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Dresden wiederholt sich …

… und zwar diesen Freitag in Chemnitz. Am 5. März 1945 wurde die Stadt mit 600 Tonnen Sprengbomben „befreit“. Für den 65. Jahrestag dieser Tragödie hat die NPD einen Marsch durch die Innenstadt angemeldet. Die Stadt Chemnitz wollte diesen verbieten, unterlag aber vor Gericht. Mit strengen Auflagen will Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) jetzt zumindest die Marschroute durch die Innenstadt verhindern. Zugleich unterstützt sie das „Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz“. Dieses ruft zu einer Aktion auf dem Theaterplatz um 16 Uhr auf. Daneben findet eine Vielzahl von Veranstaltungen zum „Chemnitzer Friedenstag“ statt.

Auf der Unterstützerliste des Bündnisses der Stadt stehen übrigens altbekannte Namen: Claudia Roth (Die Grünen), Sahra Wagenknecht (Die Linke), Justin Sonder (Ehrenvorsitzender der VVN-BdA) und Klaus Bartl (früher IM Andreas Förster, jetzt Die Linke). Auf der Liste finden sich aber auch CDU-Politiker wie der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich und die sächsische Landtagsabgeordnete Ines Saborowski-Richter. Von Linksaußen bis in die Mitte der Gesellschaft ist also alles dabei.

Am 5. März 1945 zerstörten britische und amerikanische Bomberverbände Chemnitz. 2100 Tote gab es an diesem Tag, insgesamt knapp 4000 (Zahlen schwanken). 100.000 Menschen wurden obdachlos. Etwa 10.000 konnten sich in ein unterirdisches Stollensystem unter dem Kaßberg retten. Offizielles Ziel der Alliierten war die Schwächung der Infrastruktur und Industrie. Jedoch verwundert es, daß Eisenbahnlinien kaum getroffen wurden, die Innenstadt aber umso mehr (27.000 Wohnungen zerstört). Alliierten Presseberichten zufolge war Chemnitz danach eine „tote Stadt“.Vom 12. bis 18. April folgten trotzdem weitere Angriffe. Am 8. Mai 1945 fiel Chemnitz dann in russische Hände.

Zum 8. Mai 2010 will die Fraktion der Linken mit einer Kranzniederlegung auf dem Sowjetischen Friedhof in Chemnitz „unter Teilnahme von Vertretern der Antihitlerkoalition“ daran erinnern. Oberbürgermeisterin Ludwig begrüßte diesen Vorschlag in einem Schreiben vom 9. Februar, das BlaueNarzisse.de vorliegt. „Die Gedenkstunde soll an die Menschen erinnern, die Gesundheit und Leben für die Befreiung des deutschen Volkes und der Völker Europas vom Faschismus eingesetzt und millionenfach verloren haben“, heißt es dort. Über die von Russen vergewaltigten Frauen verliert Ludwig kein Wort.

Der Stadtrat entscheidet nächste Woche über das Gedenken zum 65. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Dresden wiederholt sich …

  1. Der Frieden, den sie meinen

    Mehr Frieden war nie. Darf man dem Veranstaltungsprogramm zum „Chemnitzer Friedenstag 2010“ glauben, wird Chemnitz morgen sehr friedlich sein: Unter dem Motto „Frieden auf der ganzen Linie“ malen Kinder „Friedensbilder“ und gestalten den »Bus für den Frieden«. „Friedensimpulse“ und einen „Friedenstreff“ vor der alten Post wird es geben und die Chemnitzer sollen ihre „Friedenswünsche“ an der „Gedenk- und Aktionsfläche Friedenskreuz“ abgeben. Parallel zur Verleihung des „Chemnitzer Friedenspreises“ gibt es, wie schon 2009, an der Stelle des zerbombten Kinderheims ein „Bernsdorfer Friedensfest“. Das Angebot dort: „Friedenstaubenbasteln, Friedensfeuer, Friedenstaubenballons steigen lassen“. Der Verein Kunstraum Chemnitz beteiligt sich mit dem Projekt »Friedenspfad«, in der Jakobikirche gibt es – Überraschung! – einen „Friedensgottesdienst“, die Rede ist von einem „Chemnitzer Friedenskalender“, „friedensstiftenden Aktivitäten“, „Friedensarbeit“, „nachhaltiger Friedensentwicklung und -erhaltung“ und natürlich vom „Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz.“

