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Einblick in unsere Anfänge als Schülerzeitung

Unsere ersten vier Druckausgaben sind restlos ausverkauft. Wer unser Treiben damals noch nicht mitverfolgt hat, was ja ziemlich wahrscheinlich ist, für den ein kleiner Rückblick: 2004 gründeten wir die Blaue Narzisse als kulturelle Schülerzeitung für alle Chemnitzer Gymnasien. Erstauflage: 300. Die Zeitungen wurden in der Großen Pause für 50 Cent verkauft. An den meisten Schulen lief alles nach Plan, nur zwei Direktoren verboten den Vertrieb der Blauen Narzisse, weil einige Autoren und Redakteure sich bereits einen »rechten« Ruf erarbeitet hatten.

Die Schulleitungen ignorierten damit geltendes Recht, aber wir hatten noch keine eigene Rechtsabteilung. Als ich mich dann ein halbes Jahr später und pünktlich zum Erscheinen der zweiten Ausgabe juristisch beraten ließ, zur Direktorin trabte und ihr mitteilte, sie dürfe den Vertrieb auf dem Schulgelände nicht verbieten, waren wenige Tage vorher die Verordnungen, auf die wir uns bis dato berufen konnten, gestrichen. Um den Verkauf der Blauen Narzisse zu verhindern, hatte das sächsische Kultusministerium doch tatsächlich eine Verordnung für Schülerzeitungen wegbürokratisiert. Wir bewegten uns also fortan im rechtsfreien Raum und waren auf das Wohlwollen der Schulen angewiesen.

An der Hälfte der Schulen lief es noch eineinhalb Jahre sehr ordentlich, aber auch dort, wo wir noch verkaufen durften, fraßen sich absurde Vorwürfe durch. Selbst unseren Vorzeigelinken in der Redaktion wurde vorgeworfen, NPD-Mitglieder zu sein. Weil bei all den politischen Kämpfen immer die inhaltliche Arbeit zu kurz kommt, entschieden wir uns 2006 dazu, unseren Schwerpunkt ins Internet zu verlagern. Was daraus geworden ist, seht ihr ja.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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