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»Die Grenze« – Reaktionen wenige Minuten danach

Ich habe in den letzten Tagen interessiert die PR-Strategie rund um den Film »Die Grenze« verfolgt. Heute nun lief der erste Teil. Direkt danach widmete sich eine Dokumentation der »Gefahr für unser Land« – gemeint war der Rechtsextremismus. Andrea Röpke kam darin ausführlich zu Wort und Christoph Butterwegge beriet im Hintergrund.

Zurück aber zur Öffentlichkeitsarbeit, die sehr stark auf Partizipation gerade auch für Internetnutzer setzte. In Facebook habe ich mir die Auswirkungen dessen angeschaut und tatsächlich wurde während des Films fleißig kommentiert. Ein paar Auszüge:

Reaktionen während des Films:

M.B.: hallo!!! – vergesst bitte nicht das es nur ein film ist – »und auch bleiben SOLL!!!!!!« lg aus österreich nach GANZ deutschland!

S.D.: schön das man das bundesland in den dreck kehrt und der film stellt uns da als ob wir alles faschisten oder sympathisanten sind und als ob wir noch total ost denken

M.S.: ahhhh sowas unrealistisches hab ich ja noch nie gesehen !! Spätestens nach der Aktion der Absperrung der Stadtteile Rostocks wäre alles was laufen könnte Bundeswehr, etc. vor ort !!! DEs glaubt ihr doch wohl selber net

Reaktionen nach dem Film (gesammelt 0:16 Uhr):

S.H.: schmarrn…? leider nicht! …das gegenseitige ausspielen politischer gruppierungen wird wohl schon realität sein, um sich an der macht zu halten…den karren fahren ja nicht die bombenleger in den dreck, das machen schon die da »oben«…oder wer feiert es als einen großen sieg, »nur« noch 800 milliarden schulden zu haben..? ..aber was will der film nun erreichen…????????

H.S.:

wieso soll das unrealistisch sein, die Bundesrepublik besteht aus kleineren autonomen Einheiten (Gliedstaaten), die ihrerseits eigene staatliche Aufgaben erf… Mehr anzeigenüllen können. Sie sind zu einem übergeordneten Ganzen zusammengeschlossen, dem Bund.

Im föderalen Bundesstaat sind die staatlichen Aufgaben zwischen Bund und Gliedstaaten so aufgeteilt, dass beide politischen Ebenen für bestimmte (verfassungsgemäß festgelegte) Aufgaben selbst zuständig sind. Die Autonomie der Gliedstaaten – die in Deutschland als Länder (Bundesländer) bezeichnet werden – in einem föderativen System zeigt sich darin, dass die Mitglieder des Bundes über eigene Legitimität, Rechte und Kompetenzen verfügen. So hat jedes Land eine eigene Landesverfassung und dementsprechend eigenständige politische Institutionen für die Exekutive, die Judikative und die Legislative.

gesetzlich ist eine abspaltung möglich!!!!!!

M.B.: Warum heißt es rechtsradikal, aber nie linksradikal???

Die Konservativen meinen:

A.W.: Man will eben das Klientel bedienen. Der seit 40 Jahren arbeitslose Frührentner Horst aus Neuruppin fühlt sich bestimmt wie im siebenten Himmel…

J. S.: ein bisschen einseitig….

F.W.: Was ist denn das Klientel und warum findet Horst das toll?

A.W.: Das Sat1-Klientel wird glaub ich als »Unterschicht« bezeichnet und die mögen eben Sendungen, die ihre eigene politische Labilität ausdrücken…

F.W.: Sat1 Klientel ist doch keine Unterschicht? Und die Unterschicht ist Rechtsextrem?

A.W.: Dann guck Dir mal deren Sendungen an. Da ist ein Format dämlicher als das andere. Und schau Dir mal den Bildungsgrad von Wählern extremer Parteien an. Da ist einer dämlicher als der andere. Merkste was?

