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Dávila und de Maistre oder: Menschenrechte und Demokratie

Der kolumbianische Reaktionär Nicolás Gómez Dávila gehört zu den Autoren, die wir eigentlich jeden Monat mindestens einmal zitieren müssen, weil sie in wenigen Sätzen die Grundprobleme der Gegenwart zum Ausdruck gebracht haben. Dávila darf heute etwas zur Unvereinbarkeit von Demokratie und der Idee unantastbarer Menschenrechte sagen:

Der individualistische Demokrat kann nicht behaupten, daß eine Norm falsch sei, sondern lediglich daß er eine andere wünscht; nicht, daß ein Gesetz ungerecht ist, sondern, daß er ein anderes will; nicht, daß ein Preis absurd sei, sondern daß ein anderer ihm akzeptabel sei. Die Gerechtigkeit in einer individualistischen und liberalen Demokratie ist das, was in irgend einem Augenblick existiert.

Der Philosoph Joseph de Maistre hat bereits in seinem „Anti-Rousseau“ gesehen, welche zwangsläufige Folge das haben muß, wenn eine Demokratie langfristig überdauern will:

Die wirklichen Gesetzgeber haben alle gespürt, daß die menschliche Vernunft allein nicht bestehen und daß keine rein menschliche Einrichtung von Dauer sein konnte. Daher haben sie, wenn man so sagen darf, Politik und Religion miteinander verwoben, damit sich die durch einen übernatürlichen Halt gestärkte menschliche Schwäche mit ihrer Hilfe aufrecht halten konnte.

Auch die heutigen Demokratien kennen noch Normen, über die sie nicht einmal das Parlament abstimmen lassen und die sie damit zivilreligiös heilig sprechen, um ihnen Dauer zu verleihen. Das trifft insbesondere für die Menschenrechte zu. Für Dávila ist dies der Beweis für die unvereinbaren Logiken hinter der Demokratie einerseits und den Menschenrechten andererseits:

Die Folgen der Thesen (der Demokraten, Anmerk. FM) entsetzen diejenigen, die sie verkünden, und legen ihnen nahe, ihren Irrtum zu beheben, indem sie an unantastbare Menschenrechte apellieren. Dieses Vorhaben zeigt trotz seiner schwachen metaphysischen Begründung seine reaktionäre Herkunft, denn dem souveränen Volk mittels einer feierlichen Prinzipienerklärung oder einer taxativen Verfassung eingeschränkter Rechte einen Teil seiner vermeintlichen Macht zu entziehen, ist ein Verrat an den demokratischen Postulaten.

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