Anstoß

Die AfD und ihre Behinderten-Anfrage

Die Empörung ist mal wieder groß. „Die AfD wertet das Leben von Behinderten als nicht lebenswert ab“. So titelte am 23. April die Süddeutsche Zeitung.

Mal wieder so ein Satz, der kräftig an dem Bild einer dezidiert bösen Partei im Bundestag poliert. Der Leser wird sich jetzt fragen, wie die SZ denn darauf kommt, dass die AfD das Leben von Behinderten abwerte. Darauf gibt es schon im ersten Absatz eine Antwort. „Sie (die AfD) wollte von der Bundesregierung wissen, wie viele Behinderte es in Deutschland gibt und welche Rolle Eheschließungen unter Migranten dabei spielen. Die Verknüpfung von Behinderung mit Inzest und Zuwanderung hat breite Empörung ausgelöst.“

Inzucht-Skandal?

Auch der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland (ABiD) in Person des Vorsitzenden Ilja Seifert ist dieser Meinung. „Die AfD-Fraktion erweckt mit ihrer Anfrage den Eindruck, die meisten Behinderungen würden durch Inzucht entstehen – also weil Verwandte miteinander Kinder haben. Das ist sachlich falsch. Und die AfD wertet das Leben von Behinderten als nicht lebenswert ab. Das steht nicht wörtlich in der Kleinen Anfrage, schwingt aber mit. Und das ist unmenschlich.“ Sieht man sich besagte Anfrage der AfD (Drucksache 19/1444) direkt an, so steht das da nicht nur nicht drin, sondern es schwingt auch nicht mit. Es wird im Wesentlichen danach gefragt, welche „Hauptursachen“ der Bundesregierung zufolge die Behinderungen in Deutschland haben und ob diese sich nach 2012 „verlagert“ hätten.

Und nun nochmal ganz langsam für Herrn Seifert, zum Mitschreiben: Ja, es wird auch explizit gefragt, ob inzestuöse Verbindungen eine Rolle spielen und wie viele davon „einen Migrationshintergrund“ haben. Hier entsteht also nicht der Eindruck, dass es der Hauptgrund sei, sondern es soll vielmehr herausgefunden werden, ob dieser Faktor seit der zunehmenden Einwanderung (vor allem aus muslimischen Ländern, in denen Inzucht noch tagtäglich ist) eine wichtigere Rolle spielt.

Grund: Falls dem so sein sollte, lässt sich dieser Faktor abstellen, indem man hier Gegenmaßnahmen ergreift. Das heißt aber nicht, man habe etwas gegen behinderte Menschen, die aus so einer Verbindung hervorgehen, sondern man möchte lediglich, dass in Zukunft Kinder nicht behindert auf die Welt kommen, weil ihre Eltern so unverantwortlich gehandelt haben.

Brauchen die Deutschen eine Auffrischung von außen?

Aber an folgender Äußerung wird deutlich, dass Herr Seifert überhaupt nichts kapiert hat. „Die Überlegung der AfD ist zudem unlogisch: Wenn Inzucht vermieden werden sollte, dann wäre es ja eher wünschenswert, dass Menschen von Außen dazu kommen. Und warum fragen die nicht nach der Familienpolitik unter Adligen?“ Diese Aussage ist sogar in mehreren Hinsichten falsch! Erstens, der Genpool in Deutschland ist groß genug, damit auch ohne Masseneinwanderung Inzucht verhindert werden kann. Zweitens, wenn Einwanderer unter sich inzestuöse Bindungen eingehen, dann ist hier mitnichten ein größerer Genpool geschaffen und drittens, die Sinnhaftigkeit eines Verbots von Inzucht unter Muslimen wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass Adlige das eventuell auch machen.

Eine Partei jedoch, die „für alle Behinderten nur noch Sonderschulen, Sondereinrichtungen“ fordert, kann laut Seifert ohnehin nicht viel taugen. Man müsse jene Leute schließlich in Gänze in die Gesellschaft eingliedern. Dass Sonderschulen für Behinderte vielleicht besser sind, als normale Schulen, wird kategorisch ausgeschlossen. Natürlich darf man nicht alle über einen Kamm scheren, aber in ersterer stehen immerhin extra für den Umgang mit Behinderten ausgebildete Pädagogen, kleinere Schulklassen und dadurch individuellere Förderung zur Verfügung. In letzteren jedoch große Klassen und überforderte Lehrer.