A.P.: Ich fand´s gut.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

13 Kommentare zu “»Die Grenze« – Reaktionen wenige Minuten danach

  1. Nils Wegner

    Tja… Schauen wir morgen mal, ob es NOCH schlimmer werden kann.

    Ich habe mir ja schon vor die Stirn geschlagen, als ich las, dass der Bösewicht AUSGERECHNET mit Thomas Kretschmann besetzt worden ist. Der ist ja nun auch schon eine ganze Weile auf Paradenazi-Rollen abonniert.

  2. sorry, hab nur reingezappt und dann schnell weiter, zu RTL-WWM, Ngorongoro-Krater u.s.w., denn der erste Eindruck war: was soll das werden, ein NULL-NULL-SIEBEN-Remake mit nem bösen Wichtl unter Plexiglas-Kuppeln ?

    Diese Szene erinnerte mich sofort an den unvergessenen Ulrich Mühe, seines STERN-Zeichens Verlagsleiter unterm hellen Glasdach, bloß weniger komisch, sondern nur Dr. SELTSAM.

    Mein unbedarftes Fazit: schnell vergessen und möglichst nicht mehr daran erinnert werden.

  3. … der legendäre Glaspalast ist hier zu sehen:

    http://www.youtube.com/watch?v=QTGMnPS-nxg

  4. Erstens ist es eine Sauerei Meck/Pommm zu verunglimpfen.Hoffentlich haben sich unsere Politidioten diess Horrorzenarium angesehen.die da oben sind doch Schuld wenn so etwas passiert.Sie lassen doch die Geldgeilen Banker und Manager weiter gewähren,weil Sie auch im Summpf stecken getarnt als Lobbyisten,Wahlbetrüger und Vaterlandsverräter.Ihnen ist jedes Mittel recht um an der Macht zu bleiben,sie verbünden sich mit den Kommunisten um Ihr Spiel weiter zu treiben.Vergesst nicht man wollte auch schon mal die PDS als Verfassungsfeindlich verbieten,nur um die NPD auszuschalten.Die Politeiker haben nur Angst um Ihre Macht das Volk ist dabei scheißegal.Wenn das Volk das nicht begreift kann es wieder so kommen wie damals Hitler gegen Thälmann.Das Volk wird entscheiden aber Schuldlos wenn es in die Knie gezwungen wird.Aber bitte nicht mein Bundesland als das Böse darstellen,es wird in der ganzen BRD so sein wenn es allen Bürgern gleich schlecht geht.Denk ich an Deutschland in der Nacht bin ich um den Schlaf gebracht.

  5. »Das Volk wird entscheiden …«

    Welches »Volk« ?
    Bis es »allen Bürgern gleich schlecht geht«, wird das einstige Staatsvolk wohl bestenfalls einen »Volkssturm« aufstellen können … und das ist schon damals nicht erfolgreich gewesen. 😉

    … im übrigen hat schon Bismarck M-V schlecht gemacht.
    Das »Knackpuntk« der Produktion ist, daß man ad hoc gesellschaftl. Bedingungen simulieren muß.

  6. L'ancien régime

    Ich hätte einige Adnotationen:

