine Partei und kein vermeintlicher Märtyrer kann mir Halt geben.

(27. 5. 2013: Das hier beanstandete Bild hat »Der Funke« inzwischen nach interner Diskussion entfernt. Aus diesem Grund haben wir auch unser »Antwort-Video« rausgenommen. Wir betrachten die Diskussion um Venner des weiteren als abgeschlossen.)

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

37 Kommentare zu “Der Appell von Dominique Venner

  1. Dem schließe ich mich vorbehaltlos an, Herr Menzel! Ein Suizid ist kein Ausweg, geschweige denn ein Apell, Es ist die verzweifelte Tat eines Einzelnen.

  2. Nicht vom Funken

    Ihr seid zu modern um es zu verstehen.

  3. Hummel Pummel

    Du bist zu unmodern, zwischen Etwas-Verstehen und Etwas-bewirken-Wollen unterscheiden zu können.

  4. Arminius Arndt

    Nachdem bereits bei Sezession.de sich gleich 4 Artikel mit Herrn Venners Art zu sterben beschäftigt haben, so dass man sich schon fragen musste, ob die noch ganz bei Trost sind, hier nun auch bereits der zweite, aber endlich ein guter Artikel und hoffentlich der abschließend letzte zu dem Thema.

    Lasst die Toten ihre Toten begraben. Macht mit Eurer Arbeit weiter, sie ist sinnvoller, als sich theatralisch zu opfern. Von daher: Bitte ab jetzt wieder andere Blog- Einträge.

  5. Ich verstehe, daß dieser tragische Selbstmord vom Selbstmörder als politischer Akt intendiert war. Ich verstehe den klaren Abschiedsbrief. Und Pietät ist jedem Tod gegenüber erfordert.
    Dennoch: Camus meinte, der Selbstmord wäre das einzige wirklich ernste philosophische Problem. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, würde die Grundfrage der Philosophie beantworten. –
    Arthur Schopenhauer, der mir viel näher ist, schreibt im § 69 von »Die Welt als Wille und Vorstellung«:
    »Der Selbstmörder will das Leben und ist bloß mit den Bedingungen unzufrieden, unter dem es ihm geworden. Daher gibt er keineswegs den Willen zum Leben auf, sondern bloß das Leben, indem er die einzelne Erscheinung zerstört. Er will das Leben (…), aber die Verflechtung der Umstände läßt dieses nicht zu, und ihm entsteht großes Leiden. (…) Eben weil der Selbstmörder nicht aufhören kann zu wollen, hört er auf zu leben, und der Wille bejaht sich hier eben durch die Aufhebung seiner Erscheinung, weil er sich anders nicht mehr bejahene kann.« – Wer Schopenhauer und dessen Willensmetaphysik kennt, weiß um seine Botschaft: Wolle weniger! – Das gibt es philosophisch, politisch aber offenbar nicht.
    Leider. Tragischerweise.

  6. Felix Menzel

    @ Arminius Arndt: Richtig erkannt. Das war ein abschließender Kommentar zu dem Fall. Wir haben nicht vor, das breiter auszuwälzen, weil es wichtigere Themen gibt: Jugendarbeitslosigkeit in Europa, Pressefreiheit in den USA, …

    Schauen Sie sich unseren redaktionellen Teil an und Sie wissen, wie breit wir auch derzeit inhaltlich aufgestellt sind.

  7. Vinneuil

    Der Hohn am Schluß via Monty Pythons ist geschmacklos widerlich. Da kann Menzel ja gleich zu den Tittenweibern von Femen aufschließen und mit ihnen die Minusseele spielen.

  8. Und i muaß jetzt glei speibn

    Veröffentlichen Sie doch eine Distanzierung auf SiN in dieser Art:

    »Dies ist kein Gesprächsangebot. Dies ist eine Distanzierung. Eine Distanzierung von dem letzten Text, den Felix Menzel für BN verfaßt hat. Nicht von Felix Menzel, aber von dieser Art, sich über den Freitod Venners zu äußern. Das war nicht nur geschmacklos, das war ein Fehler.«

  9. Felix Menzel

    @ Vinneuil: Das Video war doch nicht an Venner gerichtet, sondern an diejenigen, die jetzt in die Schlacht ziehen wollen. Ich dachte, das ergibt sich von selbst aus dem Zitat von »Der Funke« und dem Video.

