Alter Blog

Die digitale Autobahn und die Links des Tages

Es ist schon manchmal verblüffend, wie schnell es auf der digitalen Autobahn zugeht. Wer soll all die Informationen bloß verwerten? Wenn ich mir anschaue, welche Links unsere Autoren allein in der letzten Stunde (es ist grad Mittagszeit, ich bin auch gleich erstmal in der Küche) auf Facebook geteilt haben, dann ist das ja schon genug Lesestoff für einen Tag – das Nachdenken und Tieferbohren inklusive.

Folgende Themen interessieren grad unsere Autoren:


Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

4 Kommentare zu “Die digitale Autobahn und die Links des Tages

  1. Petrus Urinus Minor

    Was Lorenz Jäger hätte schreiben sollen:

    Liebe Konservative:

    Wie oft hörte ich von Ihnen: man müsste… Man sollte… Wenn endlich…
    Die größten Hoffnungen legen Sie man wieder und wieder in „Wahlen“; „Hoffnungsträger“ und „den Zusammenschluss aller konservativen Kräfte“. Sie träumen von „friedlichen Revolutionen“ und scheinen recht gern Spengler zu lesen. Ich habe zugehört, lange gewartet, aber inzwischen habe ich ziemlich die Schnauze voll von Ihnen.

    Ich habe ehrlich gesagt kurz überlegt, ob ich zur anderen Feldpostnummer (wie Sie das so schön mit Altherrenwitz zu sagen pflegen) wechseln soll. Denn von Ihnen kommt wohl nichts mehr und langsam wird mir der Boden heiss unter den Füßen.

    -

    Ich will Ihnen mal was sagen: in 20 Jahren ist hier Schluss. Demographisch Schluss. Schluss – Aus – Mickymaus. Und daran werden irgendwelche konservativen Gesprächskreisle, Verschwörungspamphlete im Selbstverlag und verkniffene Trudchen im geblümten Kleid nichts ändern. Genausowenig wie die x-te achsoliberale Kleinstpartei! Wenn man dem Bürger sagt, dass die „Freiheit“ Nazis sind, dann glaubt der das auch. Punkt. Da kann sich das Stadtkewitz weinerlich distanzieren, soviel er will.

    Wenn 5000 Ein-Themen-Fetischisten sich gegenseitig zehnmal am Tag versichern, wie recht sie doch haben, dann ergibt das 50.000 Zugriffe am Tag bei PI – aber keine Hoffnung für eine neue Partei, keine neue Bewegung, denn den Bürger interessiert dies alles einen Dreck.

    Sie fragen sich nach der Legalität der Meinungsäußerung? Nach der Berechtigung, doch schließlich nur die Wahrheit zu sagen? Nach der Richtigkeit eines Sachverhaltes, nämlich dass Mohammed bei Neugeborenen der häufigste deutsche Vorname ist? Schließlich und zum Erbrechen immer wieder der Ruf nach der endlich perfekten konservativen Kleinstpartei? Die endlich nichts mit Nazis zu tun hat? Und nichts mit Reichsflugscheibentheoretikern und anderen verkrachten Gestalten? Und wenn dann noch endlich der richtige Anführer käme… der März, der Sarazin, der Henkel? Wie brav! Die Deutschen Konservativen kaufen wohl noch zur Revolution eine
    Bahnsteigkarte.

    -

    Wissen Sie eigentlich, wie die Zukunft aussieht? Ihre Altersversorgung? Einen Schlauch in jede Öffnung, ans Bett fesseln und alle drei Tage Waschlappen von der Billigpflegekraft! Und haben sie es alle nicht verdient?

    Die Konservativrentner, die wirklich nichts mehr zu verlieren hätten und nur labern, labern, labern …; die Elterngeneration, die unendlich verspießerten arrivierte; die jung hip dynamisch erfolgreichen Eppendorfer Grünenwähler; die engagiert hysterische Klassensprecherantifatusse bei Amnesty, Greenpeace und im Sportverein?
    Betteln sie nicht beide in Wahrheit nach der harten Hand, das feministische Grünweibchen und der neoliberale Siegertyp?

