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Die Globalisierung als »rasender Stillstand«

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Mit ein paar Zitaten aus dem Essay »Rasender Stillstand« (1989) des französischen Philosophen Paul Virilio möchte ich einmal kurz markieren, worum es gehen sollte:

Alles, was sich bislang in der Gestaltung der unmittelbaren Umgebung des realen Raums der Stadt oder des Landes abspielte, wird sich in Zukunft allein in der Organisation der Kontrolle der Leitfähigkeit der Bilder und der realzeitlichen Information abspielen. Den Realraum zu gestalten, um die Umwelt zu kontrollieren, das war seit dem Ursprung des STADT-STAATES und der feudalen Erfassung des Territoriums das erklärte Ziel jeder Geopolitik; und das bis zur endgültigen Vollendung der STAATS-NATION. In Zukunft wird die Kontrolle der Umwelt dazu beitragen, eine wirkliche Chrono-Politik, was sage ich, eine DROMO-POLITIK zu verwirklichen, bei der die Nation zugunsten einer sozialen Entregulierung und einer transpolitischen Dekonstruktion verschwinden wird: Die Fernbedienung wird zunehmend nicht nur die Führung, das unmittelbare Gebot ersetzen, sondern vor allem sowohl die Ethik (die Zehn Gebote) als auch bereits den Ansatz der Einrichtung dieser berühmten »Ethik-Kommissionen« im Bereich vor allem der Genetik und bald auch, daran besteht kein Zweifel, in anderen ökologischen, ökonomischen oder strategischen Bereichen.

(…)

Die Implosion der Realzeit bedingt von nun an die Gesamtheit des Austauschs, und die Erfahrung des von der Computertechnik verursachten Börsenkrachs im Jahre 1987 ist nur ein Vorzeichen für andere ökonomische Katastrophen, vor allem aber ist sie das Vorzeichen für die Vielzahl der dramatischen Brüche im Bereich des sozialen Austauschs und der sozialen Kommunikation. Je größer die Zirkulationsgeschwindigkeit der Information wird, um so stärker wächst in der Tat die Kontrolle des Tauschs und des Austauschs an und strebt danach, sich zu verabsolutieren. Die Allgegenwart der Kontrolle zielt darauf ab, aus ihr das Substitut der Umwelt der Menschen zu machen, seine ERDE, seine alleinige UMGEBUNG.

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