    Dieses Bündnis der Friedensfreunde und ihre linksextremen Handlanger am Hauptbahnhof werden also morgen wie neulich in Dresden versuchen, ihrer Toleranz Ausdruck zu verleihen. In der Praxis: Dem politischen Gegner soll durch Nötigung die Wahrnehmung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit unmöglich gemacht werden. Durch Absprachen mit der Polizei und unter Ignorierung von Gerichtsentscheidungen wird der Notstand herbeigetrickst, verkauft wird das ganze dann als „Zivilcourage“.

    Das wohlfeile Beschwören des Friedens wird wie vor 1989 als ideologische Allzweckwaffe genutzt. Wer in der DDR lebte, kennt die Frage „Du bist doch für den Frieden!?“ und weiß auch, bei welchen Gelegenheiten und mit welcher Intention sie geäußert wurde: Wer gegen uns ist, ist gegen den Frieden!

  2. urmel aus dem eis

    Genau, was sind auch 6 Millionen Juden gegen die vielen vergewaltigten Frauen? Waren ja schließlich Deutsche!

  3. Auf chemnitzer-friedenstag.de taucht sogar einmal der Begriff »Kriegsverbrechen« auf. Aber nicht etwa im Hinblick auf den organisierten tausendfachen Mord an Zivilisten in Chemnitz, sondern weil in Frankenberg einer der Bomberpiloten gelyncht wurde.

    Die »Hintergründe« zum 5. März 1945 auf chemnitzer-friedenstag.de sind seit Tagen nicht mehr zu finden. Sie werden gerade »überarbeitet«, da die »Antifaschistische Aktion Karl-Marx-Stadt« mehrfach daran zu nörgeln hatte. Und diese darf selbstverständlich den Ton angeben, wenn es um das Gedenken an Chemnitzer Bombenopfer geht…

  4. Ui da sind sie wieder die 6 Millionen. Schon im zweiten Kommentar… Wie schnell das aber auch immer geht. Das muss eine Obsession sein.

    Aber der erste Kommentar entlockte mir einen kräftigen Friedenslacher.
    Diese Bannrituale der Gedenkgutmenschen erinnern immer an primitive Stammesmagie. So wie Regen bzw. Sonnentänze. Abergläubisches Gejaule, das nur Zeit und Geld kostet, aber nichts als stupide Selbstbestätigung der Beteiligten generiert. Frieden hier Frieden da und die Probleme verschwinden von ganz alleine. Manchmal ist es auch einfach ein wenig laaangweilig.
    Die werden alle ihren noch Krieg bekommen, wenn nicht langsam mal ein paar von den Knallköppen aufwachen.

  5. Ja genau »urmel aus dem eis«. Und was haben jetzt die vergewaltigten Frauen mit den sechs Millionen zu tun? Waren die alle im KZ Aufseher?
    Was haben die Kinder in dem Kinderheim auf der Bernsdorfer Straße mit dem Krieg zu tun gehabt? Warum soll ein, an der Westfront kämpfender 19-jähriger SS-Junker etwas sühnen, das er moralisch überhaupt nicht zu verantworten hat?
    Wer heute die FP gelesen hat, hat die alten Bilder gesehen, und kann sich vorstellen, welche Anmutung Chemnitz gehabt haben muß, ohne die postmodernen Architekturverbrechen die heutzutage das Stadtbild prägen. Das alles wurde in einem Moment zerstört, als der Krieg schon längst verloren war. Völlig ohne Sinn und militärisches Ziel.

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