    Und gerade Sie? Selbst der rechtskonservative Verächter, der soldatische…

    Für das Weibchen gibt es in der Zukunft wahrhaft virile Liebhaber und das Männchen kann in der Hölle, die die Zukunft sein wird, endlich beweisen, dass es zu Recht zu den Alphatieren gehört…

    -

    Keine Revolution hat jemals ohne Gewaltpotential funktioniert. Selbst die friedliche „Revolution“ von 1989, die eben keine war, hatte durch die Weltöffentlichkeit und die Masse so ein Potential. Es gälte eben, diesen Schritt zu gehen, den Point of no return zu überschreiten.

    Andernfalls landet man bei Professorenparlament (1848) und dem Merkel.

    Den Adel entrübt zu haben ist die größte Errungenschaft der Franzosen, selbst wenn die französische Revolution seltsame Züge von Jakobinertum und Großem Orient trug. Selbst wenn ein Großteil des heutigen Dilemmas damals von genau diesen Erwähnten ideologisch seine Grundlagen gefunden hat.

    Natürlich könnten Sie einwerfen, dass nach Umwälzungen sich noch stets neue Opportunisten gefunden haben, das immer wieder orwellsche „Schweine“ nachwachsen und sich voll stiller Größe in Ihre Diskussionsrunden zurückziehen.

    Sie hätten recht. Aber wenigstens wurden die alten entfernt. Dass die Natur des Menschen, die natürliche Korruption in Bahnen gelenkt wird, ihr Grenzen gesetzt werden, denn mehr ist gar nicht möglich, dass ist die einzige Aufgabe einer Verfassung. Danach. Aber der erste Schritt muss gegangen werden. Alles andere bleibt Laberei.

    -

    Ist die Lage Hoffnungslos?
    Die Geistvollen unter Ihnen handeln nicht, die kleinstkriminellen Handelnden sind brav nach Weisung kriminell, die Narren freuen sich über Zugriffszahlen, Israel und Claudia Roth, die Verkrachten über Kraftstrahlkanonen und die Grausamen am Neumanchester…
    Ist es nicht besser für mich Sie alle, die versagt haben in einen Topf zu werfen, Deckel drauf und endlich wieder zur Gesellschaft zu gehören? Schließlich: Ich bin dank Gnade der frühen Geburt alt genug und nach mir die Sintflut?

    NEIN!
    Nur Schluss mit den Illusionen! Schluss mit den Illusionen, mit den Hoffnungen, die wir ganz bewusst solange nähren sollen bis es zu spät ist.

    Aufklärung? Schwachsinn!
    Die Menschen wollen es nicht glauben, sie werden nicht zuhören. Esoterisch-Hysterischer Hitlerismus, Genderblödsinn und Multikultivölkermord sind die Staatsreligion dieser BRD!
    Eine Religion stirbt aber nicht durch den Gegenbeweis.

    Wahlen? Unfug!
    Es wird keinen Erlöser geben, keinen Statdtke-Witz, keinen Henkel, keinen März und keinen Sarazin. Es wird sich nichts ändern, auch nicht durch einen deutschen Strache oder Wilders.
    Wenn Wahlen in diesem System noch etwas ändern könnten, wären sie verboten.

    Keine Gewalt? Rübe ab!
    Keine Revolution ohne Zusammenbruch; kein Zusammenbruch ohne Gewalt. Es wird innerhalb dieses Systems keinen Generalstreik geben, keine friedlichen Massenversammlungen, keinen Zusammenhalt und keinen Ghandi. Gewaltloser Widerstand funktioniert nur solange, wie das System für alle Teilnehmer ohne Ausschluss vom Diskurs demokratisch ist und die Presse wohlwollend.
    Beide Bedingungen sind nicht mehr gegeben.

    Heißt das, man sollte zur Gewalt aufrufen?
    Aber nein, wie dumm wäre das. Mit kleckerlichen und lächerlichen Gewalttaten anzufangen, wäre das dümmste, was eine Kleinstminderheit tun könnte. Das brauchen Sie auch gar nicht. Das besorgen andere.

    Das System bröckelt gerade und hält nicht inne. Treiben wir ihm, dem Tiger, im Gegenteil die Sporen in die Flanke! Wählen wir die Grünen. Hoch mit jedem Rettungsschirm! Hurrah für die Gleichstellungsbeauftrage und das zehnte Umweltverträglichkeitsgutachten. Machen wir es dämlicher! Machen wir es teurer!

