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E. J. Jung: „Der Geschlechtsakt wird gewollt unfruchtbar“

Mittlerweile hat sich selbst die etablierte Politik an Prophezeiungen gewöhnt, die das demographische Elend Deutschlands voraussagen. An die Wurzel dieses Problems gehen diejenigen, die etwas tun könnten, trotzdem nicht ran. Als die Region Chemnitz vor drei Tagen zur bald ältesten in Europa gekürt wurde, kamen wieder nur rhetorische Floskeln aus dem Rathaus. „Bloß keine Katastrophenstimmung“, „Wir sind auf einem guten Weg“ und so weiter, und so fort.

Durch Zufall bin ich nun auf einen Auszug von Edgar Julius Jungs „Herrschaft der Minderwertigen“ gestoßen. Wir hatten Jung ja bisher einzig als Vordenker eines neuen Staates vorgestellt, aber der konservative Revolutionär hat sich auch über die „Sexualisierung der Liebe“ Gedanken gemacht und bereits 1930 eine Bestandsaufnahme getroffen, die heute aktueller denn je ist:

Wie im Gemeinschaftsleben überhaupt, so ist auch im Geschlechtsleben die kosmische Ganzheit abhanden gekommen.

Der losgelöste, Vernunft und metaphysische Gebundenheit leugnende Verstand hat auch hier die geistige Einheit des Menschen vernichtet.

Waltet über dem Denken nicht mehr der Drang nach naturgewollter Ordnung, sondern die willkürliche Lust, geistig zu zerlegen und die so gewonnenen Teile mit einem ganz besonderen Wert auszustatten, so muß der Sinn der Lebens verlorengehen.

Die Rache des mißhandelten metaphysischen Triebes bewirkt die Durchdringung der gesamten menschlichen Welt mit jener Wertvorstellung, die der abstrahierende Verstand als die vornehmste „erkannt“ hat.

Das Wesen der Gegenwart besteht nun darin, daß die zweite – nämlich die sinnliche – Stufe des Eros aus dem gesamten erotischen Lebensvorgange getrennt und entsprechend hervorgehoben wird.

Sie wird idealisiert und führt zur Schwächung des Geistigen.

Der metaphysische Trieb rächt sich und findet die vergeblich erstrebte Ganzheit des menschlichen Geistes darin, daß alle Lebensäußerungen auf bewußte oder unbewußte (verdrängte) Geschlechtlichkeit zurückzuführen seien. Dies ist der Weg, den die Psychoanalyse gegangen ist.

Sie ist deshalb nicht – wie Thomas Mann meint – „Rückschlagsbewegung gegen mechanistisch-materialistische Neigungen des vorigen Jahrhunderts“, sondern ihr getreuester Ausdruck.

Sie ist noch viel weniger „der Mystik entkleidete, Naturwissenschaft gewordene Romantik“; denn ihr „Pansexualismus“ ist nur das Spiegelbild des keine erotischen Ganzheiten mehr sehenden, den Geschlechtstrieb aus dem Gesamt der menschlichen Kräfte herauslösenden Verstandes, im nicht verstandesmäßigen Bereiche.

Daß sie damit aber dem Grundzug der Romantik – welche die bildende Seele und nicht den nackten Trieb in die Mitte ihrer Welt stellte – gerade entgegengesetzt ist, läßt sich im einzelnen nachweisen.

Die Sexualisierung der Liebe hat eine Reihe von Begleiterscheinungen: das Mittel – die erhöhte Lust zwecks Zeugung – wird zum Zwecke.

Da die rein sinnliche Liebe von Natur treulos ist, werden die geschlechtlichen Beziehungen flüchtig.

Das Schamgefühl, als Regler des geistigen Willens zur Beherrschung niederer Sinnlichkeit, erlischt.

Die erotische Spannung zwischen den Geschlechtern läßt nach und macht der Entspannung, der Abgestumpftheit Platz.

Das Bedürfnis, durch Betonung der Geschlechtsmerkmale das andere Geschlecht anzulocken – natürlich und verständlich im Verlaufe des gesamten Zeugungsvorganges – wird zum alltäglichen Regelzustand.

Die moderne Kleidermode, deren körperbefreiende und deshalb lebensbejahende Seite nicht verkannt werden soll, neigt genau wie die Sportbewegung zur Stärkung des Auflösenden.

Das gesamte öffentliche Bild wird, den Trägern der Kleidermode oft unbewußt, durch den Drang, den Partner geschlechtlich zu reizen, bestimmt.

Die Literatur verliert sich, teils in wissenschaftlichem Gewande, teils mit kaum verhüllter Absicht, in taktlos übertreibende und verherrlichende Ausmalung der reinen Sinnenliebe.

So konnte kaum eine geschmacksverlassenere Auffassung der Ehe zum Durchbruch gelangen, als jene, welche die „Vollkommenheit“ der Ehe abhängig machen will von der gründlichen Kenntnis und der durch medizinisches Studium erworbenen Fähigkeit, die sexuelle Lust zu „verfeinern“.

Begierig verschlingt der aufklärungsfreudige Schwächling jene Schreiberzeugnisse, von denen geschäftstüchtige und von aller Anständigkeit verlassene Menschen behaupten, sie verbürgten neues Lebensglück.

Endlich aber bedingt die Herausziehung und Verherrlichung der niederen Sinnenliebe aus dem erotischen Gesamtvorgange die Trennung des sinnlich zeugenden Eros vom erkenntnislos zeugenden.

Die machtvollste Bindung zur Natur geht somit verloren. Der Geschlechtsakt wird gewollt unfruchtbar durch Verhütung der Empfängnis oder Abtreibung der Frucht.

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