    - der internationale Kontext wird recht wenig beachtet. Was geschieht auf globaler Ebene, diplomatisch, wirtschaftlich, militärisch?
    - was geschieht in der übrigen BRD, außerhalb Rostocks und Berlins?
    - wieso ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern, und wieso Rostock und nicht bspw. Schwerin?
    - wieso wird das Szenario in dieses Jahr verlegt? Sollen die Offiziellen doch Pendants der realiter existierenden sein? Soll Geri an Gysi erinnern, wenngleich er nicht so aussieht? Gleichzeitig Regierungswechsel (und dann wieder eine Frau), Umgründung der SED/Linke wie auch der NPD mit völlig neuen Führungsriegen ist ja nach menschlichem Ermessen so kurzfristig kaum vorstellbar. Aber gut, es ist ein Film
    - aber was will er eigentlich bezwecken?
    - Schnell ist so reich wie Dr. Frey und Dr. Brinkmann (gut, den kannte wohl noch niemand), dynamisch wie Haider und Strache. Absicht?
    - für wen sollen nun eigentlich Sym- und für wen Antipathien geweckt werden`? Für Schnell Antipathien, das ist deutlich. Andererseits, alle beschimpfen ihn als »Nazi«, aber er tritt ja wirklich nicht so auf. Erweckung des Eindrucks der Gefahr eines seriösen Nadelstreifen-NS?
    - immerhin gar nicht so unklug, auch Schnell eine gleichsam linksradikale Vergangenheit zu geben, oder anderenfallsihn als skrupellosen Machtmenschen ohne eigentliche Inhalte zu verstehen, sollte das alles nur Spiel gewesen sein
    - Demagogie: soll auch die Geris als verwerflich aufgenommen werden? Oder wenigstens die Verlogenheit angesichts dessen, daß er Versprechungen macht, die er doch nur dank Zusammenarbeit mit der Bundesregierung einlösen kann?
    - oder soll er als der arme Getrieben gelten, der nur das Beste will, im Gegensatz zu Schnell?
    - auch immerhin interessant, daß die VS-Tante recht unerbittlich dargestellt wird, dem VS hier durchaus Existenzvernichtung zugetraut wird, gegen einen ehemaligen Linskradikalen, der die Rechtsradikalen bespitzeln soll, aber aus persönlichen, nicht aus ideologischen Hintergründen zuvörderst. Daß überhaupt dieses Ränkespiel zum Machterhalt der politischen Klasse dargestellt wird
    - wie soll eigentlich die DDR-Nostalgie des ehem. NVA-Offiziers und anderer Leute wirken? V. a.: da ist die Rede vom Einstehen für eine bessere DDR. Also Akzent auf die Reformsozialisten in der Wendezeit, statt auf Wiedervereinigung und Abkehr vom Sozialismus
    - der Akzent wird weiterhin hier deutlich auf die Gewalt der Rechtsradikalen gelegt
    - wo sind die Stasi-Seilschaften?
    - wo ist die Ausländerproblematik?
    - wo ist die Kirche, wo sind echte Konservative, echte Rechte? Gut, die letzten beiden Fragen beantworten sich beinahe von selbst
    - insofern: Zuspitzung auf Materielles als Band der Gesellschaft, was wohl richtig erfaßt ist; Radikalisierung als Folge, aber eigentlich jeweils nur Wiederaufwärmen säkulärer Heilslehren. Echte Alternativen werden ja, s. die letzte Frage, gar nicht aufgezeigt. Einige könnten Verständnis für nationale Bestrebungen haben, ihnen wird aber die entsprechende Gruppierung als machtgeil und verlogen vorgeführt; bestenfalls können Sympathien für den Sozialismus erweckt werden, aber freilich keine tiefen (gottlob; ein SED-Film ist es ja nun auch nicht).

    Aber was deutlich wird, ist doch: es gibt Gefahren, die Krise kann sich verschärfen, aber nun ja, nur bei außergewöhnlichen Umständen; also alles vielleicht gar nicht so schlimm, aber wenn, taucht ein moderner, noch gerissenerer Hitler auf. Die Regierung wird mit ihm nicht fertig, es kann also sein, daß man die radikale Linke dann doch braucht, aber die sind vielleicht naiv, aber sonst anständig. VS ist zwar mies, aber der Staat ist ja sowieso betrügerisch usf., also bleibe man besser unpolitisch, sonst kommt man ohnehin in Schwierigkeiten.

    Alles in allem von der Tendenz her wohl dazu anegelegt, ein zivilgesellschaftliches Bewußtsein, freilich weitestgehend geschichts- und erst recht glaubenslos, zu stärken, nicht kommunistisch, nicht revolutionär, aber schleichend progressiv, eher materiell ausgerichtet, spießig, ruhig, neubürgerlich, sozial usf.. Es gibt dann diejenigen, die es aus Naivität und Verzweiflung übertreiben, angesichts der »rechten« Angriffe auf die Zusammenhänge, wobei es sich eben um eine Pseudo-Rechte handelt, due den Leuten als einzige und freilich falsche Alternative vorgeführt werden soll.

