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Eichendorff: Glückliche Schriftstellerey

Einsamkeit ist der treue stille Freund, dem man nichts verhellt, was man im Umgange verbirgt. Da ergißt man sein Herz, wenn man die Feder ergreift. Man schreibt zwar nicht immer, weil man einsam ist, aber man muß doch einsam seyn, wenn man schreiben will. Wer philosophieren oder dichten will, muß seine volle Freyheit haben; er muß nicht jeden Augenblick seine Thür rauschen und seine Kinder schreyen hören […]. Man muß ihn allein lassen. Er muß allen Bewegungen seines Kopfes folgen, muß arbeiten können, wenn er sich dazu aufgelegt fühlt, und wo ihm die Arbeit am besten von Statten geht, im Freyen oder auf seinem Zimmer, im Schatten eines Baumes oder in seinem Lehnstuhl. Zur glücklichen Schriftstellerey gehört dringendes geistiges Bedürfniß und eine Lage, worin man die Gegenstände seiner Thätigkeit nach seinem Geschmack wählen, und sich dem Andrang seiner Ideen frey überlassen kann […]. Nur dann schreibt man gut, wenn man sich durch eine innere Stimme zum Schreiben aufgefordert fühlt, wenn man die kostbaren Augenblicke, wo der Kopf frey, und das Herz erwärmt ist, nicht ungenützt vorüber gehen läßt. Man muß zu einem lebhafteren Anschauen seines Gegenstandes gestimmt, von allen Empfindungen belebt, und durch Nichtachtung von Hindernissen gestählt seyn; dann umfaßt die Seele alles mächtiger, und Gedanken und Ausdrücke stellen sich ihr von selbst dar. Dann fragt man sich nicht mehr, soll ich schreiben oder nicht? Man muß schreiben, und sollte man alles, sein Glück, seine Familie, die Liebe seiner Freunde, die Gunst der Großen und alles, was man besitzt, dadurch aufs Spiel setzen.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

2 Kommentare zu “Eichendorff: Glückliche Schriftstellerey

  1. Fahrnwiesen

    Eine Quellenangabe für unseren alten Taugenichts wäre schön gewesen.

  2. Ein Klarname wäre auch schön gewesen.

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