Vor allem bei geistig behinderten Kindern ist es oftmals offensichtlich, dass diese nicht nur den normalen Lehrbetrieb aufhalten und damit ihren Klassenkameraden schaden, sondern auch selbst überfordert sind, weil sie einfach langsamer sind oder spezielle Betreuung benötigen, die es in einer normalen Schule schlicht nicht gibt. Am Ende ist niemandem geholfen und allen geschadet, aber linke Weltverbesserer können sich auf die Schultern klopfen. Optimale Förderung ist übrigens auch der Grund, warum man hierzulande lange Zeit in Haupt-, Realschule und Gymnasium unterschieden hat. Aber das ist ja dem linken Gleichheitsideal auch im Weg gewesen, egal wie sinnvoll es war.

Das bundesdeutsche Lieblingsgespenst: Die Nazis

Festzuhalten ist: Immer wenn die AfD irgendetwas verlauten lässt, wird die Wahrheit so lange verdreht, bis ein passendes (sprich negatives) Bild entsteht. Diese kleine Anfrage speziell bot sich da wohl besonders gut an. Schließlich kann man so implizit eine Brücke schlagen zum bundesdeutschen Lieblingsgespenst, den Nazis. Die hätten schließlich auch das Leben von Behinderten abgewertet. Damit wäre die AfD nicht nur moralisch abzulehnen, sondern gleichzusetzen mit den braunen Schurken aus dem Abgrund geschichtlicher Finsternis.

Anschließend können all die Mahner wieder den Zeigefinger erheben und ihre „Wehret den Anfängen“ und „Niemand kann sagen, er hätte es nicht gewusst“-Sprüchlein aufsagen. Bei Seifert bleibt der Vergleich jedoch nicht einmal implizit, sondern wird direkt gezogen. So hätten auch die Nationalsozialisten „300.000 behinderte Menschen im Rahmen des sogenannten Euthanasiegesetzes umgebracht“.

Aber es kommt noch besser. „Der AfD geht es immer um das ‚Wir und Ihr‘. Die Deutschen, die Gesunden, die Arier auf der einen Seite. Die Fremden, die Migranten und die Behinderten auf der anderen.“ Es wäre interessant zu wissen, was diese Frau sich morgens in ihren Kaffee schüttet? Weil nur mit verdorbener Milch lässt sich so ein Schwachsinn nicht erklären. Wenn sie schon Vergleiche zieht, sollte sie sich mal überlegen, ob diese Vergleiche sinnvoll sind.

Dieser auf jeden Fall nicht. Denn das ist nicht nur Rufmord an einer demokratischen Partei, die übrigens den Lebensschutz im Grundsatzprogramm hat, sondern auch eine Diskreditierung aller Wähler dieser Partei. Muss man sich wirklich von so einer Tante vorwerfen lassen, dass man lupenreine Nationalsozialisten und Rassisten ins Parlament gewählt hat? Starkes Stück!

(Bild: Pixabay)

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8 Kommentare zu “Die AfD und ihre Behinderten-Anfrage

  1. Robert Wagner

    Das Argument, der AfD ginge es nur um die Behinderten an sich und um eine Eindämmung inzestbedingter Behinderung, KÖNNTE man ja noch ernstnehmen, wenn das denn glaubhaft wäre. Aber hört man irgendwo im AfD-Wahlprogramm entsprechende Programmpunkte? Etwa Maßnahmen zum Ausbau barrierefreier Zugänge im öffentlichen Raum oder zur Etablierung Leichter und Einfacher Sprache? Ich denke nicht, im Gegenteil. Wenn ich darüber nachdenke, wird man im Vorstand dieser Partei niemanden finden, der überhaupt weiß, was Leichte/Einfache Sprache denn eigentlich ist…

    Es ist offensichtlich, was diese Partei damit bezweckt. Fremdenfeindliche und populistische Profilierung auf dem Rücken behinderter Menschen, deren bloße Existenz dadurch implizit zu einem gesellschaftlichen Problem gemacht wird.