  10. Mauretanier

    Warum finden wir alle Mishima so geil, und wenn einmal ein Franzose im Grunde exakt das Gleiche macht, finden es alle irgendwie blöd??

  11. Felix Menzel

    @ Mauretanier: Zu MIshimas Selbstmord hat Benjamin Jahn Zschocke das Wesentliche gesagt: https://www.blauenarzisse.de/index.php/gesichtet/item/2204-nur-wer-reinen-herzens-ist-kann-zum-wesentlichen-vordringen-%E2%80%93-%C3%BCber-den-selbstmord-von-yukio-mishima

    »Geil« finden wir das nicht. Das »Seppuku« hat einen anderen Sinn als von Mishima umgesetzt. Ich zumindest bin in dieser Frage aus Verbundenheit zur Kampfkunst strikter Traditionalist.

  12. Vinneuil

    Und ich dachte, es sollte sich von selbst verstehen, daß Der Funke natürlich nicht zum massenhaften Protestsuizid aufruft, was gewiß Unsinn wäre. Überhaupt bin ich frappiert über die Menge an biederem, verständnislosem Geschwätz, die nun zu hören ist. Ich stelle mir gerade vor, wie sich irgend so ein konservativer Spießer neben einen brennenden vietnamesischen Mönch stellt, und altklug stirnrunzelnd anfängt zu dozieren, daß »Selbstmord keine Lösung« sei usw. Der Punkt ist ja der, daß der Funke eben all das ist, was die BN immer sein wollte, aber nie hingebracht hat: jung, provokativ, einfallsreich, bissig, entschieden, enthusiastisch »unbequem«…

  13. Vinneuil

    »Mauretanier: Zu MIshimas Selbstmord hat Benjamin Jahn Zschocke das Wesentliche gesagt: »Geil« finden wir das nicht. Das »Seppuku« hat einen anderen Sinn als von Mishima umgesetzt. Ich zumindest bin in dieser Frage aus Verbundenheit zur Kampfkunst strikter Traditionalist.«

    Und besonders lachhaft wird es, wenn sich nun die gewichtigen Autoritäten aus dem Chemnitzer Karateklub zu Wort melden, und allen Ernstes meinen, sie wüßten besser über den »strikten Traditionalismus« der Japaner Bescheid, als z.B. ein Mishima. Da kann man sich nur an den Kopf klatschen. Diese Form von altkluger Selbstüberschätzung ist ein notorisches Stilprinzip der BN. Ich möchte hiermit alle Besserossis dieser Art auffordern, doch mit sächsisch-deutscher Gründlichkeit vorzuzeigen, wie man Seppuku korrekt durchführt, und sei es nur, um zu demonstrieren, daß sie auch denselben Mumm und dieselbe Konsequenz in den Knochen haben wie Mishima. Das Argument, Mishimas finaler Akt wäre nicht »traditionally correct« gewesen, geht indessen völlig am Sinn und Wesen seiner »Geste« vorbei. Als Künstler hat er den Seppuku als Stilelement in eine finale, buchstäblich auf seinen Leib zugeschnittene Performance eingebaut, ebenso wie er moderne und modernisierte No- und Kabuki-Spiele geschrieben hat. Aber hier ist wohl die Grenze, wo der Biedersinn halt machen muß.

  14. Mauretanier

    „Er hatte zur rechten Zeit die Pille eingenommen, die jeder Mauretanier am Körper führt. Es ist dies eine Kapsel aus buntem Glase, die man zumeist im Ringe und in den Augenblicken der Bedrohung im Munde führt. In dieser Haltung genügt ein Biß, die Kapsel zu zermalmen, in die ein Gift von ausgesuchter Wirkung eingeschlossen ist. Dies ist die Prozedur, die in der Mauretanier-Sprache als die Berufung an die dritte Instanz bezeichnet wird — entsprechend dem dritten Grade der Gewalt, und sie gehört zum Bilde, das man in diesem Orden von der Würde des Menschen hegt. Man hält die Würde durch den gefährdet, der niedere Gewalt erduldet; und man erwartet, daß jeder Mauretanier zu jeder Stunde zum tödlichen Appell gerüstet sei.“

    E.J.