    Also: späte BRD einmal wieder doch als freieste Gesellschaft auf ehemals deutschem Boden, darf aber ruhig noch etwas freier und sozialer sein.

    Zusammen mit den anderen Filmen der Gruppe und ihrer jeweiligen geschichtspolitischen Endaussage, gleichsam der Geschichtsteleologie, macht das genau das, was Felix im Eckart angemerkt hat.

    Nun, und die anschließende Dokumentation gestern, auf die ich, auch, aber nicht nur deshalb, weil ich heute um dreiviertel sechs aufstehen mußte, verzichtet habe, rundet das Ganze schön im Sinne der spätbundesrepublikanischen, gottvergessenen, geschichtslosen, aussteigegeilen, »zivillgesellschaftlichen«, multikulturellen, weltbürgerlich-provinziellen – die BRD ja als Keimzelle, noch immer – Flachheit ab.

    Alles in allem also doch in etwa wie zu erwarten. Ich schau mir den zweiten Teil dennoch an, interessant ist es ja trotzdem.

  7. Hab nur die Nachfilm-Propaganda gesehen. Die Röpke, das olle Reff, war in hochform: »Ich halte Frank Rennicke für einen sehr, sehr gefährlichen Neonazi.«

    Haha! Und Pastörs war wirklich zum abfeiern. Ein Schauspieler vor dem Herrn.

    Schade war, dass sie die witzigste Stelle von Jürgen Riegers Treffen mit Mo Asumang nicht gezeigt haben. Die, als Rieger ihr implizit vorwarf, dass sie gar nicht richtig denken könne, weil ihr die nordische Objektivität fehle.
    Ab min 1:30:
    http://www.youtube.com/watch?v=uNdJJ1Vm7VA

  8. Nils Wegner

    @ Druide:

    Sie haben zur Untermalung ja auch nur ganz besonders tolle Aufnahmen von Renni ausgesucht, wo er psychopathisch dreinstiert, und nochmal schön in Zeitlupe auf seine Zähne gezoomt, als er geredet hat… Zum Schießen. So offensichtlich zu manipulieren, da gehört schon eine geschüttelte Portion Dreistigkeit dazu. ^^

    Ach, und nun ist mir wieder eingefallen, welche – wenngleich nur sekundenlange – Einstellung im ersten »Grenze«-Teil ich am Signifikantesten fand: Als die DNS-Rollkommandos anfangen, »ihre« Viertel von Rostock zu säubern, sieht man kurz, wie Zivilisten mit Schildern »Schmarotzer verdienen keine Wohnung« oder so ähnlich durch die Straßen getrieben werden. Ein Schelm…

  9. Hat überhaupt nichts mit dem Thema zu tun, ist vielmehr eine Bitte an Felix und die anderen, die Kontakte zur Sezession haben. Außerdem interessiert es vielleicht noch einen der hier Mitlesenden.

    Im aktuellen Jahresbericht des Wehrbeauftragten findet sich ein interessanter Hinweis auf eine interne Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr. Demnach sympathisieren 13% der Offizieranwärter an den Bundeswehrhochschulen mit den Zielen der Neuen Rechten.

    Hier das Dokument, die Stelle, die ich meine, findet sich auf Seite 33.
    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/009/1700900.pdf

    Vielleicht ist ja jemand so freundlich und leitet dies weiter. Es finden sich auch ein paar andere interessante Passagen.

  10. Ohne Reichsflugscheiben, ohne mich.

  11. Felix Menzel

    @ Jan S.

    der Kamerad martin böcker hat sich auf sezession.de oder in der jf schon mal zu dieser studie geäußert.

  12. @Felix:

    Danke, ist bei der JF ein älterer Artikel. Kannte ich noch gar nicht.

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