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Der Arbeitsalltag des Helmut Roewer

Wie geht es eigentlich zu im Büro des Chefredakteurs dieses Magazins? Er sitzt barfuß an seinem Rechner, die Füße sind aber unter dem Tisch. Er trinkt orientalischen Tee aus dem Supermarkt (Marokkanische Minze) und im Tasseninneren steht »alles paletti« geschrieben. Frauen wagen sich nur äußerst selten in dieses Büro, weil der Chef nicht gestört werden will und auf sämtliche Bitten mit einem mürrischen »Gleich« reagiert. Das Fahrrad des Chefredakteurs steht im Keller – vermutlich ohne Luft im Reifen. Der Chefredakteur legt die meisten Wege mit dem Auto zurück. Die Jalousien sind heute mal oben, weil die Sonne eh nicht durchkommt. Kerzen gibt es keine, auch keinen Rotwein und keinen Käse, dafür aber genug Papiermüll, der mal wieder rausgebracht werden müßte.

Und nun ein abrupter Schnitt – hinein ins Büro von Helmut Roewer, der den legendären Thüringer HeimatVerfassungsschutz von 1994 bis 2000 führte. Karl Friedrich Schrader, ehemaliger Abteilungsleiter Rechtsextremismus, berichtet:

Einmal kam ich in Roewers Dienstzimmer, da standen drei Tische aneinander, mit Kerzen, Käse, Wein und 6-7 Damen drumherum, man wusste gar nicht, mit welcher er zuerst zu Gange ist. Ich sollte ihm in deren Anwesenheit geheime Dinge erzählen.

Wie schön ist das denn? Wir haben eindeutig den Beruf verfehlt, aber vielleicht ergibt sich ja in Zukunft noch was.

Im Sommer lief der Roewer immer barfuß durchs Amt, dann lagen seine schwarzen Füße auf dem Schreibtisch, während wir uns in seinem Büro besprachen.

Und sportlich war der Mann auch noch:

VS-Chef Roewer ist in der 6. Etage der Verfassungsschutzbehörde öfter Fahrrad gefahren. Auf die Frage, warum er das macht, antwortete er, er müsse neue Observationsfahrräder testen für die Observationskräfte.

Dieser geniale Mann bestätigt übrigens selbst, daß er betrunken war, als er VS-Chef in Thüringen wurde:

Wie ich Verfassungsschutz-Präsident wurde? Es war an einem Tag nachts um 23 Uhr, da brachte eine mir unbekannte Person eine Ernennungs-Urkunde vorbei, in einem gelben Umschlag. Es war dunkel, ich konnte sie nicht erkennen. Ich war außerdem betrunken.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

2 Kommentare zu “Der Arbeitsalltag des Helmut Roewer

  1. »Und von diesen Pfeifen haben wir Pfeifen uns regieren lassen!«

    Kennt hier jemand noch diesen Ausspruch?

  2. Ich würde das eher positiv sehen. Von diesen Leuten muss man nichts befürchten. Eher so einer, als ein dienstgeiler Mielke, Kaltenbrunner oder Beria.

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