  15. Felix Menzel
  16. L.Edler

    Politisch gesehen, war dieser Suizid vollkommen sinnlos und kontraproduktiv, weil damit die berechtigte Kritik an der sog. »Homo-Ehe« in die Psycho-Ecke gestellt werden kann.

    Und zum Ethischen: Ich möchte zwar kein moralisches Urteil über Leute fällen, die sich in ihrem Vorgarten das Leben nehmen. Aber sobald bei einem Selbstmord unnötig Dritte in Mitleidenschaft gezogen werden, ist es schon etwas Anderes. Bereits wenn sich Leute vor die S-Bahn werfen, empört man sich schließlich zu Recht über die Zumutung, die damit den Fahrgästen und vor allem dem Lokführer zugemutet wird. Erst Recht ist es also zu missbilligen, wenn sich jemand in einem Gotteshaus vor aller Öffentlichkeit und vor Kindern erschießt. Und der Typ ist ja noch viel schlimmer: Venner hat ja quasi zuvor dazu aufgefordert, es ihm gleich zu tun („neue, spektakuläre und symbolische Aktionen“, „um uns aus dem Schlaf zu schütteln«). Wenn man in diesem Zusammenhang an »Die Leiden des jungen Werther« denkt, dann ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass seine Aufforderung »Früchte« trägt. Eine solche öffentliche Aufforderung zum kollektiven Selbstmord bewerte ich 1.) als krank und 2.) als vollkommen unverantwortlich und eine Sauerei hoch zwölf.

    Dass dieser Typ dann auch noch in konservativen und rechten Kreisen verherrlicht wird, finde ich in höchstem Maße verstörend. Im oben verlinkten Blog »Der Funke« heißt es allen Ernstes, Venners Freitod sei »die Überwindung des Todes selbst«; hier im Blog war in den Kommentaren von »Großereignis« und »Fanal« und von »würdigem Abschluss« seines Lebens die Rede. Eine derartige regelrechte Todesverherrlichung hätte ich ehrlich gesagt eher bei der linksextremistischen Antifa erwartet. Dort gehören Sprüche wie »Deutschland muss sterben, damit wir leben können« oder »Den Volkstod vorantreiben« schließlich zum Allgemeingut. Nun also auch bei den Konservativen. Die rechtsradikale Band »Sturmwehr« meinte es als satirische Kritik an der Antifa, dass sie eines ihrer Lieder betitelte mit »Selbstmord gegen recht«. Nun wird die Satire von der Realität eingeholt, doch nicht von einem Linken, sondern ein Rechter präsentiert »Selbstmord gegen links« als Lösungs-Vorschlag gegen die europäische Krise und wird dafür hymnisch beklatscht. Offenbar hat die »Kultur des Todes« (Papst Benedikt XVI.) nicht nur die Linken, sondern auch das konservative Lager erfasst. Allein schon oben gezeigte Zeichnung des Blogs »Der Funke« ist schon allein optisch eklig bis gruselig und wirft für mich die Frage auf, wer sich denn an solchen albtraumbefördernden Illustrationen delektieren soll. »Islamkritik«? Fangt erstmal mit Selbstmordkritik an. Und entwickelt endlich Lebensbejahung und Selbstachtung – dann erübrigt sich auch die sog. »Islamkritik«.

  17. Mauretanier

    Nun, offensichtlich haben wir diesbezüglich unüberbrückbare Konsequenzen, Herr Edler.

    Dann haben ein paar Kinder halt gesehen, wie Herr Venner in den Freitod gegangen ist. So what? Was mich nicht umbringt, macht mich stärker. Was mich umbringt, macht mich ungeheuer stark (E.J.).

    Der Unterschied zu den angeführten Antifaparolen liegt ja wohl auf der Hand.

