Gesichtet

Die Doppelmoral der Moderne

Wohl noch nie hat eine Generation gelebt, die sich so viel darauf eingebildet hat in einer vermeintlich freien und aufgeklärten Zeit zu leben. Voller Verachtung blickt man auf all die Epochen zurück, in denen die heutigen Werte noch nicht galten.

So gut wie alle Vertreter vergangener Epochen werden so im Nachhinein zu reaktionären Bösewichten. „Eine bessere Zeit als die heutige gab es noch nie.“ Dies ist wohl eine weitläufig vertretene Meinung innerhalb eines gewissen kosmopolitischen urbanen Milieus. Doch besteht tatsächlich ein Anlass zu derartigen Lobgesängen? Leben wir heute tatsächlich im sogenannten Paradies auf Erden?

Ist es tatsächlich so, dass sich jeder heute gemäß seinen Vorstellungen selbst verwirklichen kann? Ist es tatsächlich so, dass heute niemand mehr benachteiligt wird, niemand mehr in eine Rolle hineingedrängt wird, die er nicht spielen möchte? Oder beruht dieses ganze Gerede von der freiesten und aufgeklärten Zeit nicht auf einer einzigen großen Selbsttäuschung?

Kinderrechte und Abtreibung

Derzeit wird diskutiert, ob Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden sollen. Den Familien, gemäß 68er-Ideologie ohnehin nur Keimzelle des Faschismus, traut man eine ausreichende Erziehung bzw. einen ausreichenden Schutz der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft offenbar nicht mehr zu. Vater Staat möchte sich daher langsam, aber sicher die Hoheit über die Erziehung seiner Kinder sichern.

Ganztagsbetreuung schon im Kleinkindalter ist da nur der Anfang. Jedes Kind, egal aus welcher sozialen Schicht, egal welcher Herkunft, egal ob geistig oder körperlich behindert oder nicht, soll im Bildungssystem mittels Inklusion gleiche Chancen haben. Für geborene Kinder scheint der Staat mittlerweile also ein gewisses Übermaß an Fürsorge entwickelt zu haben.

Doch wie sieht es mit jenen Kindern aus, die noch nicht auf der Welt sind? Im letzten Jahr wurden allein in Deutschland abermals über 100.000 Kinder im Mutterleib zu Tode gebracht. Kleine menschliche Körper wurden hierbei auf das brutalste verstümmelt. Zehntausende Individuen vernichtet. Etliche Leben, die im Begriff waren zu entstehen, durften nicht gelebt werden. Ferner als die sogenannten Sternenkinder waren sie dem irdischen Leben. Als „Schwangerschaftsgewebe“ der Menschenwürde beraubt.

Das reinste und unschuldigste, das auf der Welt existieren kann, wurde in 96 Prozent der Fälle weder aus medizinischer noch aus kriminologischer Notwendigkeit heraus zerstört. Sie alle fielen der Ideologie von der Selbstbestimmtheit der Frau zum Opfer. Wenn sich der Trend durchsetzt, Kinder noch im Mutterleib auf potenzielle Behinderungen testen zu lassen, dürfte die Zahl der Abtreibungen in Zukunft weiter steigen.

Emanzipation und Prostitution

Der „Befreiung der Frau“ wird im politischen Betrieb seit einiger Zeit fast alles untergeordnet. Frauenquote, geschlechtergerechte Sprache und die Beseitigung der Vorherrschaft des alten, weißen Mannes sind hierbei nur die ideologischen Eckpunkte. Das häusliche Umfeld samt Kinderbetreuung schickt sich für die moderne und aufgeklärte Frau des 21. Jahrhunderts nicht mehr. Die sogenannte Metoo-Bewegung machte in letzter Zeit auf den vermeintlich alltäglichen Sexismus in allen Gesellschaftsschichten aufmerksam.

Nicht nur, dass durch den Bionade-Feminismus die Gefährdungslage vieler Frauen in westdeutschen Großstädten vollkommen verkannt wurde, weil die meisten Frauen nicht den alten, weißen Mann als Bedrohung empfinden dürften, sondern eine andere Personengruppe. Die meisten feministischen Aktivistinnen lassen auch jenes Feld, in dem heute die Frauenrechte massiv mit Füßen getreten werden, außer acht. In nahezu jeder deutschen Großstadt existiert ein mehr oder weniger großes Rotlichtmilieu. Teilweise ganze Straßenzüge werden zum Ausdruck der Schande.

Mit buntem Neonlicht soll das tausendfache Leid, das sich dort abspielt, überstrahlt werden. Deutschland gilt mittlerweile als das Bordell Europas. Die erhoffte Besserung der Lage der vielen Prostituierten durch eine bewusst liberale Gesetzgebung ist nicht eingetreten. Deutschland ist somit Dreh- und Angelpunkt für Menschenhandel und Sextourismus. Wo ist hier der Aufschrei all der Frauenrechtsorganisationen, die ständig gegen das Patriarchat wettern? Wo sind die Organisationen, die in den Schulen über dieses unsägliche Leid informieren?

Stattdessen werden die Schüler mit Propaganda über die sogenannte sexuelle Vielfalt zugedröhnt. Sicher, Prostitution hat es zu allen Zeiten bedauernswerterweise gegeben. Heute jedoch werden viele Angehörige des männlichen Geschlechtes schon durch Pornografie-Konsum im Kindesalter in eine menschenverachtende Welt hineingezogen, so dass die sogenannten Freudenhäuser nicht mehr als etwas Verwerfliches, sondern als etwas vollkommen Normales angesehen werden. Es sind die niedersten und verachtenswerten Triebe des Menschen, die hier bewusst gefördert werden.

Klimaschutz und Konsumgesellschaft

Ein drittes, wenn auch weitaus weniger drastisches Beispiel für die allgemeine Doppelmoral unserer Zeit ist die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit viele Vertreter der „Klimaschutz“-Bewegung. Jene Generation, der scheinbar keine Klimaschutzmaßnahme radikal genug sein kann, ergeht sich andererseits in nie dagewesenem Materialismus und Konsumismus.

Jene, die am eifrigsten für die Rettung des Klimas protestieren, sind auch jene, die am eifrigsten für Masseneinwanderung und Globalisierung eintreten. Sie wähnen sich im Widerstand gegen eine Entwicklung, die sie in Wahrheit nur noch radikaler und nur noch allumfassender wollen. Eine nützlichere „Opposition“ hat es wohl noch nie gegeben.

Man könnte die Liste der Widersprüche unserer Zeit wohl noch beliebig lang fortführen. Wie werden wohl künftige Generationen über diese riesengroße Kluft zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Realität urteilen? Die Oberflächlichkeit, die breite Volksschichten erfasst hat, wird dann wohl endlich jene Verachtung erhalten, die sie verdient. Die Moderne wird, sollte sie keinen Ausweg aus all diesen Widersprüchen finden, irgendwann krachend scheitern.

(Bild: Pixabay)


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