  2. Erzreaktionär

    Der Verweis auf die Zeit des Nationalsozialismus durch Behindertenverbände und politische Gegner der AfD ist heuchlerisch und verlogen. In den 1930er/40er Jahren bestanden schlicht keine oder kaum Möglichkeiten zur pränatalen Diagnostik, d.h. Krüppel und Schwachsinnige konnten erst nach der Geburt als solche identifiziert und ermordet werden. Der wissenschaftliche Fortschritt erlaubt inzwischen jedoch die vorgeburtliche Selektion, das Recht auf pränatalen Kindsmord wird von sämtlichen politischen Parteien – natürlich auch von Herrn Seiferts Kommunisten – als positive Errungenschaft gefeiert. Dass behindertes Leben lebensunwert sei, scheint mir heute jenseits christlich-fundamentalistischer Lebensschützerkreise gesamtgesellschaftlicher und politischer Konsens und keinesfalls, wie Stasi-IM Ilja tönt, auf die AfD beschränkt. Daran ändert auch das ganze scheinheilige Geschwätz von Inklusion und Chancengleichheit nichts.

  3. Robert Wagner

    @ Erzreaktionär:

    1) Inwiefern wird die Kritik an der moralisch mindestens fragwürdigen AfD-Anfrage heuchlerisch, weil theoretisch die Möglichkeit besteht, Behinderungen pränatal zu diagnostizieren? Übrigens ist es bemerkenswert heuchlerisch, wenn sich jemand wie Sie, der von »Krüppeln und Schwachsinnigen« spricht, implizit als Vorkämpfer für die Rechte Behinderter generiert.

    2) Sie verdrehen sehr geschickt die Fakten und stellen Befürworter von Abtreibungen im Allgemeinen – die in diesem Land streng geregelt sind – als Befürworter gezielter pränataler Tötungen Behinderter im Besonderen dar, womit Sie ihnen eine eugenische Agenda unterstellen, während Sie Ihren Kommentar mit einer Relativierung der staatlich gelenkten Massentötung behinderter Menschen durch die Nazis einleiten. Wie kann man so etwas eigentlich mit seinem Gewissen vereinbaren?

  4. Erzreaktionär

    Lieber Herr Wagner, danke für Ihr Lob, es freut mich, daß sie meine Wortmeldung anregend und meine Argumentation geschickt fanden.

    Sollte der falsche Eindruck entstanden sein, ich wollte mich hier implizit oder explizit als Befürworter von Behindertenrechten darstellen, war dies nicht meine Absicht. Im Gegenteil, ich lehne gesonderte Behindertenrechte ebenso ab wie jegliche Sondergesetzgebung für Minderheiten oder Randgruppen. Gruppenspezifische Sondergesetze sind nichts weiter als ein deutlicher Hinweis auf die allgemeine Unfähigkeit des Gesetzgebers, gute, für alle gültige Gesetze zu erlassen.

    Aber nun zur Sache. Nicht ich habe die Verbindung von der Anfrage der AfD zur Behindertenpolitik der NSDAP hergestellt, sondern MdB Seifert. Ich nehme den mir zugespielten Ball lediglich auf. Die Nationalsozialisten sahen sich genötigt, ihre T4-Mordaktion nach einiger Zeit abzubrechen. Die Gesellschaft war noch nicht so weit, behindertes Leben pauschal als lebensunwert zu begreifen. Die Unmutsäußerungen v.a. der christlichen Kirchen waren zu groß. Inzwischen hat sich das jedoch geändert. Ihre Reaktion auf meine Wortwahl, die natürlich beabsichtigt war, spricht Bände. Bezeichne ich einen Krüppel als Krüppel, echauffieren Sie sich darüber. Schneide ich denselben Krüppel in Stücke und sauge ihn aus der Gebärmutter, ernte ich von Typen wie Ihnen wohl nicht einmal ein Schulterzucken.
    Damit wären wir beim Thema Abtreibung. Die von Ihnen erwähnte „strenge gesetzliche Regelung“ heißt im Grunde: Abtreibung ist verboten, wird aber nicht bestraft, wenn man sich nicht selten dämlich anstellt. Die Diagnose einer möglichen körperlichen oder geistigen Fehlbildung des Fötus ist absolut ausreichend, um eine Abtreibung durchführen zu dürfen. Sie wissen so gut wie ich, daß in der BRD keine Frau ein z.B. mongoloides Kind bekommen muss, wenn sie nicht möchte. Politisch und gesellschaftlich ist es weitestgehend akzeptiert, daß eine Behinderung ein hinreichender Grund ist, nicht zu leben. Als unlängst die vereinigte Linke das Werbeverbot für Abtreibungen aufheben wollte, ist mir keine mahnende Stellungnahme von Herrn Seifert an seine Genossen aufgefallen – ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren! Solange das aber nicht geschehen ist, bleiben Herr Seifert und seinesgleichen für mich verlogene Heuchler.