    Ich weiß nicht genau, wo sie sich in unserem vielfältigen rechten Lager positionieren, aber Mishimaspruch auf dem Funkenbild trifft es doch auf den Punkt.

    « Und der Typ ist ja noch viel schlimmer: Venner hat ja quasi zuvor dazu aufgefordert, es ihm gleich zu tun („neue, spektakuläre und symbolische Aktionen“, „um uns aus dem Schlaf zu schütteln«). «

    Sicher hat er hiermit nicht zum Massensuizid aufgerufen. Sie und ich, wir müssen uns halt etwas anderes ausdenken.

  18. Arminius Arndt

    Das »fliegende Suizidkommando« von Monty P. ist die korrekte Antwort auf das mehr als dämliche Bildchen von »Funke«.

    Das Abendland war neben dem kämpferischen Prinzip immer auch Demut, Erduldung und Märtyrertum (durch die Hand des Feindes, aber nicht durch die eigene!). Geht einmal in ein Altersheim und seht, mit wie viel Anstand hier die Kriegsgeneration, also in etwa die Jahrgänge 20-25, trotz allem »Pflegenotstands« hier gerade mit 100% Anstand und Gottvertrauen bis zum Schluss wegstirbt, während die Nachkriegs-Bonvivants sich aus Feigheit in den Kopf schießen (z.B. Gunter Sachs), in die Schweiz fahren und sich nen Exit-Bag holen etc.

    Mishima zählt in diesem Zusammenhang überhaupt nicht und schon gar nicht als Vergleich zu Venners Tat. Mishima war ein japanischer Narziss und das ist eine ganz andere Kategorie, als nunmehr 1500-2000 Jahre christliches Abendland. Mishima war zu dem homosexuell, Venner dagegen protestierte auch gegen die Homo-Ehe. Das passt nicht. Und nun genug – London und Stockholm mahnen zu anderen Diskussionen.

  19. Mauretanier

    »Mishima war zu dem homosexuell, Venner dagegen protestierte auch gegen die Homo-Ehe. Das passt nicht.«

    Das passt.

  20. Arminius Arndt

    Das passt nur insoweit nicht, als ein Mishima niemals eine Hetero-Institution wie die Ehe nachäffen würde. Im Übrigen passen die beiden eben nicht zueinander.

  21. Arminius Arndt

    Das sollte natürlich

    »Das passt nur insoweit,…« heißen …

  22. @Vinneuil
    Wie man Seppkuckuck korrekt durchführt, interessiert mich nicht, ich koche nicht japanisch.

    Danke an den Autor für den klärenden Beitrag. Ich hatte zuerst den älteren gelesen und hier nur das Bild gesehen und dachte, die Blog-Betreiber wären völlig durchgeknallt.

    Wer den Freitod des alten Mannes heroisiert – gerade eines Menschen, der die Mißstände offenbar treffgenau analysierte – kann gleich »Warum Konservative immer verlieren. Band 2″ verfassen!

    Und nun wieder zu den wichtigen Themen!

  23. Da das (wirklich ziemlich krasse) Bild von Venner viele negative Reaktionen hervorgerufen hat haben wir es gelöscht um die Frage auf das Wesentliche zurück zu lenken und keinen unnötig zu verstören (es gab auch intern bei uns ne Debatte darüber). Der Text ist nun ohne Bild. Wir bleiben, gerade angesichts diverser Meldungen in rechten Zusammenhängen dabei: Venner ist ein Vorbild und seine Tat ist nicht lebensverneinend, man sollte sie nicht psychologisieren und als Symbol stehen lassen. Es geht um seine Determination, und die tiefe Liebe und Verzweiflung die hinter dieser Tat stehen , und die erhabene Freiheit seinem Ende eine derartige Bedeutung zu geben. Seine Tat polarisiert und sie ist eine stumme Anklage an die Politik, die bei aller Verteufelung durch die Medien einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen muss.

  24. @Der Funke
    Man mag den Freitod bedauern und akzeptieren und das, was der Mann zu Lebzeiten geäußert und getan hat, für richtig befinden. Die Form der Selbsthinrichtung ist unakzeptabel.