    Deswegen bin ich auch in weisester Voraussicht in den Schoss des Systems scheinbar zurückgekehrt! Zur Gewalt werden andere greifen. Das geschieht bereits. In Berlin, in Stuttgart, in den Ghettos. Was wird erst geschehen, wenn das System fällt?

    Dann aber werden die gleichen, die jetzt nicht zuhören wollen, die verfluchten Spießer, deren Tarnkappe ich nur trage, nach der Ordnung rufen! Dann gilt es, eine Verfassung zu erarbeiten, die die natürliche Korruption etwas mehr in Fesseln schlägt.

    -

    JETZT aber kann es für jeden Deutschen nur einen Gedanken geben:
    „Wie kann ich Öl ins Feuer gießen?“

  2. Wirklich sehr guter Text.

  3. MorbusHungaricus

    Zum »Rechtsruck« in Budapest:

    Im Bericht spricht man von der »Ablösung« des jetzigen Direktors. In der Wirklichkeit ist sein Vertrag (von drei oder fünf Jahre, ich weiß es jetzt nicht genau) ist einfach ausgelaufen. Die Stelle wurde ausgeschrieben und zwei Kandidaten haben sich beworben: István Márta (der jetziger Direktor) und György Dörner, ein bekannter Schauspieler. Ende des demokratischen Rechtsstaats: statt Márta, hat Dörner die Stelle bekommen.

    Im Bericht steht auch dass Dörner und Csurka »nur noch nationale ungarische Dramen präsentieren« wollen. In der Wirklichkeit steht in Dörners Bewerbung (http://atlatszo.hu/wp-content/uploads/2011/10/dorner.pdf) dass sie (neben der Stücke die auch jetzt laufen) in 2012/2013 ein Stück von Ibsen, in 2013/2014 Stücke von Schiller und James Joyce spielen planen.

    Zum angeblichen »politischen Deal zwischen der Regierungspartei Fidesz und Csurkas rechtsextremer Partei« muss man wissen, dass seit 2002 Csurka keine Rolle in der Ungarischen Politik spielt. Seine Partei MIÉP ist längst tot, und er hat keine Beziehungen mit der jetzigen »rechtsextremen« Partei, JOBBIK.

    (Übrigens sind MIÉP und JOBBIK zwei ganz verschiedene Sachen, und für ganz verschiedene Zielgruppen gemeint. MIÉP war die Partei von der antikommunistischen »Mittelschicht« und die Partei der »nicht_links_liberalen« Intelligenz die sich von der »Jüdischen Welthegemonie« bedroht fühlten. JOBBIK, auf der anderen Seite, ist mehr eine national-sozialistische Partei die eine sehr einfache Rhetorik gegen die »Banken« und die Zigeuner (oder Ausländer) benutzt, und solche Sachen wie »mehr Ordnung« fordert. Weil MIÉP in die wohlhabenderen Bezirken von Budapest in ihrer Zeit ganz populär war, JOBBIK hat praktisch keine Wählerschaft in Budapest.)

    Im Allgemeinen, sollt ihr solche Berichte aus Ungarn mit Kritik betrachten.

  4. Peturs Urinus Minor

    Ich habe meine Beurteilung der Lage auf verschiedenen Blogs veröffentlicht.
    Wie man sich vorstellen kann, waren die Reaktionen, insbesondere von “PI-Ein-Themen-Fetischisten” und “Konservativrentnern” durchwachsen.

    Die wichtigste inhaltliche Kritik war jedoch folgender Vergleich:

    Mein Vorschlag wäre wie der Versuch, auf der Titanic, nachdem man verstanden hat, dass es nichts bringt, weiter mit einem Zahnputzbecher Wasser aus dem Schiff zu schöpfen, nunmehr mit dem Putzeimer mehr Wasser hereinzuschütten.

    Das ist vollkommen korrekt.

    Je schneller das Schiff am Sinken ist, desto schneller hört wenigstens die Scheisskapelle auf zu spielen und desto schneller werden wenigstens einige der Passagiere ihren Hintern in die Rettungsbote bewegen.

    Und vielleicht bekommt der Kapitän noch ein Seegerichtsverfahren vor seinem Ruhestand.

    Mehr ist nicht möglich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzinfo