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Die erfolgreiche Roma-Frau: Jane Simon

Die Wirkmächtigkeit von Fakten und Statistiken außer Kraft zu setzen, funktioniert ganz einfach: Man nehme einen Einzelfall, der in eine andere Richtung weist und breite ihn aus, ohne die Fakten zu nennen. So macht das heute auch die BILD mit Jane Simon – einer Roma-Frau, die es geschafft hat.

Jane Simon ist 33 Jahre alt. Bis Anfang 20 wuchs sie bildungsfern auf. Dann besucht sie aus eigenem Antrieb die Schule und machte wenig später sogar Abitur. Nun arbeitet sie als Bildungsberaterin und darf sogar im Deutschen Bundestag über die Situation ihrer Minderheit sprechen.

Jane Simon hat sich aus ihrem Milieu selbst befreit. Das ist ohne Frage sehr erfreulich und beweist, daß, wer sich integrieren möchte und sich dabei anstrengt, es sehr weit bringen kann.

Der Leser soll nun glauben, Jane Simon stehe repräsentativ für die Roma. Ganz nach dem Motto: Eigentlich wollen sie ja, aber die »Ausgrenzungsmechanismen von Staat und Gesellschaft« (Deutschlandfunk) sind zu stark.

Stimmt das oder sind diese Ausgrenzungsmechanismen genauso aufgebauscht wie der immer wiederkehrende Hinweis auf die Verfolgung der Sinti und Roma im Dritten Reich?

2011 ist eine Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma erschienen. Deutlich zu erkennen ist bereits an der Anlage der Untersuchung, daß es hierbei um Interessenpolitik und nicht Wissenschaft geht. Aber egal. Die Ergebnisse sind trotzdem interessant:

  • Über 80 % haben schon antiziganistischen Beschimpfungen und Vorurteile erlebt.
  • Nicht mal 20 % der Sinti und Roma haben eine Berufsausbildung. Im Bundesdurchschnitt sind es über 80 %.
  • 13 % besuchten nie eine Schule. In der restlichen Gesellschaft liegt dieser Wert bei unter einem Prozent.
  • 44 % haben keinen Schulabschluß. Zum Vergleich: 7,5 % der 15-17-Jährigen haben keinen Hauptschulabschluß erreicht.
  • 2,3 % besuchten ein Gymnasium. Im Bundesdurchschnitt sind es knapp 25 %.

Mit Diskriminierung kann man sicher geringfügige Unterschiede erklären. Aber bei so krassen Unterschieden reicht diese monokausale Erklärung eben vorne und hinten nicht aus.

Woran liegt es also, daß nicht alle Roma so wie Jane Simon sind?

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

9 Kommentare zu “Die erfolgreiche Roma-Frau: Jane Simon

  1. WernerBeinhart

    Anderes Wertesystem + deutsches Steuergeld in der Tasche.

  2. Vielleicht an den gleichen Gründen, die daran Schuld tragen, daß nicht alle Deutschen so wie Goethe oder Max Planck sind?

  3. Der Bericht bei http://www.dradio.de ist sehr interessant. Er geht teilweise in die Details. Ich selber kenne eine Roma-Familie, wo manche Aussagen von diesem Bericht zutreffen.

    Bildung ist wichtig.

    Nächstenliebe ist eine wichtige Grundlage für das Miteinander auf dem Weg in eine lebenswerte Zukunft..

    ?????r .

  4. Hartmut Wenger

    In meinen Augen ist der einzige Weg mehr Roma auf die Erfolgsspur zu bringen Hardstyle. Hardstyle den ganzen Tag und zwar auf beide Ohren. Das regt Hirn und Muskeln an.

  5. @H. Wenger
    Gepflegtes Essen oder ein Gang in die Oper können auch zur Bildung und Verbesserung der sozialen Kompetenz beitragen. (Stichworte: Zigeunerschnitzel, Zigeunerbaron).

  6. Hartmut Wenger

    Die Oper? Wo oder besser wann leben Sie? Oper klingt nicht umsonst wie Opa, die Menschen brauchen etwas modernes… Hardstyle!

  7. Dušan Jovanovi?

    Ich gehöre selber zum Roma und muss sagen Glückwunsch für so eine starke frau,Durchsetzungsvermögen und Geistliche wille
    ist ihre Besonderheit so stabil auf die beine zu stehen!!:)Frg.Napoleon aus Mönchengladbach!

  8. Dušan Jovanovi?

    Ich wurde gerne mit der Frau kontaktieren,
    Int.adresse oder ähnlich!?

  9. Das ist eine Nachricht an Frau Simon, bitte weiterleiten, danke!
    Liebe Frau Simon,
    es hat mich sehr gefreut, über Sie als ›besonderen Menschen‹ im ›Stern‹ zu lesen!
    Ihr Engagement finde ich toll, ich hoffe die Dankbarkeit der Menschen gibt Ihnen auch immer wieder Kraft weiter zu machen! Ich habe nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Europa an mehrere EU-Parlamentarier geschrieben, mit der Bitte, das Preisgeld für bessere Lebensbedingungen für Sinti und Roma zu verwenden, leider vergeblich. Aber es geht mir sehr zu Herzen, dass Menschen in Europa, also mitten unter uns, immer noch so schlimm diskriminiert werden und Gewalt erleiden müssen, in manchen Ländern sogar von Seiten der Behörden. Vor Kurzem habe ich eine Petition bei Avaaz gestartet zu diesem Thema. Hier ist der Link:
    http://www.avaaz.org/de/petition/ich_habe_den_wunsch_dass_sich_die_Lebenssituation_der_Sinti_und_Roma_verbessert_in_Europa_und_ueberall_auf_der_Welt/?copy
    Ich würde mich über eine Unterschrift von Ihnen freuen, auch über das Weiterleiten des Links an Leute, die ebenfalls helfen wollen. Wenn viele Unterschriften zusammen kämen würde sich vielleicht auch Avaaz des Themas annehmen.
    Ich würde Ihnen auch gern die Briefe an die Parlamentarier zusenden wenn Sie mir Ihre E-Mail-Adresse mitteilen. Könnte ich sonst irgend etwas tun?
    Ihnen wünsche ich weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Arbeit und persönlich alles Gute!
    herzliche Grüße von Irmi Stenzel

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