Gesichtet

Embryonen im Tiefkühlparadies

Im Zuge der der nun schon länger anhaltenden Debatte um Reproduktionsmedizin und die Freigabe der Leihmutterschaft in Deutschland wird in den Medien auch immer wieder ein Umstand thematisiert, der mit verantwortlich ist, dass eine Erlaubnis von Leihmutterschaft überhaupt gefordert wird: Frauen in Deutschland bekommen immer später Kinder.

Tatsächlich ist es so, dass in Deutschland derzeit jede zehnte Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes 38 Jahre alt ist oder älter. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn das Geschäft mit der Reproduktionsmedizin boomt. Allein 2015 wurden rund 96.000 Frauen in Deutschland durch eine künstliche Befruchtung schwanger. Und damit stehen die deutschen Frauen nicht allein da. In den anderen Industrienationen der westlichen Welt ist der Trend ähnlich.

Künstliche Befruchtung und Abtreibung

Dabei wird aber ein Aspekt sträflich vernachlässigt. Was passiert eigentlich mit den Eizellen, die zwar im Reagenzglas befruchtet, jedoch der Frau nicht eingepflanzt werden. Denn bei einer künstlichen Befruchtung werden immer mehrere Eizellen entnommen und befruchtet, um die Wahrscheinlichkeit des Gelingens zu erhöhen. Diese Embryonen, die nach deutschem Gesetz schon menschliches Leben sind, werden eingefroren, weil sie ja nicht weggeschmissen werden dürfen. Seltsam eigentlich. Denn bei einer Abtreibung wird genau das gemacht. Und da hat man schließlich auch keine Bedenken, menschliches Leben auszulöschen.

Das Problem an der ganzen Diskussion ist, dass man auf das Problem, wie so oft, nur aus einem dezidiert linksliberalen oder linken Blickwinkel schaut. Man liest die ganze Zeit nur von Frauen, die mit 40 noch schwanger werden wollen, es aber nicht klappt. Frauen, die Kinder wollen, aber keine bekommen können auf natürlichem Weg. Frauen, die erst einmal Karriere machen, sich selbst verwirklichen wollen. Die ganze Zeit werden nur die Sorgen und Bedürfnisse von Frauen thematisiert, am Rande vielleicht noch die Männer, die auch wissen sollten, dass ihre Frau,Freundin oder Lebensgefährtin nicht ihr ganzes Leben fruchtbar bleibt.

Kinder für Homosexuelle

Ein anderer Aspekt, der gerne bejubelt wird, ist der Umstand, dass es mit Hilfe der künstlichen Befruchtung auch Homosexuellen theoretisch möglich sei, Kinder zu bekommen, zumindest Lesben. Was aber dies für ein Kind und seine seelische und psychische Entwicklung bedeutet, ist eine andere Baustelle.

Was ist aber mit den anderen Menschen, die im Reagenzglas gezeugt, aber niemals die Chance erhalten werden, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen und stattdessen wortwörtlich auf Eis gelegt werden? Im Übrigen ist dies eine äußerst unromantische und kalte Vorstellung, man fühlt sich wie in einem Science-Fiction-Roman. Dieser Umstand scheint unseren Journalisten in ihren klugen und wortgewandten Essays über dieses Thema nicht wichtig. Dabei hat ein solcher Mensch doch wohl mindestens die gleiche Berechtigung auf ein Leben, wie die Mutter, der Arzt oder der Journalist, der sich darüber auslässt.

Schutz von ungeborenem Leben ist nicht en vogue. In unserem durchfeminisierten und durchgegenderten Deutschland ist Frau nunmal König. Und „My body, my choice“ ist eben Staatsraison. Wem das nicht passt, kann entweder den Mund halten und sich dem Dauerjubel enthalten, was schon schlimm genug ist. Oder sich gleich zu den rechten Schmuddelkindern in die Ecke stellen und religiös-fanatische, hinterwäldlerische oder ganz einfach böse (denn rechts ist bekanntlich nur ein anderes Wort für das absolut Böse) Hetze gegen die heilige Monstranz des aufgeklärten Fortschritts betreiben. Man sollte sich dann aber nicht wundern, wenn man von aufrechten Demokraten und Verteidigern der Menschenrechte (also Frauenrechte?) eine gescheuert bekommt. Denn uns rechten Spinnern muss man förmlich die Vernunft einprügeln.

Medizinischen Fortschritt blind bejubeln?

Auch hier gilt. Man sollte nicht den Fehler begehen – gewollt oder ungewollt – jeden medizinischen Fortschritt blind zu bejubeln. Man sollte sich vielmehr fragen, ob dieser Fortschritt auch ethisch vertretbar ist. Meiner Meinung nach nicht. Denn Leben zu zeugen, dann aber einzufrieren, ohne Einwilligung des Betreffenden, ist ja wohl mehr als fragwürdig.