    Aber, lieber Herr Wagner, daß die Anfrage irgendwelcher AfD-Hinterbänkler saudumm ist, wie das meiste, was tagtäglich so im hohen Hause passiert – da sind wir uns völlig einig. Aber es hat halt jeder sein Steckenpferd, und wenn es Inzuchtfantasien aus 1001 Nacht sind…

    Ihr letzter Satz aber hat mich erschüttert. Haben Sie, der doch hier sonst all überall als wortgewaltiger Dampfplauderer auftritt, tatsächlich schon all ihr Pulver verschossen, daß Ihnen nichts mehr anderes einfällt, als an mein Gewissen zu appellieren?! Aber da muss ich Sie enttäuschen, denn das habe ich längst dem Leibhaftigen gegen eine Extradosis Zynismus verkauft 😉

  5. Reinhold

    Es ist tatsächlich so, dass deutsche Linke und Halblinke seit Jahrzehnten Sterbehilfe und Abtreibung bei Behinderten befürworten. In diesem Zusammenhang möchte ich die Linke auf andere Normen und Werte im Orient hinweisen. Etliche % der Flüchtlinge sind gestört. —- Das Recht auf Leben gilt für alte Menschen in deutschen Krankenhäusern oft wenig. Mein Vater kam 1943 von vor Stalingrad zurück und ist anno 2000 im Krankenhaus an behandelbarer Pneumonie gestorben.

  6. Robert Wagner

    @ Erzreaktionär:

    Mein letzter Satz hat sie also erschüttert? Tja, was soll ich da sagen, mich erschüttert fast jeder einzelne Satz, den Sie in Ihrer überheblichen erzreaktionären Arroganz von sich geben.

    Dass Sie von Behinderten- oder Minderheitenrechten, d. h. von deren gesellschaftlicher Teilhabe, nicht das Geringste halten, wundert mich überhaupt nicht (damit dürften Sie auf dieser Plattform auch in bester Gesellschaft sein). Sicherlich haben aber sogar schon Sie irgendwann mal davon gehört, dass Begriffe wie »Krüppel« und »Schwachsinnige«, die Sie für völlig normal halten und wie selbstverständlich benutzen, beleidigend sind, Behinderte in ihrer Menschenwürde herabsetzen und diese deshalb naheliegenderweise auch nicht so bezeichnet werden wollen; aber wir beide wissen ja, dass Ihnen das schlicht sch….egal ist und Sie die Gesellschaft weiterhin ausschließlich vom »gesunden Volkskörper« aus denken wollen, von dem aus betrachtet Behinderte fehlerhafte menschliche Nebenprodukte sind und allenfalls geduldet werden, wenn man sie nicht kriminalisiert oder in Heime steckt oder gleich gezielt ermordet, wie es die Nazis taten. Ich werde nicht versuchen, Sie von der ethischen Verwerflichkeit einer solchen Haltung zu überzeugen, denn wer seine erzreaktionäre Gesinnung so voller Stolz vor sich herträgt, hat es sich in seinem problematischen Weltbild schon sehr gemütlich gemacht.

