Gesichtet

Die Moderne als antichristliche Revolte

„Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“ Diese kurze Passage aus Friedrich Nietzsches „Fröhlicher Wissenschaft“ scheint der Urgrund aller politischen und vor allem gesellschaftlichen Verwerfungen der Moderne zu sein. Wie geht die Menschheit damit um, dass Wissenschaft und Philosophie einen Schöpfergott unnötig gemacht zu haben scheinen?

Doch ist dem tatsächlich so? Beruht die weitverbreitete Meinung, Gott sei tot, tatsächlich zuerst auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit denen sich anschließend philosophisch auseinandergesetzt wurde? Oder kam nicht zuerst die ideologisch motivierte Rebellion gegen die göttliche Ordnung, die im Nachhinein einer wissenschaftlichen Legitimation bedurfte?

Von 1789 bis zur „Entstehung der Arten“

Wenn wir die Entwicklung der Moderne als einen in sich geschlossenen Gesamtvorgang im Sinne einer Rebellion gegen Gott betrachten, dann kommen wir nicht umhin, als letztlich zündenden Faktor die Ereignisse rund um die Französische Revolution von 1789 zu betrachten. Man muss kein Anhänger von Verschwörungstheorien sein, um die französische Freimaurerei, die im Gegensatz zur englischen durchgehend laizistisch gesinnt ist, als geistigen Brandstifter zu benennen.

Die Entchristianisierung zu Beginn der 1790er-Jahre legte den Grundstein für eine bis heute andauernde Abwicklung des Christentums. Christliche Feste wurden durch Revolutionsfeste ersetzt, die Zeitrechnung kurzerhand neu geregelt. Als Beginn des neuen Kalenders sollte das Jahr 1789 gelten.

Darwins Donnerschlag

Auch wenn die politischen Auswirkungen der Französischen Revolution nach den Koalitionskriegen 1815 zunächst begrenzt wurden, so war der antichristliche Geist doch aus der Flasche. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass 1859 der britische Naturforscher Charles Darwin mit seinem Hauptwerk Über die Entstehung der Arten eine wissenschaftliche Legitimation für die Anhänger von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ zu liefern schien.

Er war zwar nicht der Erste, der solcherlei Überlegungen anstellte, brachte aber alle gleichlautenden Argumente final zusammen. Seine Argumentationsweise, wonach stets nur die stärksten und besten Lebensformen überleben und alle anderen durch natürliche Selektion aussortiert werden, sollte nicht einmal 100 Jahre nach Erscheinen seines Werkes als Legitimation für millionenfachen Massenmord dienen.

Obendrein riss die These von der rein zufälligen Entstehung allen Lebens ein großes Vakuum in das menschliche Geistesleben, welches im folgenden Jahrhundert Ersatzreligionen wie der Nationalsozialismus oder Kommunismus zu füllen versuchten.

Waren die weltlichen Auswirkungen der antichristlichen Rebellion mit dem Wiener Kongress in weiten Teilen gebannt, sollten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit brutaler Wucht zurückkehren. Der Erste Weltkrieg ist rückblickend das Schlüsselereignis beim Untergang des christlichen Abendlandes. Die christlichen Reiche Österreich-Ungarn und Deutschland standen den Mächten des Mammons und den Erben von 1789 gegenüber, die fatalerweise das zaristische Russland an ihrer Seite hatten, das sich in vollkommener Lageverkennung in den Krieg hineintreiben ließ.

Der unglückliche Ausgang ist bekannt. Dadurch wurden in Russland und Deutschland Fliehkräfte entfacht, wie man sie zuvor kaum für möglich gehalten hätte. Die zwei brutalsten Diktaturen der Menschheitsgeschichte und zahllose Leichenberge waren die Folge.

Das antichristliche Prinzip

Der Sowjetkommunismus, für den das Christentum gemäß Karl Marx ohnehin nur „Opium für das Volk“ war, ließ erstmals erkennen, was passiert, wenn sich der Mensch als alleiniger Gestalter der Weltgeschicke begreift und statt Gott ein goldenes Kalb, in diesem Falle den Klassenkampf, in den Mittelpunkt seiner Geisteswelt stellt. Die Nationalsozialisten waren wohl die eifrigsten Schüler Darwins und demonstrierten, was es heißt, wenn man von höher- und minderwertigem Leben spricht.

Der Liberalismus schließlich, der aus dieser Raserei als strahlender Sieger hervorging, markiert lediglich einen Strategiewechsel. Sein Gift wirkt subtiler, es erscheint süßer, ist dafür aber nachhaltiger. Der Befreiung des Menschen von allen Zwängen, Gott eingeschlossen, hat uns in die heutige Situation einer dem Konsum verfallenen und stets den neuesten Kick suchenden Ellbogengesellschaft geführt. Und doch vermag der allgegenwärtige Konsum den Menschen keinen Frieden zu bringen. Psychische Erkrankungen und immer neue Perversitäten sind hierbei nur ein Ausdruck einer dem Menschen im tiefsten Inneren berührenden Gesamtkrise.

Man mag sich fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungen gibt und eine treibende Kraft hinter allem steht. In der Heiligen Schrift findet sich diese interessante Passage: „Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen.“ (Of 12:10)

Der Trick des Teufels

Wenn wir Gott nicht für tot halten und seinem Wort in der Heiligen Schrift Glauben schenken, kann es uns nicht schwerfallen, die oben gestellte Frage zu beantworten, wenngleich dies ein Höchstmaß an politischer Inkorrektheit darstellt. In einem Spielfilmzitat heißt es treffend: „Der größte Trick, den der Teufel je gebracht hat, war die Welt glauben zu lassen, es gäbe ihn gar nicht.“ Mit dem Teufel verhält es sich wie mit der dunklen Energie im Weltall. Man kann sie nicht sehen. Betrachtet man aber den Gesamtkontext aller Bewegungen, ist sie die einzige logische Kraft hinter diesen Bewegungen. Hier sei das kürzlich erschienene dreibändige Werk Wie der Teufel die Welt beherrscht empfohlen, in dem Historiker und andere Wissenschaftler das eben Skizzierte ausführlich behandeln.

Was heißt das nun für uns, die wir Gott nicht für tot halten? Wir müssen begreifen, dass die weltlichen Konflikte lediglich die Projektionsfläche geistigen Ringens sind und dass alle Kräfte, die sich zwar der völker- und kulturzersetzenden Globalisierung widersetzen, dies aber aus einer atheistischen Motivation heraus tun, nicht Teil der Lösung sein können. Denn was nützt es, wenn jemand die Auswirkungen eines Problems erkennt, die Ursache aber nicht wahrhaben will? Das gilt auch für alle neuheidnischen Bestrebungen, die nur einen dürftig verkleideten Atheismus vertreten und Gefahr laufen, einem „Materialismus des Blutes“ zu huldigen, wie der konservative Revolutionär Edgar Julius Jung die Idealisierung von Volk und Nation ohne Gottesbezug einmal nannte.

Zu guter Letzt gilt es, auf jegliche Häme oder gar Hass in der politischen Auseinandersetzung zu verzichten. Denn wie heißt es doch: „Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.“ (Matt 5:44) Entweder der Widerstand gegen die Globalisierung ist christlich fundiert oder er ist zum Scheitern verurteilt.

(Bild: Nietzsche)


28 Kommentare zu “Die Moderne als antichristliche Revolte

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