    Denkt eigentlich auch jemand an die psychischen Schäden, welche die unschuldigen »Aufräumer« in der Kirche womöglich erleiden? Der Vergleich mit den unsäglichen »sich-vor-die-S-Bahn-Werfern« liegt nahe, sie alle wollten Aufmerksamkeit, waren egozentrische Narzißten. Wie viele Lokführer mußten schon in psychiatrische Behandlung? Die Motive dieser Selbstmörder mögen vielschichtig sein, und sicherlich gehört auch eine Portion Mut dazu, vor den Zug zu springen, mehr, als sich eine Kugel in den Kopf zu ballern. Vielleicht waren es zu Lebzeiten tolle Menschen, was den Tod für die Freunde und Anhänger umso schlimmer macht. Es ist aber Ausdruck größten Narrentums, solche Selbsttötungen zu heroisieren.

  25. Alexander

    L.Edler & eulenfurz:

    Ja, es ist schlimm, wenn Menschen, besonders Kinder, eine solche Gewalttat miterleben müssen. Doch wen hätte es interessiert, wenn Venner sich im stillen Kämmerlein selbst getötet hätte? Daß er Aufmerksamkeit wollte, ist ja offensichtlich und bei seiner Intention auch nachvollziehbar; was ihn jedoch von den S-Bahn-Selbstmördern unterscheidet, ist, daß er die Aufmerksamtkeit nicht auf seine Person, sondern auf ein existentielles Problem seines Volkes und aller Europäer lenken wollte.

    Was sind schon ein paar Schockierte gegen die zahlreichen Toten und Verletzten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgrund der Politik, auf die Venner aufmerksam machten wollte, damit sie bekämpft wird?

  26. Mauretanier

    Allmählich wird es doch ziemlich lächerlich dieses Getue …

    Bei mir hinterlässt die Tat jedenfalls keinen negativen Beigeschmack, sondern sie hat mich euphorisiert wie lange nichts mehr, das einzige was sich dem als negativer Beigeschmack zur Seite gesellt sind diese unwürdigen, kleingeistigen Reaktionen teilweise hier.

    Wen interessieren denn bitte die psychischen Schäden von irgendwelchen Putzleuten???

    Mann kann dazu stehen wie man will, aber in unfassbarer Selbstgerechtigkeit davon zu sprechen, der Freitod Venners sei »unakzeptabel« … naja, finde ich jetzt doch ziemlich erbärmlich, aber gut.

  27. Mauretanier

    So: http://www.sezession.de/38913/ein-gestorter.html

    Danke Herr Klein-Hartlage.

    Und jetzt sollten sich hier einige gründlich schämen.

  28. Arminius Arndt

    »Und jetzt sollten sich hier einige gründlich schämen.«

    Ja, Sie z.B., Herr Mauretanier,

    das einzige von Gehalt, welches ich von Ihnen auf diesem Blog wahrnehmen durfte, war Ihr Zitiat aus Ernst Jüngers Heliopolis, von dem Sie hoffentlich auch die einzig wahre erste Auflage Ihr eigen nennen dürfen. Das Abfeiern eines Suizids ist einer deutschen Rechten unwürdig.

    Also, nicht auf Blogs schreiben, seien Sie inspiriert zu Taten …

  29. Mauretanier

    Auf den Marmorklippen, nicht Heliopolis 😉

    Schämen Sie sich bitte doppelt.

  30. W-D. L.

    Ich möchte in die unnötig aufgeheizte Diskussion nicht weiter eingreifen, glaube auch nicht, daß sich die Bewertung der Tat im Forum eines Blogs klären läßt und ohne daß sich die Diskutanten persönlich kennen. Daher nur zum Thema Außenwirkung dieser Artikel:

    http://taz.de/Kolumne-Die-Liebeserklaerung/!116821/

  31. Ich finde es eklig, wenn man als Rechter despektierlich über den Freitod eines Gesinnungsgenossens redet, schon weil man dadurch ins gleiche Horn bläst wie die moralisch degenerierten Linksextremen, die sich jetzt nicht erdreisten, zu hoffen, es mögen sich doch noch bitte ein paar mehr »von denen« erschießen.