    Sie können zum Thema Abtreibung ja meinetwegen eine radikal ablehnende Haltung einnehmen; ich respektiere das, ist dieses Thema doch hochkontrovers. Was ich aber nich hinnehme, ist Ihre hinterfotzige Andeutung, »Typen wie ich« und die gesamte Gesellschaft würden die gezielte Tötung behinderter Föten befürworten und wären somit nicht besser als die Nazis. Die Rechtslage ist nun mal, wie sie ist, und besagt, dass Abtreibungen unter bestimmten Bedingungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich sind, unabhängig vom Gesundheitszustand des Fötus – der Gedanke hinter dieser gesetzlichen Regelung ist das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Wenn eine Frau nun ein Kind abtreiben lässt, einzig weil es behindert zur Welt kommen könnte, ist das natürlich mindestens fragwürdig, bedeutet aber mitnichten, dass die gesamte Gesellschaft bzw. der Staat Kinder mit Behinderungen als »lebensunwert« ansieht. Es handelt sich hierbei um ein ethisches Dilemma, das erst durch die Entwicklung einer neuen Technologie, der Pränatalen Diagnostik, aufgekommen ist; dass man für dieses Dilemma sensibilisiert ist, beweisen die Debatten um diese kontroverse Technologie. Im Übrigen bezweifle ich, dass solche Fälle besonders häufig vorkommen.

    Mit welchem Recht sollte man der Frau im besagten Beispiel denn auch verbieten, ihren (potentiell) behinderten Fötus abzutreiben, wenn andere Frauen – bis zur 12. Schwangerschaftswoche – völlig gesunde Föten abtreiben dürfen? Dieser Widerspruch bringt deutlich zum Ausdruck, dass es Ihnen mit Ihrer absurd-dreisten Konstruktion politisch gewollter Euthanasie behinderten Lebens tatsächlich nur darum geht, Abtreibung an sich bzw. die diese ermöglichende gesellschaftliche Haltung zu diffamieren. Wenn Sie auch nur einen Funken Aufrichtigkeit verspüren, geben Sie das auch zu. Dass es Ihnen gar nicht um die Behinderten an sich geht, haben Sie ja schon mit deutlichen Worten klargestellt.

  7. Erzreaktionär

    Lieber Freund Wagner, danke für Ihre ausführliche Rückmeldung! Ich will Ihnen nur noch kurz antworten. Daß es mir hier nicht um Behinderte geht, habe ich doch hoffentlich deutlich klargemacht? Genossen Seifert und der AfD geht es ja auch nicht um Behinderte. Auch stehe ich der Abtreibung mitnichten ablehnend gegenüber. Ich würde mir nur wünschen, sie würde nicht stets als humanitäre Errungenschaft einer aufgeklärten Gesellschaft dargestellt, sondern als das, was sie ist: eine ekelhafte Menschenschlächterei. Wer daran Freude hat, nur zu. Nur als kleiner juristischer Hinweis: behinderte Kinder dürfen in der BRD natürlich nicht nur bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei abgetrieben werden (Fristenlösung), sondern problemlos auch später. Dazu braucht es halt einen juristischen Winkelzug unter Ausnutzung des Gummiparagraphen § 218a Abs. 2 StGB. D.h. Sie müssen nur einen wohlmeinenden Arzt finden, der der Mutter eine unzumutbare physische oder psychische Belastung durch das behinderte Kind attestiert. Das wissen Sie natürlich, aber bewusste Desinformation gehört bei Ihnen halt zum Geschäft, nicht wahr? Ansonsten wie üblich bei Ihresgleichen, viel Empörung, viel heiße Luft, keine Substanz.

  8. Robert Wagner

    @ Erzreaktionär

    Ich bin nicht Ihr Freund.

    Wie aus meinem letzten Kommentar klar hervorgeht, ist mir sehr wohl bewusst, dass es Ihnen nicht um die Achtung der Rechte von Behinderten geht; das stellt schon Ihre herabsetzende Wortwahl klar. Nein, es ist offensichtlich, dass es Ihnen um die Diffamierung progressiver Gesellschaftsbilder geht, indem sie diesen eine eugenische Politik, d. h. eine staatliche Förderung von Abtreibungen behinderter Kinder, unterstellen, obwohl es bei jeglicher Abtreibung in diesem Land von Seiten des Staates nicht um die Bewertung des ungeborenen Lebens, sondern einzig um das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper geht.

