Gesichtet

Die „Corona-Pandemie“ ist kein Jahrhundertereignis

Der Lockdown wurde verlängert. Es wird sogar gemunkelt, diese Maßnahmen würden uns mindestens bis ins Frühjahr begleiten. CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn bezeichnet die sogenannte Pandemie als „Jahrhundertereignis“. Und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bekräftigt: „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Todeszahlen sind aktuell so hoch, als würde jeden Tag ein Flugzeug abstürzen.“ Auch die Kanzlerin spricht von einem harten Corona-Winter.

Eines der Hauptargumente für die harten Maßnahmen ist das Ziel, die Intensivstationen vor einer etwaigen Überlastung zu schützen. Und das scheint ja auch zu stimmen. Immerhin haben einige Berliner Krankenhäuser erst vor einigen Tagen eine enorme Auslastung ihrer Intensivbetten gemeldet.

Waren die Krankenhäuser noch nie so voll?

Wenn man aber die Reden verschiedener Politiker dazu hört, meint man, das deutsche Gesundheitssystem stehe vor einer nie dagewesenen Herausforderung. Und auch in der Bevölkerung scheint die Überzeugung überhandgenommen zu haben, dass die deutschen und europäischen Intensivstationen niemals so kurz vor einer Überlastung gestanden haben.

Eine kurze Google-Recherche ergibt aber ein völlig anderes Bild. Einige Schlagzeilen aus den Grippesaisons der letzten Jahre zur Verdeutlichung: „Krankenhäuser überfüllt – Patienten liegen auf Pritschen in den Gängen.“ (2000), „Epidemie in England – Welle in Deutschland“ (2000), „Notdienste und Krankenhäuser überlastet: Grippe-Epidemie in Spanien.“ (2002), „Notaufnahmen und Rettungsdienste sind stark überlastet.“ (2016), „Grippewelle sorgt für Engpässe: Krankenhäuser in SH platzen wieder aus allen Nähten.“ (2016), „Grippe überfordert Krankenhäuser: Influenza-Patienten liegen auf den Fluren.“ (2018) „Grippewelle bringt Krankenhäuser an ihre Grenzen.“ (2019).

Vor allem aus der Grippesaison 2017/18 sind zahlreiche dieser Nachrichten zu finden. So titelte die FAZ beispielsweise am 12. März 2018: „Grippe-GAU in Leipzigs Kliniken. Ärzte: ‚Grippewelle übersteigt alles bisher dagewesene?“, und berichtete weiter: „Die Intensivstationen sind überlastet, Patienten werden abgewiesen, weil keine Betten mehr frei sind! Und selbst beim Personal ist der Krankenstand dramatisch hoch.“ Das angebliche Horror-Szenario von Triage und vollen Krankenhäusern, das deutsche Politiker dieser Tage so gern an die Wand malen, ist diesen Berichten zufolge kein „Jahrhundertereignis“, sondern vielmehr eine normale Grippesaison!

Zwar lässt sich eine bundesweite Auslastung der Intensivbetten vor 2020 nur sehr schwer nachvollziehen. Doch scheinen nicht wenige Landkreise betroffen gewesen zu sein. So berichtete der Spiegel am 16. März 2018 zum offensichtlichen Höhepunkt der Grippewelle: „Grippe legt Krankenhäuser und Ämter lahm. Bus- und Bahnverbindungen fallen aus, weil Fahrer fehlen. OP-Säle bleiben geschlossen, weil Ärzte erkrankt sind. Die Grippewelle sorgt in vielen Gebieten Deutschlands weiter für Probleme.“

Aus Nürnberg ist schon im Februar von Engpässen zu hören: „Die diesjährige Grippewelle hat die Region jetzt mit voller Kraft erfasst. Etliche Krankenhäuser können schon keine Influenza-Patienten mehr aufnehmen. Viele Kliniken haben sich wegen voller Betten bereits von der Rettungsleitstelle abgemeldet.“

Nur belegte Betten bringen Geld

Wenn 2020 eine derartige Panik um volle Intensivstationen gemacht wird, wo waren dann 2018 Merkel, Spahn und Co.? Intensivstationen waren teilweise über Wochen hinweg ausgelastet, Grippe-Patienten mussten abgewiesen werden – und trotzdem war das damals offensichtlich kein Problem. Jetzt hingegen kann man sich offenbar kaum etwas Schlimmeres vorstellen. Zumal man sich auch wirklich überlegen sollte, ob ein über 90-jähriger Patient wirklich noch beatmet werden sollte. Schließlich hat auch eine Beatmung bisweilen gravierende Folgen für den Patienten.

Grundsätzlich gilt aber auch: Ein Intensivbett zu unterhalten ist sehr kostspielig. Es kann also gar nicht im Interesse eines Krankenhauses sein, eine große freie Reserve auf der Intensivstation zu unterhalten. Nur ein belegtes Intensivbett bringt Geld. Ein leeres hingegen kostet nur. Daher sind auch deutsche Intensivstationen mehr oder weniger auf Kante genäht. Anders funktioniert es eben nicht. Dieser Grundsatz war bis 2020 allgemein akzeptiert.

So ist es nach wie vor nicht außergewöhnlich, wenn eine Triage bereits bei einem größeren Autounfall eingerichtet werden muss oder während der Ski-Saison in Krankenhäusern, die bei einem Ski-Gebiet liegen. Doch auch diese Überlegungen scheinen seit 2020 keine Rolle mehr zu spielen.

30.000 Tote jedes Jahr durch Lungenentzündungen!

Gänzlich unverständlich ist es auch, wenn Söder Corona-Tote mit einem Flugzeugabsturz vergleicht. Der einzige Zweck einer solchen Aussage liegt darin, Panik zu schüren. Es wird das Bild erzeugt, es würden jeden Tag viele Menschen durch ein außergewöhnliches Ereignis sterben. Das Statistische Bundesamt zeigt hingegen in einer Sonderauswertung der Sterbefälle von 2016 bis 2020 vom 20. November 2020: Während 2017/2018 über 25.000 zusätzliche Todesfälle wegen einer Grippe-Epidemie zu beklagen waren, gibt es aktuell 2020 keine signifikante Corona-Übersterblichkeit! Von Flugzeugabstürzen zu schwafeln ist daher unprofessionell oder böswillig.

Nicht zuletzt sollte man bedenken, dass Lungenentzündungen schon seit vielen Jahrzehnten auch in Deutschland einen hohen Tribut fordern. Am 11. Juli 2018 titelte die Berliner Morgenpost: „Lungenentzündungen: 30.000 Tote jedes Jahr in Deutschland.“ Diese Zahl habe sich in den letzten 70 Jahren kaum verändert.

Wie vor diesem Hintergrund von einem „Jahrhundertereignis“ geredet und drakonische Maßnahmen verhängt werden können, ist mit der Besorgnis deutscher Politiker um das Leben der Bürger nicht zu erklären. Will man Politikern und Medien ihr aktuelles Verhalten zu ihren Gunsten auslegen, sind sie lediglich absolut unfähig und ungeeignet. Will man das hingegen nicht, bleibt einem nichts anders übrig, als bösartiges Verhalten anzunehmen!

(Bild: Pixabay)


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