  32. L.Edler

    @Mauretanier:
    da schämt sich überhaupt nicht’s, da fasst sich bloß ›was an den Kopf, wenn es solche Artikel wie den von Kleine-Hartlage liest. Habe dazu ja dort einen Kommentar verfasst.

  33. Es ist würdelos, Venner im Stil Hoffgaards »Arroganz« und »merkwürdige Selbstüberhöhung« zu unterstellen, so wie es ebenso geschmacklos ist, einen Suizid zum »Auftrag« (Funke) zu erklären.

    Venners Tat ist wie ein dunkler Monolith mit scharfen Kanten: Jede publizistisch ausgewälzte Kommentar droht darüber lächerlich zu werden angesichts der Distanz zur Lebenswirklichkeit. Suizid ist individuelle Entscheidung, da gibt es nichts gegeneinander zu diskutieren oder abzuwägen. Venner hat mit 78 Jahren den denkbar radikalsten Weg gewählt, in der Konsequenz verdient das Respekt und Innehalten – ohne daraus strategischen oder propagandistischen Gewinn ziehen zu wollen. Die Größe von Venners Tat verbietet virtuelle Plaudereien.

    Ernsthaft zu bewerten, ob er oder Mishima sich nun im traditionellen oder moderne Art umgebracht haben, bleibt dann nur noch geschmacklos – unabhängig davon, dass ihre Tat sinnlos gewesen sein mag. Manchmal ist es besser, zu schweigen. Schade, dass gerade unter Rechten, die sich viel auf ihren überlegenen Stil einbilden, so ein Schmierentheater möglich ist.

  34. Arminius Arndt

    Was mir bei der ganzen Diskussion fehlt, ist das Verständnis der Venner Apologeten, dass man so etwas in einer (noch!) geweihten Kirche schlicht und einfach nicht tut.

    Viele von denen, die Verständnis für Putin bei seinem Vorgehen gegen Pussy Riot zeigten und hier auch mit Begriffen des »sakralen Raumes« etc. argumentierten, womit sie auch in diesem Punkt völlig recht hatten, drehen jetzt offenbar aufgrund der Tat eines einzelnen völlig ab.

    Z.B. sind die Beiträge von M.L. und M. K-Hartlage auf SiN an Arroganz und Tunnelblickhaftigkeit nicht zu überbieten.

    Es gibt Dinge, die tut man nicht. Egal, was da kommt. Deshalb sind die christlichen Märtyrer, die sich für ihre Überzeugung haben töten lassen (= passiv, nicht aktiv), auch nicht vergleichbar mit Herrn Venner, der sich – so zumindest nach meinem Glauben – nun einer anderen Instanz stellen muss, als unseren irdischen Befindlichkeiten.

    Der Aufruf »zur Tat« ist in diesem Fall besonders problematisch, da ich persönlich in dem Egoismus, der der Selbstentleibung an einem Ort, den man als sakralen Ort zu respektieren hat (nicht umsonst fanden Demonstrationen, Selbstverbrennungen etc. bislang zumeist VOR Kirchen statt, aber nicht IN Kirchen – überlasst es der EKD, Kirchen zum Platz von AgitProp zu machen – der normale Mensch empfindet hier jedoch Ekel!), einen Egoismus sehe, der in nichts dem Egoismus eines Breivik nachsteht.

    Wenn man bspw. in dem Aufsatz von Herrn Kleine-Hartlage auf SiN

    http://www.sezession.de/38913/ein-gestorter.html/2

    im anmaßenden letzten Absatz nur die Formulierung »dem Verstorbenen« durch »Breivik« ersetzt, kommt dabei das heraus, was alle Rechten und Islamkritikern etc. vermeiden wollten. Das Abfeiern und zum Vorbild machen einer Tat, die man eben nicht tut. So wie man eben auch nicht einen Soldaten im zivilen, befriedeten Raum mit Messern und Beilen niedermetzelt (aber auch diese beiden sollen ja ihre Claque gefunden haben).