    Sie werden es wahrscheinlich nicht glauben, aber dass bei behinderten Kindern auch Spätabtreibungen möglich sind, war mir nicht bewusst; das ist tatsächlich sehr diskutabel. Ich hatte schon geschrieben, dass ich eine Abtreibung aufgrund einer Behinderung des Kindes mindestens fragwürdig finde, noch mehr natürlich, wenn sie kurz vor der Geburt vorgenommen wird. Im Gegensatz zu Ihnen maße ich mir aber nicht an, eine Frau dafür zu verurteilen, dass sie in einer schwerwiegenden, ihr gesamtes weiteres Leben maßgeblich beeinflussenden Frage eine Entscheidung trifft, die mir auf den ersten Blick nicht gefällt (vielleicht lesen Sie meine Ausführungen einfach etwas aufmerksamer, statt mir und »meinesgleichen« implizit zu unterstellen, ich würde Gleichgültigkeit oder gar Freude an Abtreibungen empfinden).

    Meine Entgegnung an Sie enthält sehr wohl argumentative Substanz; Sie bevorzugen es bloß, nicht näher auf diese Substanz einzugehen. Sie könnten ja z. B. erklären, wie man einer Frau die Abtreibung eines behinderten Fötus verbieten soll, wenn ein gesunder Fötus bis zur 12. Woche relativ problemlos abgetrieben werden kann; oder warum man einem Staat eugenisch motivierte Tötungen vorwerfen können soll, weil er schwangeren Frauen nicht verbietet, ein behindertes Kind abzutreiben. Man mag das ethisch diskutabel finden, keine Frage; aber eine politisch gewollte Geringschätzung Behinderter lässt sich daraus nicht konstruieren. Im Gegenteil, man ist sich des ethischen Dilemmas bewusst, weshalb z. B. bei Spätabtreibungen auch eine Bedenkzeit von drei Tagen zwischen ärztlicher Konsultation und dem Eingriff selbst vorgeschrieben ist. Wenn man sich eingehender und ohne ideologische Scheuklappen mit dieser Thematik beschäftigt, merkt man auch, dass das Problem dabei eher das Bedürfnis nach einem perfekten Kind bzw. einem durchoptimierten Leben als eine gesellschaftlich und politisch gewollte Geringschätzung behinderten menschlichen Lebens ist.

    Es entbehrt übrigens nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet jemand wie Sie, der von »Krüppeln« und »Schwachsinnigen« spricht, von der Idee der gesellschaftlichen Teilhabe behinderter Menschen nichts hält und damit zu deren gesellschaftlichen Geringschätzung aktiv beiträgt, sich in inszenierter Empörung über Abtreibungen behinderter Föten echauffiert – die betroffenen Mütter fassen diesen schweren Entschluss nicht zuletzt auch deshalb, weil sie befürchten müssen, dass ihr behindertes Kind später einmal unter erzreaktionären Menschen wie Ihnen und deren rückwärtsgewandten Gesellschaftsbild wird leiden müssen.

    Hier noch ein paar Quellen zu diesem schwierigen Thema, die belegen, dass man sich im öffentlichen Diskurs mit diesem ethischen Dilemma differenzierter beschäftigt, als Sie es glauben machen wollen:

    https://www.profemina.org/info-abtreibung/straffreie-abtreibung/abtreibung-bei-behinderung-gesetzeslage

    https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2014-09/abtreibung-behinderung

    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/downsyndrom-praenataldiagnostik-beklemmende-zahl-versus-sonniges-szenario-1.2450555-4

    http://m.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/down-syndrom-neun-von-zehn-frauen-treiben-ab-a-1138841.html

    https://m.brigitte.de/gesund/gesundheit/spaetabtreibung–eine-frau-und-ihre-schwerste-entscheidung-10181162.html

    https://www.welt.de/gesundheit/article138186630/Neun-von-zehn-Paaren-lassen-bei-Trisomie-abtreiben.html#cs-Boy-with-Down-Syndrome-MR.jpg

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