Gesichtet

Die Corona-Krise und der Klimaschutz

Die Corona-Krise ist volkswirtschaftlich ein halber Totalschaden und damit allgemein eine Katastrophe. Nicht aber für unseren Dauerpatienten: Das Klima, beziehungsweise den Wandel desselben. Alle Klimaschützer können aufatmen und jubeln. Was weder Greta Thunberg und Fridays for Future, noch Kohleausstieg und EEG geschafft haben, vollbringt der momentan grassierende Virus so ganz nebenbei.

Im ersten Quartal 2020 wurde 52 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms von den sogenannten Erneuerbaren Energien produziert. Nicht nur aufgrund des starken Windes und der verhältnismäßig vielen Sonne – auch die Corona-Krise hat nicht unwesentlich dazu beigetragen. Die schwache Konjunktur, der sinkende Flugverkehr, weniger Autos auf den Straßen und die allgemein einbrechende Industrie haben für einen verringerten Energieverbrauch gesorgt.

Klimaziele endlich mal erreicht

Und damit nicht genug. Schon im Januar war der Jubel groß, als in China der Ausstoß von CO2 erheblich zurückging. Gleiches jetzt für Deutschland: „Nach unseren Abschätzungen werden in Deutschland unter anderem durch den warmen Winter und durch die Corona-Krise die Treibhausgasemissionen in 2020 im Vergleich zu 2019 um gut 50 Millionen Tonnen CO2 mindestens sinken. Je nach weiterem Verlauf der Corona-Krise kann der Rückgang auch bei bis zu 135 Millionen Tonnen CO2 liegen“, meinte unlängst Patrick Graichen von Agora Energiewende. Damit wären die Klimaziele der Bundesrepublik für 2020 mit einer Emissionsreduktion von rund 45 Prozent seit 1990 sogar deutlich überschritten.

Wen kümmert da schon eine am Boden liegende und um Gnade flehende Volkswirtschaft, wenn nur das Klima aufatmen kann? Der Rückgang in ein vorindustrielles Zeitalter scheint also wirklich die Lösung zu sein. Und mal ehrlich: Annehmlichkeiten des modernen Industriestaates wurden doch schon immer überschätzt.

Zu dumm nur, dass nach der ersten Euphorie doch nicht allzu viel vom neuen Klimaschutz bleibt. Die anhaltende Krise ließ auch den CO2-Preis im März um 45 Prozent einbrechen. Kostete das Zertifikat für eine Tonne Kohlendioxid Ende Februar noch 26 Cent, waren es einen Monat später nur noch 14 Cent. Wie aber der Energieökonom der Universität Heidelberg, Andreas Lösch, feststellt, bestehe „die Gefahr, dass niedrige CO2-Preise und die damit notwendigen raschen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht zu den langfristigen Klimazielen passen“ würden.

Benzin auf einmal sehr günstig

Fallende Zertifikatspreise machen aber alle Hoffnungen zunichte, ein Umdenken in der Wirtschaft zu weniger Emissionsausstoß zu erreichen. Zudem verpufft durch den einbrechenden Öl-Preis der durch CO2-Bepreisung erhöhte Benzinpreis vollständig. Der Sprit ist so günstig wie schon lange nicht mehr. Damit verraucht auch die erhoffte Erziehung der Bürger zu einem klimaschonenderen Reisen.

Überdies kommt in Deutschland der Ausbau der „Erneuerbaren“ ins Stocken. Photovoltaik-Anlagen können nicht fristgerecht installiert und angeschlossen werden, weil der Branche schlicht die Arbeiter ausgehen oder Lieferengpässe bestehen. Die dadurch verlustig gehende Einspeisevergütung durch das EEG machen die Anlagen aber von Vornherein zu Bauruinen. Denn nur mit staatlichen Zuschüssen lohnt es sich überhaupt, derlei Anlagen zu betreiben.

Daher plant die Bundesregierung besondere Ausgleichsregelungen im EEG. Als ob dieses Land aufgrund der Corona-Krise nicht schon genug stemmen wird müssen. Spätestens jetzt müsste doch endlich auch dem Letzten aufgehen, dass Geldmittel nicht unendlich verfügbar sind und weise eingesetzt werden sollten. Stattdessen werden sie in die unrentabelste Wirtschaftsbranche gesteckt, die existiert.

Jetzt werden auch Stimmen laut, die in der aktuellen Krise einen historischen Moment zu sehen glauben, unsere Wirtschaft endlich radikal auf erneuerbare Energie umzustellen, indem nur diesen Energiekonzernen entsprechende Hilfspakete geschnürt werden. Wenn dem so wäre, hätte der Klimaschutz wirklich gewonnen. Und Deutschland wäre in einigen Jahren wieder das, was es einmal war: Wald, Wald, nochmals Wald und ein paar Wiesen.

(Bild: Pixabay)


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