    Das völlige Fehlen der Maßstäbe von »gut und böse«, die sich hier auftun, erschüttern mich. Wie kann ich gegen etwas protestieren, in dem ich dabei gleichzeitig die Grundlagen dessen, wofür ich protestiere bzw. diese als Grund vorschiebe (Abendland OHNE Christentum ist nicht mehr denkbar, da kann man »Neuheide« sein, wie man will), entweihe?

    Wie kann ich jemanden, der diese simplen Dinge sieht, mangelnden »Haltung« oder ähnlichen Quatsch vorwerfen?

    Das letzte mal, als ich über so viel Borniertheit und Arroganz auf Seiten der angeblich so schlauen Rechten kotzen musste, war die Diskussion um das Burschenschafts -Subjekt, welches Bonhoeffer posthum mit Winkeladvokatie des Landesverrats überführen wollte. Ekelhaft. Ekelhaft im Fall Venner ist der hier fehlende Respekt und die fehlende Scham vor dem Sakralen und Religiösen. Nur ein Mensch der Moderne, der durch und durch Materialist ist, so wie es auch der Sozialist ist, kann hier eine ablehnende Haltung, wie die meine, nicht nachvollziehen (ich erwarte keine Anerkennung oder Zustimmung).

  35. Mavrodaphne

    Bisher muss man zugeben, dass der Tod Herrn Venners seiner Sache weit mehr Schaden zugefügt hat, als er ihr genützt hat. In den MSM findet sich nahezu gar nichts dazu, während in der rechten Blogosphäre wieder mal Selbstzerfleischungsorgien stattfinden.

    Es gäbe, denke ich, Wichtigeres zu tun.

    Auch finde ich es stark übertrieben, dass etwa auf Sezession im Netz mittlerweile nicht weniger als acht Artikel über Herrn Venner stehen.

    @ Arminius Arndt. Ihrer Einlassung betreffend Beschmutzung sakralen Raumes muss ich zustimmen.

    Was mir allerdings bei einigen Autoren und Kommentatoren abgeht ist der generelle Respekt für jemanden, der bereit ist, sein Leben für seine Sache zu geben.

    Einigen Leuten scheint nicht nur Herr Venner sondern jede Art von Märtyrertum und Selbstaufopferung völlig unverständlich zu sein.

  36. »jede Art von Märtyrertum und Selbstaufopferung völlig unverständlich«

    Andere halten es eben so, in der schlimmsten Not lieber Apfelbäume zu pflanzen, als Eichen umzusägen. Hier gibt es eher eine Trennlinie zwischen Grufties und Sonnenmenschen.

    Das Bild dieses angeblichen »Märtyrertodes« ist zudem ein fatalistisches, es erinnert an Offiziere, denen von Machthabern die Selbsterschießung anempfohlen wird. Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger »mutig« empfinde ich solch eine Selbsterschießung – ja, sie ist schon fast eine Demütigung seiner selbst.

    Was er zu Lebzeiten Wertvolles geschaffen hat, steht bislang kaum im Mittelpunkt, es geht seinen neuen Bewunderern nur um die Vermarktung seiner Selbsthinrichtung – wahrscheinlich, weil man jetzt noch einen propagandistischen Selbstmord verüben will. Warum nur Konservative immer verlieren?

    »Entweder jemand versteht auf Anhieb, oder eben nicht.«

    Um irgend etwas „verstehen“ zu können, müßte man dezidiert Umstände kennen. Bislang liest man aber nur Mutmaßungen und Deutungen.

    Der vermeintlichen Spaltung des „rechten Lagers“ zu Grunde liegt nicht etwa eine knappe Meldung vom Tode eines Vordenkers und ggfs. Freundes, sondern die Tendenz, absehbar polarisierende Todesumstände ohne innezuhalten zu glorifizieren und mystifizieren. Dazu werden in »Sezession« acht ausführliche Beiträge geschrieben und um eine Deutungshoheit gerungen, welche bestenfalls eine „Szene“ berührt. So führt man sich selbst auch als Szene vor.

    Im Leben stehende und das Leben fordernde Menschen werden von solch nekrophiler Agitation nicht unbedingt angesprochen, und der Gegner wird sie als psychologische Waffe benutzen.

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