(Bild: iKobe!, flickr, CC BY-SA 2.0)

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10 Kommentare zu “Embryonen im Tiefkühlparadies

  1. Heute ist es weltweit einen Trend zum kontinuierlichen Wachstum vom Bedarf an der Leihmutterschaft zu beobachten. Durch dieses Verfahren sind sogar viele Stars zu den Eltern geworden. Viele Deutsche wenden sich ja auch an die Leihmutterschaft, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Warum auch nicht? Wieso sollen denn die ungewollt kinderlosen Menschen auf ihren Traum verzichten? Und da bei uns in Deutschland dieses Thema tabuisiert ist, ist es ja klar, dass die verzweifelten Paare ins Ausland pilgern, um dort zum Baby verholfen zu werden.
    Viele Osteuropäische Länder sind im Bereich der Ki-Wu Behandlung viel progressiver und entwickelter als Deutschland. Unfassbar, oder!?

  2. Die Humanressourcen von Länder, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht, der eigenen Dekadenz willen, auszubeuten, ist also progressiv? Ganz schön steile These.
    Denn Dekadenz ist es, wenn alte Menschen glauben, sie müssten noch einmal Eltern werden. Nach dem Motto: jetzt haben wir unser ganzes Leben schön ausgekostet, zur Rente, wollen wir dann noch mal Kinder.
    Wie VIELE Stars wurden eigentlich mit Leihmüttern zu »Eltern«? Also wenn man Adoption nicht unter Leihmutterschaft verbucht.

  3. Infolge der Hysterektomie (LAVH) ist es für mich leider abgesagt, schwanger zu werden und das Baby selbst zur Welt zu bringen. Deshalb sollten wir ja einen Ausweg suchen. Und das haben wir nämlich, und zwar war es die Leihmutterschaft (die Ukraine). Bereue ich diese Entscheidung? In gar keinem Fall! Würde ich nochmals diese Option in Anspruch nehmen? Ganz gewiß!

  4. Wir haben mit meinem Mann zuerst Adoption in Betracht gezogen. Es aber stellte sich heraus, dass es leichter gesagt als getan. Und dann kam Leihmutterschaft in Frage. Mit Hilfe deren bekamen wir 100% biologisches Kind. Das wurde einfach von einer ukrainischen Frau ausgetragen und geboren. Und wir sind ihr sehr dankbar.

  5. Gute Bedingungen für die Leihmutterschaft bestehen aber nur in der Theorie. In der Praxis verlieren hier sowohl Leihmütter als auch die Kinder. Belastungen der Kinder wie das Fehlen und Unterbrechen erster Bindungserfahrungen, Konflikte für Leihmutter und letzlich auch für die Wunscheltern werden in Kauf genommen. Und diese Konflikte hängen nicht davon ab, ob die Leihmutter das Geld erhält oder nicht.
    Leihmutterschaft steht gegen das Recht des Kindes auf sichere vorgeburtliche Beziehung und Bindung, auf eindeutige Herkunft und auf Förderung seiner Gesundheit von Anfang an.

  6. Bedarf an Verfahren der Reproduktionsmedizin steigt und wird wahrscheinlich noch weiter steigen. In diesem Gebiet herrscht nämlich übermäßige Freizügigkeit. Neulich habe ich eine Sendung über eine ukrainische Leihmutterschaftsanlaufstelle Biotexcom gesehen. Wahnsinn! Es ist ja kaum zu fassen, aber eine Menge von Europäern befindet sich in dieser Klinik in Behandlung. Und diese Menschen haben ja kein schlechtes Gewissen, Eizellspende oder Leihmutterschaft in Kauf zu nehmen. Ein recht gut gehendes Geschäft…

  7. Da die Leihmutterschaft nur in etlichen Ländern erlaubt ist, gibt´s nicht so viele Optionen für diejenige unfruchtbaren Menschen, die bereit sind dieses Verfahren in Kauf zu nehmen. Hier eifert die Ukraine den USA nach. Mir kommt ja lächerlich die Information an, dass die Ukraine die amerikanische Reproduktologie sogar übertrifft:
    http://de.newseurope.info/?p=45853
    Ehrlich, ich lache mich tot 🙂

  8. Ich finde, Leihmutterschaft in der Ukraine ist keine gute Idee. Wenn sich doch an solchen ernsthaften Schritt zu wagen, besser wäre es jedoch eine Wahl zugunsten der USA zu treffen.

  9. Die Ukraine ist bloß ein Dorado für die überreifen Damen, die Eizellspende in Anspruch nehmen (nicht nachvollziehbar aber wozu???), und für die unverschämten unfruchtbaren Paare, die um ihrer Kinderwunscherfüllung willen, zu jeder Schandtat (hier meine ich die Ersatzmutterschaft) bereit sind.

  10. Es stimmt ja. Solch ein abartiges Ereignis wie künstliche Befruchtung einer 64-jährigen Frau konnte ja nur dort geschehen. Die Geschichte ist kaum zu fassen. Ich bin immer noch darüber vergrätzt… Jetzt hat also die Frau gefasst, wie »blauäugig« sie war. Sie sollte sich aber früher im Lichte der Vernunft verhalten, jetzt ist es schon zu spät zu beklagen…
    http://de.newseurope.info/?p=48830

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