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Die Abschaffung des Bargeldes

euroRegierungen werden heute in der Regel nur wiedergewählt, wenn sie Wirtschaftswachstum nachweisen können. Das heißt nicht, daß es der Mehrheit der Menschen besser gehen muß als vier Jahre zuvor. In unserer Mediengesellschaft reicht es, wenn man sich auf anerkannte Zahlenorakel beruft. Die Legitimität der Regierung erwächst damit aus dem Glauben an ein Wachstum, das es tatsächlich in den westlichen Gesellschaften schon lange nicht mehr gibt.

Jede »Wachstumsgesellschaft« beruht auf vier Säulen:

  1. Dadurch daß wir eine Geld- statt Tauschwirtschaft haben, gibt es für das einzelne Unternehmen genauso wie für die Volkswirtschaft einen Zwang zum Wachstum, da der Unternehmer zuerst investieren muß und für dieses Risiko mit einem Gewinn belohnt werden will.
  2. Ohne dieses »echte« Wachstum durch gut laufende Unternehmen gibt es für Zentralbanken und den Staat die Möglichkeit, das Wirtschaftswachstum durch eine Erhöhung der Geldmenge und damit billige Kredite anzukurbeln. Das erleben wir gerade in der Euro-Zone.
  3. Die dritte Säule der Wachstumsgesellschaften besteht in der Ausbeutung der Natur. Stichwort: Peak Oil bzw. Peak Everything.
  4. »Echtes« Wachstum hingegen ist nur durch die menschliche Imagination und den damit verbundenen technischen Fortschritt zu haben. Dazu braucht es viele junge (innovative) Menschen sowie ein steigendes Bildungsniveau. In Zeiten des demographischen Niedergangs können wir uns darauf also nur schwer verlassen.

Bei den Kritikern der Wachstumsgesellschaft gibt es einen Grundkonsens, den Holger Rogall im Gespräch mit diesem Magazin wie folgt auf den Punkt brachte:

Alle Wachstumskritiker sind sich darüber einig, dass heute mehr Ressourcen verbraucht werden als die Natur verkraften kann.

Die Wachstumskritiker konzentrieren sich also auf die hier vorgestellte dritte Säule und fordern als Alternative entweder ein »grünes Wachstum« oder eine Décroissance (nachhaltige Wachstumsrücknahme).

Um die Debatte über diese Alternativen jedoch weiter voranzubringen, ist es notwendig, auch die anderen drei Säulen genau zu betrachten. Dies beginnt – wie immer – mit der Analyse der Lage und der Frage, wohin wir steuern, wenn es keine Richtungsänderung gibt.

In den Deutschen Wirtschafts Nachrichten findet sich heute ein aufschlußreicher Beitrag über die Abschaffung des Bargeldes. Das Ziel dieser Maßnahme könnte es sein, die Verbraucher quasi zum Konsum und Geldausgeben zu zwingen, indem man nach der Abschaffung des Bargeldes »Straf-Zinsen für Sparer« einführt.

In Schweden hat es hin zur Bargeldabschaffung bereits einen entscheidenden Schritt gegeben. Dort nimmt eine Bank gar kein Bargeld mehr an und zahlt auch keins mehr aus. In naher Zukunft könnte man also auch uns das Bargeld wegnehmen und dies mit Studien begründen, die belegen, daß die Münzen und Scheine »unnötig, teuer und vor allem unsicher« seien.

(Lupo  / pixelio.de)

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